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Barack Obama bekommt bald Fasnachtsklänge auf die Ohren

Basler Fasnachtsmärsche und Trommelkunst sind auf dem Weg ins Weisse Haus. Und zwar vor allem jene, die eigentlich angelsächsische Wurzeln haben.

Nicolas Drechsler
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Die Old Guard spielt auf; hier für Barack Obama und den mexikanischen Staatspräsidenten Felipe Calderón.

Die Old Guard spielt auf; hier für Barack Obama und den mexikanischen Staatspräsidenten Felipe Calderón.

AFP

Wenn der amerikanische Präsident Gäste empfängt, dann marschieren Pfeifer und Tambouren auf. In Uniformen aus der Gründungszeit der Vereinigten Staaten paradiert das United States Army Old Guard Fife and Drum Corps stolz auf dem Rasen des Weissen Hauses. Sie sind die Musiker des 3. US Infanterie-Regiments, dem ältesten der US Army, das sämtliche Zeremonialpflichten in der amerikanischen Hauptstadt und auf dem nationalen Heldenfriedhof in Arlington wahrnimmt – wenn es nicht gerade in einem Auslandeinsatz als Kampftruppe unterwegs ist. Die rotgewandeten, mit Dreispitz behuteten Musiker sind sozusagen das Äquivalent zu ihren gleichfarbigen Kollegen der britischen Garderegimenter, die ebenfalls Repräsentationspflichten und Kriegseinsätze leisten.

Derzeit allerdings müsste Barack Obama auf einen Schlüsselmann seiner Hausmusiker verzichten: den Leader der Snare Drum Line, Mark Reilly. Der Trommler ist nämlich gerade damit beschäftigt, mit der OnYva und der Déjavu-Clique in Basel Fasnacht zu machen. Und er geniesst es. «Na ja, das Wetter ist nicht das beste, aber die Stimmung ist hervorragend. So lange du die richtige Einstellung hast, ist Fasnacht immer toll.»

Reilly geniesst die Fasnacht nicht zum ersten Mal, er kommt seit 2005 immer wieder nach Basel, seit 2009 macht er aktiv Fasnacht. Er müsse sich immer sehr konzentrieren in Basel, denn der Trommel-Stil sei ein ganz anderer als zu Hause im District of Columbia. Auch wenn er viele Melodien gut kenne.

Märsche zurück nach Amerika

Und genau das hat Reilly zu etwas animiert, das er einen «Überkreuz-Kulturaustausch» nennt: die Märsche, die an der Basler Fasnacht gepfiffen und getrommelt werden, mit in die USA zu nehmen. Und zwar vor allem jene, die eigentlich angelsächsische Wurzeln haben. Die also aus Grossbritannien mit Umweg über die USA oder auch ohne für Basler Trommel und Piccolo arrangiert wurden. So enthält der «Arabi» neben dem Marsch «The British Grenadiers» auch den ursprünglich irischen Song «Garryowen».

Diese Melodien kennt man in der amerikanischen Militärmusik gut. «Garryowen» ist beispielsweise der Regimentsmarsch der 7. Kavallerie. Jenes Regiments also, das 1876 am Little Bighorn seine berühmte Niederlage gegen die vereinigten Lakota und Cheyenne erlitt. Heute fahren die Kavallerie-Soldaten im Panzer durch die Gegend. Aber den Marsch über das Städtchen in Irland, den spielen sie immer noch. Allerdings auf eine etwas andere Weise, als er in Basel an der Fasnacht gepfiffen und getrommelt wird.

Just hier will Reilly ansetzen, bei den unterschiedlichen Arten, das Fell mit den Schlegeln zu bearbeiten: «Ich will den Basler Stil zu trommeln an der Universität von West Virginia, wo ich unterrichte, in den Lehrplan einbringen. Natürlich bei der Old Guard des Präsidenten und bei einer weiteren Pipe-and-Drum-Gruppe, der ich angehöre.» Letztere besteht aus sieben Amerikanern und einem Schweizer und spielte schon am Empfang des Schweizer Botschafters zum 1. August.

Interkultureller Trommelkönig

Reilly liebt den Mix der verschiedenen Stile. Seinen ersten Kontakt mit der Fasnachtskunst in Basel hatte er 2005. «Damals kam ich nach Basel, um mit der Gruppe Top Secret zu trommeln, mit denen ich dann nach Edinburgh ans Tattoo ging.» Das sei das Spannende am Trommeln auf diesem Niveau: als Amerikaner mit Baslern in Schottland auftreten, sagt der Berufsmusiker und mehrfach ausgezeichnete Perkussionist. Danach arrangierte er während fünf Jahren Stücke und Märsche für die Basler Startambouren.

Und dank ihm ist es sehr wahrscheinlich, dass in Zukunft die Märsche an den amerikanischen Staatsempfängen etwas baslerischer klingen als bisher. Und in den Hörsälen der Universität von West Virginia die gleichen Übungsbeispiele aus den Boxen klingen, wie in einem Cliquenkeller bei der allwöchentlichen Trommelstunde.