Der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr gab gestern überraschend eine zweite personelle Massnahme bekannt: Für einen Teamleiter werde eine Anstellungslösung ausserhalb der Sanität gesucht, informierte Dürr. Der Betroffene sei derzeit krankgeschrieben. Dessen Namen nannte Dürr zumindest vor den Medien nicht.

Schnell wurde aber klar: Es handelt sich beim geschassten Teamleiter um einen stadtbekannten Politiker: Lorenz Nägelin, Fraktionschef der Basler SVP im Grossen Rat. Der Rettungssanitäter bestätigt auf Nachfrage der bz den Sachverhalt. «Mich hat das sehr überrascht, und ich kenne die Gründe für den Entscheid nicht», sagt Nägelin mit gebrochener Stimme. Mehr wollte er mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht sagen.

Nägelin stärkte Gass den Rücken

Gemäss Informationen der bz ist dieser am vergangenen Donnerstag darüber informiert worden, dass er ab sofort nicht mehr als Teamleiter der Sanität arbeiten werde. Offenbar ist dem 46-Jährigen eine Stelle bei der Abteilung Wehrpflichtersatz angeboten worden.

Ein Bekannter Nägelins sagt, dass er das Stellenangebot, das wenig mit dessen bisheriger Tätigkeit zu tun hat, als «Frechheit» empfinde. Ein pikantes Detail, das in der vorliegenden Personalfrage allerdings nicht relevant sein darf: Nägelin trat letzten Herbst gegen den heutigen Sicherheitsdirektor Baschi Dürr sowie Guy Morin um das Amt des Basler Regierungspräsidenten an. Letztlich ohne Erfolg.

Basta-Grossrat und GPK-Mitglied Urs Müller setzt hinter die Affäre Nägelin einige Fragezeichen: Er wisse zwar nicht, was in den letzten Monaten zwischen Nägelin und seinen Vorgesetzten vorgefallen sei. «Noch vor etwas über einem Jahr bewies er aber Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber», stellt Müller klar.

Damals verurteilte der SVP-Fraktionschef öffentlich einen Vorstoss seines Parteikollegen Eduard Rutschmann zur Stimmung in der Sanität und stärkte damit dem damaligen Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass den Rücken. Müller befürchtet, dass mit der Versetzung des bekannten Politikers ein Exempel statuiert werden soll. «Ist Nägelin am Ende ein Bauernopfer?», fragt er.

Überrascht hat die Entlassung Nägelins selbst politische Insider. So GPK-Mitglied Christian von Wartburg (SP) als auch Nägelins Parteikollege Joël Thüring: «Mich wundert, dass jemand aus dem Team gehen muss», sagt Thüring. Die unzähligen Anhörungen der GPK liessen auf Probleme in der Führung und nicht auf solche innerhalb des Teams schliessen.