Zürich ist «sehr zufrieden». Muttenz ebenfalls. Und auch der Leiter der Gemeindeverwaltung Arlesheim, Thomas Rudin, sagt: «Wir haben die Parkingpay-App vor etwa einem Jahr eingeführt und bisher funktioniert alles sehr gut. Pannen oder Ausfälle gab es keine und auch vonseiten der Polizei habe ich nichts Negatives gehört.» Für die Gemeinde sei die Lösung zudem finanziell interessant, weil keine Investitionskosten angefallen seien.

Bezahlen ohne Münz: Das ist auch in Basel schon seit längerem ein Thema. Im Ratschlag «Kapo 2016» sind für die mobile Datenerfassung der Verkehrspolizei 1,5 Millionen Franken gesprochen worden. Darin heisst es, dass «mit der entsprechenden Software schliesslich auch Parkgebühren per Mobiltelefon bezahlt werden können». Die Basler Polizei hat die Fragen der bz trotz mehrtägiger Frist bis gestern Abend nicht beantwortet.

Doch Fakt ist: Während mittlerweile sogar der Mathis-Bauer auf dem Bruderholz auf seinem Selbstschnitt-Blumenfeld bargeldloses Bezahlen anbietet, schlucken Basler Parkuhren weiterhin nur Münzen. Und dies, obwohl beispielsweise beim Zolli sogar ein Schlitz für Kartenzahlung vorhanden wäre. Zolli-Besucher werden an die Kasse geschickt, um dort ihre Parktickets zu lösen.

Kritik an Basler Insel-Lösung

Reto Schläpfer, Produktverantwortlicher beim App-Anbieter Digitalparking, sagt: «Wir sind mit unserer Lösung mittlerweile in der Hälfte der Schweizer Städte verfügbar. Mit Basel haben leider keine konkreten Gespräche stattgefunden, auch wenn wir es versucht haben. Uns wurde gesagt, dass man an einer eigenen Lösung arbeite.»

Er glaube nicht, dass eine eigene Lösung auch nur annähernd so gut funktioniere wie die Lösungen spezialisierter Firmen. «Dazu kommt, dass die Weiterentwicklung derzeit rasant verläuft. So ist vorstellbar, dass moderne Autos in Zukunft selbstständig Parkinggebühren bezahlen, ganz ohne das Zutun der Fahrer.» Ein Alleingang einer Stadt werde da nie mithalten können.

Doch nicht nur in Zukunft, auch in der Gegenwart habe eine Insellösung Nachteile, sagt Schläpfer. «Man bringt die Digitalisierung nicht voran, wenn man in jeder Stadt zum Parkieren eine neue App installieren und seine Kreditkarte registrieren muss. Es werden sich einige wenige kompatible Systeme schweiz- oder europaweit durchsetzen», sagt er.

In Zürich war eine Eigenentwicklung nie ein Thema, sagt Heiko Ciceri. Die Stadt setze ganz auf private Anbieter, dadurch müsse man kein Risiko eingehen, falls etwas nicht funktionieren sollte. Parkierende können unter drei Anbietern auswählen, mit denen sie die Parkgebühren bezahlen.

Beim kontrollierenden Polizisten fliessen die Daten zusammen: Er scannt das Fahrzeugschild und erhält die Information, ob der Fahrzeughalter das Parkgeld bezahlt hat oder gebüsst werden muss. Gegenüber der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens rechneten die Zürcher Verantwortlichen bei der Einführung vor, dass langfristig Einsparungen im Millionenbereich möglich seien.

Bedenken vom Datenschützer

Die Stadt Grenchen, die als eine der ersten flächendeckend Handy-Bezahlung für ihre Parkplätze angeboten hat, spart nach eigenen Angaben bereits jetzt jährlich 50'000 Franken.

In der «SRF»-Sendung äusserte der Basler Datenschützer Beat Rudin Bedenken an einem System in privaten Händen. Er sagt, dass diese Daten unter Umständen verkauft werden könnten. «Im Staat gilt das Legalitäts- und das Verhältnismässigkeitsprinzip. Wenn man das Private machen lässt, ist es eine Frage der Vereinbarung mit den Nutzern.»

Für die bz war Rudin gestern nicht zu erreichen. Die Zürcher Polizei weist darauf hin, dass der städtische Datenschützer in die Lösung einbezogen worden sei, um den Datenschutz zu gewährleisten.

Datenleck bei Eigenentwicklung

Letztmals Schlagzeilen gemacht hat eine Basler Eigenentwicklung im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Verkehrsbussen. Wie diese Zeitung aufdeckte, waren bis im März dieses Jahres Tausende Verkehrssünder inklusive Nummernschild, Name und Adresse im Internet frei zugänglich.

Auch bei diesem System setzte die Verkehrspolizei Basel-Stadt nicht wie andere Corps auf eine Branchenlösung, sondern programmierte einen eigenen Web-Zugang. Erst als der Datenschützer einschritt, wurde als weitere Sicherheitsstufe die Abfrage des Nummernschilds hinzugefügt – genau jene Lösung, die private Anbieter schon immer angewendet hatten.