World Skills

Basel darf sich auf die Berufs-WM freuen: «Jetzt müssen wir den Druck aber aufrechterhalten»

Gegen den Willen des Bundesrats pocht das Parlament auf die Unterstützung einer Kandidatur zur Durchführung der Berufsweltmeisterschaft «World Skills».

Basels Gewerbedirektor Gabriel Barell ist hocherfreut über das deutliche Signal des Bundesparlaments: Dieses drängt den zurückhaltenden Bundesrat dazu, sich für eine Kandidatur zur Durchführung der Berufsweltmeisterschaft «World Skills» in der Schweiz starkzumachen. Nach dem Nationalrat hat sich gestern auch der Ständerat klipp und klar dafür ausgesprochen. Basel stehe als Austragungsort bereit, betont Barell. Davon hätten sich die Verantwortlichen schon überzeugen können, als eine Bewerbung für die WM 2021 diskutiert wurde.

Auch der Ständerat fordert die Unterstützung des Bundesrats. Allerdings mit einer kleinen Änderung: Gemäss dem ursprünglichen Motionstext der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) müsste der Bundesrat selbst eine Kandidatur erarbeiten, und zwar für die Berufsweltmeisterschaft 2023. In der Fassung der Ständeratskommission müsste er eine Kandidatur lediglich unterstützen. Den Zeitpunkt lässt die Kommission offen.

Der Wille des Parlaments blieb dennoch unmissverständlich: Das Schweizer Berufsbildungssystem sei ein weltweiter Exportschlager. Und die Berufs-WM könne dafür ein wertvolles Schaufenster sein, warb WBK-Sprecher Ivo Bischofberger. Der Innerrhoder Christdemokrat zeigte wenig Verständnis, dass der Bundesrat die nötigen 30 Millionen Franken für eine Schweizer Kandidatur nicht sprechen wollte, obwohl das Geld eigentlich bereitgestellt war. Das «schnöde Njet» sei merkwürdig, befand auch der Schaffhauser SVP-Kollege Hannes Germann. Zwar fasse der Bundesrat eine Milliarde Franken für Olympische Spiele in Sion ins Auge. Für die Berufs-WM aber seien 30 Millionen zu viel. «Das versteht kein Mensch.»

Die Zeit drängt

Deutlich wurde auch die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz: «Wenn die WM in der Schweiz stattfinden soll, braucht es ein klares Signal des Bundes. Das bedeutet auch eine finanzielle Unterstützung des Bundes.» Für die Kleine Kammer obliegt es aber der Stiftung Swiss Skills, die Kandidatur auszuarbeiten und den Zeitpunkt festzulegen. Standortkanton und Stiftung könnten aber die nötigen Gesamtinvestitionen von geschätzten 100 Millionen nicht alleine stemmen.

Er würde es gerne sehen, wenn die Schweiz der Welt zeigen könnte, dass sie das beste Berufsbildungssystem habe, räumte FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann ein. Zwar gab der Bildungsminister seinen bisherigen Widerstand auf und schloss sich dem Änderungsantrag der Kommission an. Auf eine klare Zusage zur finanziellen Unterstützung aber verzichtete er.

«Die nötigen Mittel sind beträchtlich», gab Schneider-Ammann zu bedenken. Wegen der anhaltenden Spardebatte habe der Bundesrat letztes Jahr denn auch Abstand von einer früheren Kreditzusage genommen. Damals war eine Kandidatur für die Austragung 2021 in Basel vorgesehen. Wegen der Kosten wurde aber vorderhand darauf verzichtet.

Nun muss der Nationalrat über die abgeänderte Motion befinden. Das sei schade, weil damit Zeit verloren gehe, befindet Gewerbedirektor Barell. Auch Anita Fetz betont, dass eine Eingabe für die WM 2023 bis im Herbst erfolgen müsste. «Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat allerdings signalisiert, dass das für ihn nicht prioritär ist», findet die SP-Ständerätin. Das Parlament aber habe ein mindestens so starkes Signal ausgesendet. «Jetzt müssen wir den Druck aber aufrechterhalten.»

Nicht nur in Bern sondern auch in Basel steht man hinter einer Kandidatur. Der Basler Regierungsrat Conradin Cramer begrüsst den Entscheid des Ständerats sehr. «Ich freue mich für unsere Basler Kandidatur, dass nun frischer Wind in die Angelegenheit kommt.» Zusammen mit dem Basler Gewerbeverband und der Messe Basel sei das Erziehungsdepartement (ED) bereit, die «World Skills» 2023 durchzuführen. Das ED nehme die Unterstützung aus anderen Kantonen und von den Verbänden zum Anlass, weiter in dieser Sache aktiv zu bleiben.

«Das Konzept dazu haben wir aufgrund unserer Bewerbung für 2021 ja bereits, der Grosse Rat hat damals seine finanzielle Unterstützung zugesichert. Wir können davon ausgehen, dass bei einem verbindlichen Bekenntnis des Bundes auch das Kantonsparlament wieder hinter einer Kandidatur steht», meint Cramer. 

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

Meistgesehen

Artboard 1