Basel hat eine Schnäppchenjagd eröffnet. Die ersten hundert Leute, die in Basel ihr Dach energetisch sanieren und danach eine Fotovoltaikanlage installieren, erhalten vom Kanton 1000 Franken als Belohnung. Zudem profitieren alle - nicht nur die ersten hundert - von doppelten Förderbeiträgen: neu 80 Franken pro Quadratmeter Dach. Gestartet wurde diese Aktion im Dezember 2011.

Erst 14 Anlagen realsiert

Doch die Tausendernoten erweisen sich wie die verdoppelten Förderbeiträge als Ladenhüter. Bisher sind erst 14 Anlagen realisiert worden, wie die Industriellen Werke Basel (IWB) auf Anfrage mitteilen. 60 weitere seien immerhin in Planung oder im Bau. Zum Vergleich: 2011 wurden in Basel 58 Solaranlagen mit insgesamt 2134 Kilowatt Leistung neu aufgestellt. Die 2012 gebauten und geplanten Solaranlagen weisen laut IWB insgesamt eine Leistung von 3546 Kilowatt auf - also über 50 Prozent mehr.

Solarbau ist saisonabhängig

Jürg Hofer, Leiter des Amts für Umwelt und Energie, ist zuversichtlich, dass die Zahl der umgesetzten Projekte in den nächsten Monaten mehr als linear zunimmt: «Denn in unseren direkten Kontakten mit den Hauseigentümern stellen wir eine Art Mundpropaganda oder einen Nachahmereffekt fest: Das Interesse steigt, sobald der Nachbar eine Solaranlage bauen lässt.» Der Solarbau ist zudem saisonabhängig: Nur ein Sechstel der 2011 gebauten Solaranlagen wurde in der ersten Jahreshälfte erstellt.

«Diesen Effekt beobachten wir von Jahr zu Jahr: Geplant wird im Frühling, gebaut im Sommer, ans Netz gehen die Anlagen im Herbst», sagt IWB-Sprecher Erik Rummer.

Trotzdem bleibt das Ziel noch in weiter Ferne. Die zwei Millionen Franken zusätzliche Fördergelder umfassende Solar-Offensive heisst «Solarkraftwerk Basel». Die blau glitzernden Dächer sollen von weitum sichtbar sein.

Solaranlagen als «versteckter Schatz»

Dass die Solarsubventionen nicht weggehen wie warme Brötchen weiss man in Basel aus Erfahrung: Als einziger Kanton zahlt Basel eine eigene kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) an Projekte, die nicht in den Genuss der limitierten KEV des Bundes kommen. Von den 2000 Kilowatt Leistung, die der Kanton subventionieren könnte, wurden zuletzt nur 800 Kilowatt beansprucht.
Denkmalschutz in der Kritik

Von einem «versteckten Schatz» spricht Aeneas Wanner, GLP-Grossrat und Geschäftsleiter von Energie Zukunft Schweiz: «Die höchsten Anreize nützen nichts, wenn die Leute nichts davon wissen.» Dass Basel die schweizweit höchsten Förderbeiträge bezahlt, habe der Kanton bisher «eher zurückhaltend» kommuniziert.

SP-Energiepolitiker Ruedi Rechsteiner sieht das Problem woanders: «Es ist ein Blödsinn, dass Solaranlagen in Schonzonen verboten sind.» Die restriktiven Bewilligungsbehörden würden die Förderpolitik bremsen. Der Grossratskandidat regt zudem an, dass über die Dächer hinaus gedacht wird: «Man sollte alle öffentlichen Gelände prüfen.» Zum Solarkraftwerk werde Basel erst, wenn auch auf Brückengeländern oder Lärmschutzwänden Strom produziert wird.