Die erste Hürde hat Grossrat Baschi Dürr (35) locker genommen. Am Nominationsparteitag der FDP Basel-Stadt von Ende März wurde er, zusammen mit Christophe Haller, als Kandidat für die Regierungsratswahlen im Oktober aufgestellt. Mit mehr Gegenwind muss der aufstrebende Dürr morgen Montag an der Nominationsversammlung der Schwesterpartei LDP rechnen, der er bis 2005 selbst einmal angehört hatte.

Insbesondere wegen seiner Haltung zum Militär – weil er die Unteroffiziersschule verweigert hatte, wurde er vom Militärgericht verurteilt – muss er sich auf kritische Fragen seiner einstigen Parteifreunde gefasst machen. Ebenfalls nicht gut ankommen ist in bürgerlichen Kreisen, dass er sich für das Ausländerstimmrecht eingesetzt hatte.

«Es wird sicher kritische Stimmen geben», sagt Präsident Christoph Bürgenmeier gegenüber dem «Sonntag». «Dürr bietet Angriffsflächen.» Jedes Mitglied habe aber das Recht, sich an der Versammlung zu Wort zu melden. Einer, der dies sicher tun wird, ist der frühere Grossratspräsident Andreas Burckhardt. In der «Basler Zeitung» hiess es, dass Burckhardt wegen der Militärgeschichte gegen eine Wahl Dürrs sei. Zitiert wurde er im Artikel nicht.

Kein geeigneter Kandidat

Gegenüber dem «Sonntag» bestätigt Burckhardt, dass er Dürr nicht als geeigneten Kandidaten betrachtet, und deutet an, dass er aus mehreren Gründen Vorbehalte habe. Es ist davon auszugehen, dass er an der Versammlung einen Antrag stellen wird. Wer den wortgewaltigen Burckhardt kennt, der weiss, dass es für Dürr ein ungemütlicher Abend wird. «Zu den Gründen werde ich mich an der Versammlung genauer äussern», sagt der ehemalige Oberst. Burckhardt war 2004 selbst einmal im Gespräch für eine Regierungsratskandidatur. Wegen des Widerstands der FDP musste er aber dem freisinnigen Michael Bammatter den Vorzug lassen.

Dürrs Übertritt von der LDP zur FDP habe nicht allen gefallen, weil er sehr gefördert worden sei, sagt Regierungsrat Christoph Eymann. «Doch das ist Vergangenheit.» Es gehöre zur Meinungsäusserungsfreiheit, dass Burckhardt seine Ansicht zur Militärzeit Dürrs äussern dürfe. Auch wenn er eine andere Meinung dazu habe, sagt Eymann, gelte es auf Burckhardts Stellungnahme «unaufgeregt» zu reagieren: «Ich bin überzeugt, dass Dürr und Haller von der LDP für die Wahlen unterstützt werden.» Auch Präsident Bürgenmeier meint, dass die LDP das Vierertickt mit FDP und CVP und damit auch die Kandidatur Dürrs trotz der Kritik letztlich absegne. «Ich werde Dürr unterstützen. Ich habe ihn als guten Politiker kennen gelernt.»

Mit Erstaunen, aber auch einer gewissen Verärgerung wird Burckhardts Kritik bei der FDP aufgenommen. «Der Tenor ist: Man begreift es nicht», sagt der frühere Geschäftsführer und Grossrat Max Pusterla. Die Kritik sei «völlig daneben». Auch Oberst Burckhardt müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Armee an Stellenwert eingebüsst habe. Dürr habe zudem die Rekrutenschule und danach den Zivildienst absolviert. Bei der FDP sei dies «kein Thema».

Schadet der Zusammenarbeit

Die Kritik an Dürr kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Abgesehen davon, dass sie Dürr Stimmen kosten wird, schadet sie auch der Zusammenarbeit von LDP und FDP. Seit der pragmatische Gewerbler Bürgenmeier 2008 das LDP-Präsidium übernommen hat, hat sich das zuvor nicht immer spannungsfreie Verhältnis verbessert. Im Bürgergemeinderat bilden LDP und FDP sogar eine Fraktionsgemeinschaft.

Die Zusammenarbeit sei «gefestigt», sagt Bürgenmeier. «Die Vorstände arbeiten gut zusammen.» Er glaube deshalb nicht, dass sich wegen der Kritik an Dürr ein Graben auftue. «Das gehört zum Geschäft. Wir sind zu 95 Prozent gleicher Meinung.» Eine Fusion der beiden bürgerlichen Parteien, die sich 2008 auf nationaler Ebene zusammengeschlossen haben, sei im Kanton Basel-Stadt aber «nach wie vor kein Thema».