Im Sommer hatte die Basel Card, eine Art Rabattkarte für in Basel übernachtende Touristen, den Test bestanden: während dreier Monaten liess Basel Tourismus die Basel Card von 1800 Gästen aus sechs Hotels testen. Sie funktioniert, sie wird genutzt, und zwar mehr oder weniger in erwartetem Rahmen, sagte Basel-Tourismusleiter Daniel Egloff an einer Medieninformation. Schätzungsweise 130'000 Hotelgäste pro Jahr dürften von 50 Prozent ermässigten Museums- oder Zollieintritten profitieren und den Tarifverbund Nordwestschweiz nutzen. Und das, ohne extra dafür bezahlen zu müssen.

Allerdings steht noch einige Arbeit an, bis die Karte 2018 einsatzfähig ist. So muss die Hotelsoftware angepasst und das Personal ausgebildet werden. Gastnamen und Datum werden vom Buchungssystem automatisch übernommen, der Hotelier druckt die Karte ohne Umstände aus.

Zu einem späteren Zeitpunkt, wahrscheinlich im kommenden Jahr, soll das System so adaptiert werden, dass die Buchungen der Hotels von der Polizei und vom statistischen Amt (zwecks Berechnung der Gästetaxe) abgerufen werden können. Man sei diesbezüglich in Kontakt mit dem kantonalen Datenschutz, beruhigt Egloff.

Die Karte wird auch als Marketinginstrument genutzt: Man wird künftig ein relativ gutes Bild über das Nutzerverhalten machen können: Welche Museen werden wie stark besucht? Welche Nationalitäten sind vertreten? Wird die Karte auch von Geschäftstouristen genutzt? Wie entwickeln sich Zahlen über die Zeit?

Die Karte wird über die Gasttaxe finanziert, die ab Januar von 3.50 auf zunächst vier Franken erhöht wird. 40 Rappen landen im Basel-Card-Finanzierungstopf, der pro Jahr mit 500'000 Franken geäufnet wird. Die Museen, die hoffentlich von steigenden Zahlen profitieren, leisten auch ihren Beitrag und geben einen Rabatt von 20 Prozent (der Finanzierungstopf bezahlt also nur 30 Prozent). Ende 2018 werden die Resultate analysiert.

Die Basel Card, die auch entsprechend beworben wird, soll auch ein Verkaufsargument für der Tourismusstandort Basel werden. Schon heute, also bevor die Karte in Kraft ist, habe man positive Feedbacks von Kongressveranstaltern, sagt Egloff. «In der Ausschreibung von Kongressen ist die Card ein Wettbewerbsvorteil.»

Airbnb im Boot

Besondere Anstrengungen unternimmt Basel Tourismus, um die Anbieter wie Airbnb ins Boot zu bekommen. Gemäss dem vergangener Woche abgesegneten Gasttaxengesetz werden auch diese Plattformen, bzw. deren Nutzer abgabepflichtig. Andererseits haben auch die Airbnb-Gäste Anrecht auf eine Basel Card. Nur: Bei diesem sehr fragmentierten Anbietermarkt sind standardisierte Lösungen nur schwierig zu erlangen.

Basel Tourismus ist also nicht einfach Airbnb-Feind, im Gegenteil. «Wir denken über einen Schlüsselservice nach», sagt Egloff. Oftmals seien B&B-Vermieter berufstätig und könnten nicht jederzeit zu Hause sein, um die Wohnung zu öffnen. Hier könnte Basel Tourismus mit einer Reception-Dienstleistung einsteigen.

2017 - ein Rekordjahr

Das laufende Jahr dürfte punkto Besucherzahlen ein Rekordjahr werden. Das jedenfalls zeigen die Neunmonatszahlen. Nach einem mehrjährigen Krebsgang hat Deutschland als wichtigster Auslandsmarkt 18,6 Prozent zugelegt, Amerika um 7,2 und Asien um 23,9 Prozent. So dürfte man in diesem Jahr insgesamt auf ein Wachstum von 8,4 Prozent kommen. Trotz neuen Hotels sei die Auslastung nicht gesunken. Das heisst: Das neue Angebot wurde vom Markt vollständig absorbiert. Einzig die Aufenthaltsdauer ist von 1,91 auf 1,87 Tage gesunken.

Die schwächelnde Baselworld haben die Hotels noch nicht gespürt: Der Rückgang findet zuerst in peripheren Unterkünften statt. Wenn hingegen die Messe ermögliche, dass die Uhrenausseller ihre grossen Stände übers Jahr stehen lassen, brauche es weniger Handwerker. Diese waren bisher manchmal bis zu einer Woche in der Stadt.