Tram 3 Saint-Louis
Basel: Der Dreier soll fahren, wo der Elfer geplant war

In Saint-Louis regt sich Widerstand gegen die geplante Trassenführung – das wäre ein Schritt zurück

Boris Burkhardt
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Wird die Linie 3 wie geplant nach Saint-Louis fahren oder doch die 11? (Archiv: kn)

Wird die Linie 3 wie geplant nach Saint-Louis fahren oder doch die 11? (Archiv: kn)

bz Basellandschaftliche Zeitung

Diese Woche wird der Grosse Rat voraussichtlich einen Planungskredit von vier Millionen Franken für die Tramverlängerung nach Saint-Louis genehmigen. Bereits seit über einem halben Jahr, sind sich die Partner auf der schweizerischen und französischen Seite einig, dass es die Linie 3 sein soll, die von der Burgfelderstrasse bis zur Westseite des Bahnhofs in Saint-Louis führen wird.

Laut der «Badischen Zeitung» regt sich jetzt aber Widerstand im Conseil Municipal von Saint-Louis: Conseiller Eric Wissler, Vorsitzender der Kommunalliste «Saint-Louis – ma ville», bezeichnet demnach die geplante Trasse als «Wüstenstrecke»: Mit den Haltestellen Schwimmbad, Lycée, Klinik und Bahnhof führe sie komplett um das Stadtzentrum herum. Wissler moniert laut «Badischer Zeitung», der Sinn der Tramstrecke sei nicht, «unsere Schüler nach Basel oder die Bevölkerung aus dem Westen von Basel in unsere Klinik» zu bringen.

Unterstützung findet Wissler schon lange im Gewerbe von Saint-Louis: Ein Tram im Stadtzentrum, so die Befürchtung der Detailhändler, bringe die Kunden direkt nach Basel. Ausserdem würde die Linie 3 nahe an das geplante Megazentrum auf dem Téchnoport beim Flughafen führen, gegen das Saint-Louis sich vehement wehrt (die bz berichtete). Benno Jurt vom Basler Amt für Mobilität im Verkehrsdepartment kennt die Bedenken des Einzelhandels. Er kann aber nicht verstehen, warum Wissler jetzt erst seine Kritik anbringt: «Ein Tram, das durchs Zentrum von Saint-Louis führt, wäre eigentlich die Verlängerung der Linie 11 gewesen.» Die Endstation wäre dann östlich statt westlich des Bahnhofs von Saint-Louis. Diese Streckenführung sei aber von allen Partnern bereits im vergangenen April zugunsten der Linie 3 verworfen worden; ein Park-und-Ride-Parkplatz sei bereits auf der Westseite des Bahnhofs eingerichtet.

«Die Linie 3 verläuft im Sinne eines Entwicklungsmotors auf beiden Seiten», sagt Jurt. Sowohl Basel als auch Saint-Louis planen neue Wohn- und Gewerbequartiere entlang dieses Trassees. Basel möchte zudem die Reha besser erschliessen. In seiner Bewerbung um Bundesmittel aus dem Agglomerationenprogramm habe die Basler Regierung der Linie 3 den «absoluten Vorrang» gegeben. Langfristig ist der Kanton laut Jurt aber an der Verlängerung beider Linien interessiert.