Kältewelle

Basel bietet genug warme Betten für Obdachlose – Einige übernachten trotzdem lieber im Freien

Die sibirische Kälte hat auch Basel erreicht. Für Obdachlose sind genügend Möglichkeiten vorhanden, um die kalten Nächte zu überstehen. Einige wollen trotzdem lieber im Freien schlafen.

Die Region bibbert. Auch in der Nacht auf heute Dienstag rutschten die Temperaturen wieder in den zweistelligen Minusbereich. Und die Kältewelle dürfte noch einige Tage anhalten. Erst aufs Wochenende hin soll es wieder spürbar wärmer werden.

Für Obdachlose können solche Verhältnisse lebensgefährlich sein. Entsprechend bemühen sich die Verantwortlichen, die Menschen ins Warme zu bringen. Das Angebot ist dringend nötig: «Wir hatten am Wochenende jeweils um die 140 Personen», sagt Barbara Müller Brodbeck von der Wärmestube Soup & Chill. Ausgerichtet seien die Räumlichkeiten an der Solothurnerstrasse, wo eine warme Mahlzeit serviert wird, eigentlich für 70 bis 80 Personen; normalerweise würden rund 90 kommen. Soup & Chill ist jeweils zwischen 17 und 21 Uhr geöffnet. Bevor sie die Türen schliessen, schauen die Betreiber, dass niemand ohne Platz zum Schlafen in die Kälte hinaus muss. «Wir stellen Gutscheine für die Notschlafstelle aus und stehen auch mit der Heilsarmee in Kontakt», sagt Müller Brodbeck.

Diese hat drei Strassen weiter an der Frobenstrasse für diese Woche vorübergehend Schlafgelegenheiten eingerichtet. Sechs bis sieben Personen könnten sie aufnehmen, sagt Markus Muntwiler von der Heilsarmee. Schon in der zweiten Nacht sei der Mehrzweckraum im Keller voll besetzt gewesen. «Wir stehen in Kontakt mit der Notschlafstelle und können dort Plätze vermitteln», sagt Muntwiler. Im Notfall hätten sie aber noch einen weiteren Standort.

Rund 40 «harte Schläfer»

In der Notschlafstelle gibt es auch in den kalten Nächten noch freie Betten. «Wir haben in der ersten richtig kalten Nacht von Sonntag auf Montag keine markante Zunahme an Personen gehabt, die in der Notschlafstelle übernachtet haben», sagt Rudolf Illes von der Basler Sozialhilfe. Von den 75 Betten seien immer noch 20 frei gewesen. «Für die nächsten kalten Nächte erwarten wir höchstens eine leichte Zunahme an Personen, die in der Notschlafstelle übernachten werden», sagt Illes. «Im Notfall können wir auch noch ein gutes Dutzend Matratzen im Aufenthaltsraum aufstellen.»

Die Erfahrungen in den letzten Jahren würden aber zeigen, dass die Notschlafstelle auch während einer Kälteperiode kaum an ihre Kapazitätsgrenzen stösst und immer allen Personen ein Schlafplatz angeboten werden konnte.
«Wir sind sehr gut vorbereitet und haben darauf hingearbeitet, dass nichts passieren sollte», sagt Michel Steiner vom Verein Schwarzer Peter.

Die Gassenarbeiter sind auch in den kalten Nächten unterwegs. «Es war sehr ruhig. Wir haben kaum jemanden angetroffen», sagt Steiner. Er schätzt, dass von den rund 400 Wohnungslosen, die beim Verein gemeldet sind, rund 80 Prozent tage- oder wochenweise bei Verwandten oder Bekannten unterkommen können. Drei bis vier Dutzend würden in Notunterkünften übernachten, und etwa gleich viele seien sogenannte «Rough Sleepers»; also «harte Schläfer», die auch bei Minustemperaturen am liebsten im Freien übernachten. Diese seien sehr gut ausgerüstet. «Die einzig reelle Gefahr ist, dass jemand wegen Alkohol oder Betäubungsmitteln die Kälte nicht mehr spürt», sagt Steiner.

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