Wohnproblem
Basel bleibt klein: Dies liegt nicht nur am Nein zur Fusion

Viktor Giacobbo kommentierte am Sonntagabend das Nein zur Kantonsfusion. Nach dem Nein vom Sonntag steuert Basel auf ein massives Wohnproblem zu

Moritz Kaufmann
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Auf dem Dreispitz-Areal wird gebaut. Dort sollen weitere Wohnprojekte entstehen. Trotzdem wird der Druck auf den Wohnungsmarkt zunehmen.

Auf dem Dreispitz-Areal wird gebaut. Dort sollen weitere Wohnprojekte entstehen. Trotzdem wird der Druck auf den Wohnungsmarkt zunehmen.

Keystone

Fernsehkomödiant Viktor Giacobbo hatte recht, ohne es zu wissen. Am Sonntagabend nach den Abstimmungen kommentierte er das Nein zur Kantonsfusion in der Sendung «Giacobbo/Müller» mit dem Witz: «Die Zürcher werden sich freuen: Basel bleibt klein.» Das ist zwar richtig, liegt aber nicht (nur) am Nein zur Fusion. Es liegt daran, dass Basel Nein gesagt hat zu neuen Wohnzonen auf dem Bruderholz und im Hirzbrunnen. An beiden Orten können jetzt keine neuen Wohnungen entstehen, die so dringend gebraucht werden. Zur Erinnerung: Die Leerstandsquote liegt in der Stadt bei 0,2 Prozent, die Mieten werden immer teurer, Fachleute sprechen von Wohnungsnot.

«Nach innen verdichten!», fordern die Exponenten, die die Stadtrandentwicklungen erfolgreich bekämpft haben. Doch Rainer Volman, Raumplaner beim Basler Planungsamt, erwidert: «Wir können nicht einfach neue Verdichtungsprojekte erfinden.» Der Kanton nutze bereits alle realistischen Möglichkeiten für zusätzliche Wohnprojekte.

Wo ist Wachstum möglich?

Wo kann der Stadtkanton überall noch wachsen? Volman nennt die Gebiete, die derzeit im Vordergrund stehen:

Auf dem Erlenmatt-Areal/Schorenareal: «Da dürften noch über 2000 neue Einwohner Platz finden», sagt der Experte. Dies, wenn die nächsten Bauetappen fertig sind.

Auf dem Lysbüchel-Areal. Auch hier ist es relativ konkret. Die Verwaltung rechnet damit, dass nächstes Jahr ein Bebauungsplan aufgelegt werden kann.

Auf dem Dreispitz und im Klybecker Hafen sind ebenfalls Wohnprojekte angedacht.

Auch das Felix-Platter-Areal sowie das Radio-Studio und das IWB-Reservoir auf dem Bruderholz haben Potenzial.

In Wohnquartieren sind einzelne Verdichtungen und Wohnhochhäuser denkbar. Zum Beispiel auf dem Messeparking könnten Wohnungen entstehen.

Das Problem ist fast überall: Der Zeithorizont ist lange. «Wenn das alles kommt, schafft das bis 2030 Platz für rund 8000 Leute», sagt Volman. Dies aber nur im Idealfall, wenn keine Abstimmungen mehr verloren gehen, wie dies am Wochenende der Fall war. Denn in all diesen Gebieten gibt es auch andere Interessen. Beispielsweise Naturschutz oder auch Gewerbeflächen. «Immerhin 8000», könnte man jetzt sagen. Doch: Das wird nicht reichen.

Riehen wehrt sich im Voraus

«Die neuste Prognose des Bundes sieht in Basel alleine in den nächsten 10 Jahren 14 000 neue Bewohner vor», hält Volman fest. Wenn diese optimistische Berechnung eintrifft, dann wird Basel in den nächsten zehn Jahren ein massives Wohnproblem bekommen. Denn es kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Die Basler beanspruchen immer mehr Wohnfläche für sich. «Wenn die Wohnfläche pro Kopf weiter so zunimmt wie zwischen 2000 und 2010, wird das noch mal Platz für 5000 bis 7000 Bewohner kosten», sagt Experte Volman.

Sorgen macht man sich derweil in Riehen. Das selbst ernannte «grosse grüne Dorf» hat am Sonntag mit seinen Nein-Stimmen das Ja zur Stadtrandentwicklung Ost gekippt. Nun sagt Anwalt und SVP-Grossrat Heiner Ueberwasser: «Der Druck, in Riehen Wohnungen zu schaffen, wird nach dem Stadtrandentwicklungs-Nein zunehmen.» In Riehen steht eine Revision des Zonenplans an. Zwei Gebiete – das Moostal und das Stettenfeld – sollen dabei möglichst unbebaut bleiben. Ueberwasser hat aber eine Befürchtung: «Die anstehende Gesamtrevision der Riehener Zonenplanung – mit grünem Moostal und Stettenfeld – muss von der Basler Regierung formell genehmigt werden», erklärt er und hofft, dass nun die Basler Regierung die Gelegenheit nicht nutzt, es Riehen heimzuzahlen.

Hier zeigt sich exemplarisch das Problem von Planern und Politik. Zwar wird anerkannt, dass Basel zu wenig Wohnungen hat. Gleichzeitig will niemand die Fläche für den Bau dieser Wohnungen zur Verfügung stellen. Derweil werden die Marktkräfte spielen: Das Angebot verknappt sich weiter, die Preise steigen. Zufrieden können die sein, die bereits eine Wohnung haben.