Behindertengesetz

Barfi-Haltestelle macht Probleme: Kurve ärgert die Verkehrsplaner

Wir die Barfüsser-Haltestelle wegen der scharfen Kurve verlegt? Wird es nur noch eine Haltestelle geben? Solche Fragen werden derzeit abgeklärt.

Wir die Barfüsser-Haltestelle wegen der scharfen Kurve verlegt? Wird es nur noch eine Haltestelle geben? Solche Fragen werden derzeit abgeklärt.

Gesetzlich müssten Trottoirränder an Haltestellen auf 27 Zentimeter erhöht werden. Noch sind viele Kanten halb so hoch. Eine behindertengerechte Erhöhung des Trottoirs ist in Basel jedoch nicht an allen Stellen möglich.

Die Zürcher Medien finden deutliche Worte: Das sanierte Central sei eine «Zumutung für Gehbehinderte». Trotz teurem Umbau wurde der Knotenpunkt, an dem täglich über 45'000 Passagiere ein- und aussteigen, nicht behindertengerecht gestaltet. Und das, obwohl das Gesetz eine entsprechende Änderung der Haltestellen für die ganze Schweiz verlangt.

Beim Central ging das wegen Platzproblemen nicht. Dieses Argument der Verantwortlichen überzeugte den Bund – er erteilt ihnen eine Ausnahmebewilligung und sie durften auf hohe Kanten verzichten. Gesetzlich müssten Trottoirränder an Haltestellen auf 27 Zentimeter erhöht werden, das entspricht einer Spaghettipackung. Noch sind viele Kanten halb so hoch.

Lösung für Barfi gesucht

Ähnliche Situationen kommen auf Basel zu – sofern die Behörden nicht für jede Problem-Haltestelle eine Lösung finden. Wie in Zürich betrifft es oft gut frequentierte Haltestellen, viele in der Grossbasler Innenstadt. Zwar steigen etwa am Barfüsserplatz fast ein Drittel weniger Personen ein- und aus als beim Central, dennoch gehört die Tramhaltestelle zu den wichtigsten der Stadt. Und nun, sechs Jahre, bevor die Vorgabe umgesetzt sein muss, zeichnen sich unter anderem dort Komplikationen ab: «Es ist keine durchgängig hohe Haltekante auf der ganzen Haltestelle-Länge möglich», sagt Nicole Stocker vom Bau- und Verkehrsdepartement (BVD). Grund ist die Kurve zwischen McDonald’s und Casino.
Reicht eine Einfachhaltestelle?

In Kurven benötigen Trams mehr Spielraum. «Das führt dazu, dass der Abstand des Trams zur Haltekante zu gross wird und sich zwischen Tram und Haltekante ein Spalt auftut, den vor allem Rollstuhlfahrende nicht überwinden können», sagt Stocker. Das BVD suche eine Lösung, um die Haltestelle trotzdem behindertengerecht zu gestalten. Grundsätzlich seien bei Haltestellen in Kurven und solchen vor Garagenzufahrten eine Verlegung oder nur eine Teilerhöhung des Trottoirs denkbar.

Welche Lösung am Barfüsserplatz zum Zug kommen wird, ist ungewiss. Das BVD beschäftigt sich derzeit erst mit der Frage, ob dort weiterhin eine Doppelhaltestelle notwendig ist oder ob eine Einfachhaltestelle reichen würde. Das kläre man im Zusammenhang mit einem politischen Vorstoss ab. Da es sich beim Umbau der Barfi-Haltestelle «mit grösster Wahrscheinlichkeit» um ein umfangreiches Projekt handeln wird, entscheide das Parlament.

Im Gegensatz zu Zürich sind die Behindertenorganisationen in Basel den Behörden wohlgesinnt. Der Tenor: Immerhin tut sich etwas, auch wenn es langsam vorangeht. Was den Barfüsserplatz als Knotenpunkt betrifft, hofft Georg Mattmüller vom Behindertenforum, dass überhaupt eine Lösung gefunden werden kann.

Verschiebung wäre besser

Wobei er nicht allzu viel von der «Kissenlösung» hält, bei der die Haltekante nicht durchgängig erhöht wird, sondern nur im Bereich der vorderen Türen eine hohe Haltekante realisiert wird, die nach hinten abflacht. «Das ist in jedem Fall eine suboptimale Lösung, aber immer noch besser als gar keine bauliche Anpassung», sagt Mattmüller. Sofern aber eine Verschiebung der Haltestelle am Barfüsserplatz möglich sei, wäre das sicher die bessere Variante.
Das BVD will bis 2023 entschieden haben, wo was geändert wird – oder nicht.

Autorin

Martina Rutschmann

Martina Rutschmann

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