Herr Dürr, wo haben Sie den 13. Mai 2006 erlebt?

Baschi Dürr: Ich habe das Spiel am Fernsehen verfolgt, das entscheidende Goal aber verpasst – und erst dann wieder eingeschaltet, als die Krawalle bereits im Gang waren. Entsprechend hatte ich – im doppelten Sinne – grosses Unverständnis.

Die Ereignisse lösten zahlreiche Massnahmen aus. Wären solche Ausschreitungen in und um das Stadion heute überhaupt noch möglich?

Grundsätzlich sagten und sagen wir immer, dass Gewalt rund um Sportveranstaltungen auch in Basel vorkommen kann. Genau deswegen investieren wir Spiel für Spiel auch so viele Ressourcen. Die Wahrscheinlichkeit von Ausschreitungen in der Dimension wie vor zehn Jahren ist aber dank viel Erfahrungsgewinn und zahlreicher Massnahmen deutlich gesunken.

Tatsächlich blieben die FCB-Fans in Basel lange ruhig – bis zum letzten Heimspiel gegen den FCZ. Wähnte man sich zu sehr in Sicherheit?

Es gab in den letzten Jahren auch in Basel immer wieder kleinere Vorkommnisse, wenn auch insgesamt mit abnehmender Tendenz. Das Wesen des Basler Modells liegt darin, dass wir nicht auf immer neue Gesetze oder Konfrontation setzen, sondern auf den Dialog, auf den «Erfolg an der Front» und auf konkrete Massnahmen für konkrete Probleme. Ganz genau so sind wir auch nach den Ausschreitungen vom 10. April vorgegangen: Umgehend haben wir alle Beteiligten von der Kantonspolizei Basel-Stadt und Baselland, vom FCB und von der Fanarbeit an einen gemeinsamen Tisch gebracht, die Staatsanwaltschaft hat sehr konsequent die Strafverfolgung aufgenommen - und für die konkrete Problemsituation mit der sogenannten Plattform ist eine Arbeitsgruppe mit der Entwicklung entsprechender Massnahmen beauftragt worden.

Nach den Krawallen sprachen Sie von der Eventplattform als «rechtsfreier Raum». Haben die Behörden zu lange tatenlos zugesehen?

Es gab dort lange keine Probleme und ergo auch keinen Grund für die Kantonspolizei einzuschreiten. Damit konnte sich diese Plattform zu einer Art No-go-Area entwickeln, wo sich Polizisten nicht aufhalten können, ohne beschimpft, bespuckt, angegriffen oder gar verletzt zu werden. Ja, das haben wir zu lange toleriert – und werden dies künftig nicht mehr tun.

Das Interview wurde schriftlich geführt.