Öffentlicher Verkehr
Basel bleibt beim Herzstück auf der Strecke - Bern und Zürich zeigen wies geht

In Bern und Zürich werden Milliarden in Tiefbahnhof und Durchmesserlinien investiert – in Basel lief seit 1916 kaum etwas. Um mit dem Herzstück voran zu kommen, muss sich die Region Basel in Bern besser verkaufen.

Peter Schenk
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Der neue Tiefbahnhof des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) wird 522 Millionen Franken kosten. Die Perrons werden statt bisher 4,50 Meter 12 Meter breit sein.

Der neue Tiefbahnhof des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) wird 522 Millionen Franken kosten. Die Perrons werden statt bisher 4,50 Meter 12 Meter breit sein.

Visualisierung RBS

Die Zahlen sind eindrücklich. «Die Bahnkapazitäten im Raum Zürich wurden in den letzten 40 Jahren vervierfacht. Die zweite Durchmesserlinie ist mit einer Investition von zwei Milliarden Franken das grösste Bahnbauprojekt in einer Schweizer Stadt seit 100 Jahren», berichtete der Verkehrsingenieur Ulrich Reinert am Mittwochabend auf der Mitgliederversammlung der IG «Pro Herzstück».

Rund zehn Milliarden Franken seien in den letzten vier Jahrzehnten im Raum Zürich in Bahnprojekte investiert worden, schätzt Reinert. Grosses hat auch Bern vor. Hier entsteht für den Regionalverkehr Bern-Solothurn ein neuer Tiefbahnhof, ausserdem bauen die SBB eine neue Westpassage. In einem zweiten Ausbauschritt bis 2035 ist eine seitliche Erweiterung des Bahnhofs geplant. Rechnet man alles zusammen, kommt man auf Investitionen in Höhe von 1,6 bis 1,9 Milliarden Franken.

«Im Raum Basel wurden die Bahnanlagen seit 1916 fast ausschliesslich für den Güterverkehr ausgebaut», führte Reinert weiter aus. Der gebürtige Allschwiler weiss, wovon er spricht. Reinert war fünfeinhalb Jahre im Baselbieter Amt für Öffentlichen Verkehr für das Zugsangebot zuständig, ehe er vor zehn Jahren zum Regionalverkehr Bern-Solothurn wechselte, wo er für die Koordination Betrieb und Technik zuständig ist.

Grosse politische Mehrheiten

Den Grossprojekten in Zürich wie Bern ist gemeinsam, dass sie von grossen politischen Mehrheiten getragen werden. «In Zürich betrug die Zustimmung 82 Prozent. Im Berner Grossen Rat gab es 135 Ja- und lediglich 5 Neinstimmen. Auch den Oberländern ist klar, wie wichtig für sie der Bahnhof Bern ist», sagte Reinert.

Reinert hatte seinen Vortrag mit einer Anekdote zu Basel aus den Neunzigerjahren begonnen. «Als wir bei einem Besuch eines Vizedirektors des Bundesamts für Verkehr von der Pfalz auf Kleinbasel sahen, fragte dieser, ob das schon Deutschland sei.» Für Reinert lässt diese Geschichte tief blicken. Sie verdeutliche, dass Basel in Bern nicht bekannt sei und dass die Region sich in Bern zu wenig für sich einsetze.

Dies wird aber dringend nötig sein, wenn die Region Basel in Bundesbern die Finanzierung des Projektes Herzstück Regio-S-Bahn durchbekommen will. Das Herzstück sieht den Bau einer unterirdischen Durchmesserlinie vom Basler Bahnhof SBB zum Badischen Bahnhof via Innerstadt sowie einen Abzweiger Richtung Bahnhof St. Johann vor. Bei Vollausbau inklusive dieses Astes kostet das Projekt rund zwei Milliarden Franken.

Zwei Sackgassen Derzeit zeichnet sich das S-Bahnsystem der Region Basel noch durch zwei Sackgassen aus. Die Züge müssen im Bahnhof SBB und Badischen Bahnhof wenden. Das kostet Zeit und ist umständlich. Das Herzstück würde die Bahnhöfe durch die Innerstadt unterirdisch verbinden. So entstünden ein Netz und neue Haltestellen.

Zwei Sackgassen Derzeit zeichnet sich das S-Bahnsystem der Region Basel noch durch zwei Sackgassen aus. Die Züge müssen im Bahnhof SBB und Badischen Bahnhof wenden. Das kostet Zeit und ist umständlich. Das Herzstück würde die Bahnhöfe durch die Innerstadt unterirdisch verbinden. So entstünden ein Netz und neue Haltestellen.

Zur Verfügung gestellt

Reinert betonte, dass die Fahrzeuge der Basler S-Bahn schweizweit top seien, ganz anders aber sehe dies bei Netz und Fahrplan aus. «Durchmesserlinien und Cityanbindung wie in Bern und Zürich kann es nur mit dem Herzstück geben», war sich der Verkehrsingenieur sicher.

Für eben dieses setzt sich die ehemalige Gruppe Bahnhof unter ihrem neuem Namen «Pro Herzstück» ein. Es sei die zweite Mitgliederversammlung unter dieser Bezeichnung, sagte Präsident Conrad Jauslin zu Beginn der Veranstaltung.

Ziel klare Mehrheit in Parlamenten

Kürzlich haben die Regierungen von Stadt und Land den beiden Kantonsparlamenten einen Projektierungskredit in Höhe von 29,3 Millionen Franken zum Projekt Herzstück vorgelegt. Damit soll das Jahrhundertvorhaben zur Baureife gebracht werden. Jauslin sprach sich dafür aus, die Politiker aktiv über das Vorhaben, «dessen Funktion und Bedeutung schwierig zu vermitteln und heikel zu transportieren» sei, zu informieren. «Ziel muss eine grosse Mehrheit für den Projektierungskredit sein», sagte er. Je klarer sie sei, desto weniger sinnvoll sei auch eine Volksabstimmung. Für diese sei die IG Pro Herzstück allerdings parat.