Am 17. Mai wird sie wieder gehisst, die Regenbogen-Flagge am Basler Rathaus. Die Fahne sieht aber nicht nur schön aus, sondern erfüllt auch einen ideellen Zweck: Mit ihr setzt Basel ein Zeichen gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten. Damit ist die Stadt aber nicht allein.

Auf der ganzen Welt wird an diesem Datum der IDAHOT (Internationaler Tag gegen Homophobie und Transphobie) gefeiert. Aus diesem Anlass lanciert der Verein Bas3l.org vom 11. bis 18. Mai die Veranstaltungswoche «Bunt! Basel divers» rund um das Thema LGBTI (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und intersexuell).

Plattform für aktuelle Themen

Mit dem im Oktober 2018 gegründeten Verein wollen Gay-Basel-Gründer Johannes Sieber, SP-Grossrätin Kerstin Wenk und SP-Politikerin und Vereinspräsidentin Michela Seggiani eine Plattform für aktuelle Themen schaffen. So soll die öffentliche Diskussion solcher Themen vorangetrieben und das Veranstalten von Workshops oder Podien dazu ermöglicht werden.

«Das Thema LGBTI ist für alle Vereinsmitglieder wichtig und beschäftigt uns sowohl politisch, als auch auf persönlicher Ebene», sagt Seggiani, die im Juni als Nachfolgerin von Mustafa Atici in den Grossen Rat eintritt. Sie selbst sei nämlich lesbisch und Johannes Sieber schwul. Ursprünglich habe der Verein eine LGBTI-Tagung geplant. «Beim Organisationsprozess realisierten wir aber ziemlich schnell, dass das Angebot zum Thema riesig ist und ein Tag als Veranstaltungszeitraum nicht ausreicht», sagt Seggiani. «Basel ist nämlich schon bunt.» Deshalb sei aus der Idee ein einwöchiges Festival entstanden.

Bei einem Workshop erwecken Frauen ihren Drag-King-Charakter zum Leben.

Bei einem Workshop erwecken Frauen ihren Drag-King-Charakter zum Leben.

«Bunt! Basel divers» ist aber nicht nur für LGBTI-Menschen interessant. «Die Themenwoche ist offen für alle», so Seggiani. Der Verein will darauf aufmerksam machen, dass im Grunde genommen gar keine in sich geschlossene LGBTI-Gemeinschaft existiert. «Es gibt so viele Überschneidungen und Vermischungen. Jeder hat einen Onkel, eine Schwester, eine Tochter oder einen Bekannten, der oder die LGBTI angehört», sagt Seggiani.

Noch immer würden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert: «Solange Begriffe wie ‹schwul› und ‹Warmduscher› negativ gewertet und auch so verwendet werden, braucht es die Themenwoche», sagt Seggiani.

Spass und Ernst

Auf dem Programm steht beispielsweise die Podiumsdiskussion «Politik und LGBTI», an der fast alle grösseren Parteien des Kantons Basel-Stadt präsent sein werden. «Wenn am Rathaus schon eine Fahne hängt, sollte man noch offene LGBTI-Themen auch politisch angehen», sagt die zukünftige SP-Grossrätin Seggiani.

Neben ernsten Diskussionen sorgt die Themenwoche aber natürlich auch für eine gehörige Portion Glitzer: An verschiedenen Orten finden Partys und Musikveranstaltungen statt. Das Theater Basel spielt «Ein Käfig voller Narren» — und behandelt so das Thema Trans und Drag-Queen. «Dem wollten wir etwas gegenüberstellen, das man nicht so oft sieht», sagt Seggiani. Einen Drag-King-Workshop nämlich — den einzigen Programmpunkt, der sich nicht an alle Geschlechter richtet. Dort erfährt Frau durch die Analyse von Stereotypen, Umstyling, Make-Up, Rollenspielen, Gestik- und Stimmübungen eine andere Art der Auseinandersetzung mit Gender. Wenn die Frisur sitzt und der Bart hält, ziehen die Teilnehmer durch die Basler Innenstadt.

«Bunt! Basel divers» soll keine einmalige Sache bleiben. «Hat das KonzeptErfolg, möchten wir die Themenwoche gerne jedes Jahr durchführen», so Seggiani. «Wenn wir es schaffen, bei den Teilnehmenden einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, haben wir schon viel erreicht», sagt die Vereinspräsidentin. Es solle viel gefragt, diskutiert und irritiert werden — denn nur so erreiche man Veränderungen.

   

Themenwoche «Bunt! Basel divers», 11. bis 18. Mai; mehr Infos: www.bas3l.org