Regierungspräsidium
Baschi Dürr will die Basler Kultur auslagern

Baschi Dürr will Guy Morin im Amt als Regierungspräsident beerben. Als solcher wäre er auch oberster Verwalter der staatlichen Kultursubventionen. Seine Reformpläne stossen bei Kulturschaffenden aber auf wenig Gegenliebe.

Benjamin Rosch
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Baschi Dürr

Baschi Dürr

Roland Schmid

Als Hahn im Korb wurde er begrüsst. Doch das war nicht der Grund, warum Baschi Dürr (FDP) an der Podiumsdiskussion vom Montag zuweilen fremd wirkte. Der Justizdirektor war zusammen mit seinen Mitbewerberinnen Martina Bernasconi (GLP) und Elisabeth Ackermann (Grüne) Gast im Literaturhaus, das die Diskussionsrunde zusammen mit dem Verein Kunst+Politik organisierte. Für den Liberalen bedeuteten die Vertreter der schönen Künste kein Heimpublikum. Insbesondere dann nicht, als er seine Ansichten zur Kulturpolitik, die er schon bei seinem vergangenen Anlauf auf das Regierungspräsidium, in leicht zugespitzter Form präsentierte.

Schnell wurde deutlich: Für Dürr stellt sich grundsätzlich die Frage, welchen Zweck der Staat mit der Kulturfinanzierung verfolge, «für die er sehr viel Steuergeld aufwendet». In manchen Fällen sei das Ziel klar: «Beispielsweise die Konservierung von Kunstwerken. Hier ist der Grund wohl unbestritten, nämlich ganz einfach der Wunsch, diese Kunstwerke auch noch in hundert Jahren zu besitzen.» In anderen Fällen sei die politische Absicht weniger klar ersichtlich. «Da stellt sich etwa die Frage: Soll der Staat grundsätzlich vor allem Institutionen oder vermehrt Programme unterstützen? Ich meine: Der Staat soll beispielsweise die Museen in die Freiheit entlassen.» Das sass. Damit lancierte er die Diskussion weit stärker als seine beiden Mitbewerberinnen, die ihre kulturpolitischen Ansichten moderater formulierten.

In den Staaten Usus

Fünf Museen sind in Basel staatlich: das Antikenmuseum, das Kunstmuseum, das Naturhistorische, das Historische und das Museum für Kulturen. In Basel bedeutet der Wunsch nach deren Privatisierung den Angriff auf eine heilige Kuh – in den USA ist dieses Modell dagegen längst Standard.

«Das ist ein heikler Vergleich», gibt Philippe Bischof, Leiter Kultur im Präsidialdepartement, zu bedenken. «In den USA ist die Kulturförderung weitgehend privat und das Mäzenatentum stärker ausgeprägt als in Europa.» Bischof sieht zwar gewisse Vorteile in einer Privatisierung der Museen: «Die Institutionen würden bestenfalls freier in ihrer Struktur.» Auf der anderen Seite falle die finanzielle Sicherheit weg. Zudem droht die Gefahr, dass die Kultur-Institutionen mehr mit dem Mainstream mitgehen müssten, da sie noch stärker von den Besuchereinnahmen abhängen.»

Letzteres sei in der privaten Fondation Beyeler zu beobachten: «Diese ist zum Publikums-Erfolg verpflichtet und braucht regelmässig Kassenschlager wie etwa die Gauguin-Ausstellung, was jeweils mit einem hohen Risiko verbunden ist. Die Fondation schafft dies, aber das kann nicht beliebig wiederholt werden.» Eine weitere Folge von Dürrs Modell wäre die verschärfte Konkurrenzsituation im Kampf um Drittmittel. Gemäss Bischof könnte die Privatisierung die Museenlandschaft nachhaltig verändern.

Harsche Worte vom Theater

Von Umstrukturierungen wären laut Dürr nicht nur die Museen betroffen. Am Theater Basel schaltet sich derweil Intendant Andreas Beck in den Wahlkampf ein. Zu den Plänen von Dürr sagt er: «Sparen ist weder ein Programm, noch eine Strategie, sondern eine Massnahme. Bildung wäre eine Investition, Herzensbildung wäre das Programm. Kunst und Theater stehen für Herzensbildung.»

Auf die Auswirkungen auf das Basler Dreispartenhaus direkt angesprochen sagt er: «Das Theater Basel könnte über kurz oder lang nicht mehr das sein, was das Publikum in Oper, Ballett und Schauspiel erwartet und erwünscht.» Stadttheater seien die «lokalen Nahversorger», die es zu schützen gelte, um eine kulturelle Grundversorgung auf höchstem Niveau zu sichern. In einem Angriff auf die Kultur sieht er auch das Image der Stadt Basel gefährdet.