Basel wächst und wächst. Die neusten Zahlen stammen vom April. Im vergangenen Jahr ist die Bevölkerung um 1393 auf 199 784 Personen angestiegen. Das Wachstum hat damit 0,7 Prozent betragen. Doch das reicht bei weitem nicht. Denn andere Kantone wachsen teilweise deutlich stärker. Und das hat Folgen.

Als Preis im Rennen um das grösste Bevölkerungswachstum wirkt der steigende Einfluss in Bern. Konkret: Es geht um Nationalratsmandate. Und weil die französischsprachige Schweiz die Nase vorn hat, büssen Deutschschweizer Kantone seit geraumer Zeit in der grossen Kammer Sitze ein. Diese werden nach der ständigen Wohnbevölkerung vergeben.

Zum letzten Mal

Die nächsten Nationalratswahlen finden zwar erst im Herbst 2019 statt, in Basel-Stadt haben die ersten Ausläufer des Wahlkampfs aber bereits begonnen. So präsentierte die FDP den ehemaligen Stadtentwickler Thomas Kessler, um ihren verlorenen Sitz zurückzuerobern. Und erst vergangene Woche meldete der ehemalige Regierungspräsident Guy Morin, für die Grünen kandidieren zu wollen. Es geht um den fünften und letzten Basler Nationalratssitz, der jeweils am härtesten umkämpft ist. Es wird für längere Zeit das letzte Mal sein.

Langzeitstudien des Bundesamts für Statistik haben es schon länger vorhergesagt. Das kantonale Pendant bestätigt nun auf Anfrage der bz die aktuelle Entwicklung der Bevölkerungszahlen. Damit ist klar: 2023 verliert der Kanton Basel-Stadt einen Nationalratssitz. Auch der Gewinner steht bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit fest; es ist der Kanton Fribourg. Aktuell errechnet das Statistische Amt Basel-Stadt gerade die neusten Zahlen. Doch schon jetzt lassen sich die Voraussagen von 2016 bestätigen.

Den Basler Wahlkampf der Zukunft macht das nicht spannender. Während in den vergangenen Jahren der fünfte Sitz mal der CVP, mal dem Grünen Bündnis zufiel, ist nach 2023 jeweils mit Blockwahlen zu rechnen. Sollte sich die politische Situation nicht radikal ändern, entsendet das Basel der Zukunft zwei Vertreterinnen oder Vertreter von links und zwei von rechts. Für kleinere Parteien wird es zur Herkulesaufgabe, eine Stimme in Bern stellen zu können.

«Für Links-Grün bleibt es das Ziel, drei Nationalratssitze zu halten – auf Kosten der Bürgerlichen», gibt sich Grünen-Präsident Harald Fried kämpferisch. Die meisten Politikvertreter aber gehen davon aus, dass der Sitzverlust zu einer klaren Lagerbildung mit jeweils zwei Sitzen führen wird. «Das ist auch demokratiepolitisch eine Schwächung», kommentiert FDP-Präsident Luca Urgese. «Bisher hatte die Bevölkerung die Möglichkeit, mit dem fünften Sitz die Linke oder die Bürgerlichen stärker zu gewichten und so Akzente zu setzen.»

Balz Herter macht vor allem die weitere Schwächung von Basel-Stadt Sorgen: «Es ist beschämend, dass der zweitwichtigste Wirtschaftsstandort des Landes in Bern so wenig zu sagen hat», findet der CVP-Präsident. Schon heute stehe die Region etwa bei Bahnprojekten hinten an. «Uns schwimmen die Felle davon.» Das sieht LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein genauso: «Da stimmt doch etwas nicht», sagt sie. Etwas ändern zu wollen, sei aber hoffnungslos. Das hätten bereits die Diskussionen um einen zweiten Ständeratssitz gezeigt. «Die anderen Kantone haben gar kein Interesse daran, dass sich die Gewichte verschieben.»

Auch Baselland muss zittern

Dass Basel-Stadt seinen Sitz bald wieder zurückerobert, ist unwahrscheinlich. Viel eher droht das Schicksal Berns, das seit Jahrzehnten mit sinkendem Einfluss kämpft. Zwar dürfte der vierte Sitz nicht so bald gefährdet sein. Dennoch kommt die Region noch mehr unter Druck: Rechnet man die Prognosen weiter für die darauffolgende Legislatur, wird es auch für Baselland eng. Zwar ist es wie beim Wetter: Je weiter die Prognosen in die Zukunft reichen, desto ungenauer sind sie. Doch die aktuellen Berechnungen deuten klar darauf hin, dass dem Baselbiet ab 2027 nur noch sechs Nationalratsmandate zustehen.

Anders sähe es aus, wenn die Kantone Basel-Stadt und Baselland bis dann fusioniert hätten. Zwar resultierte dann nur ein Sitzverlust für die Region. Aber für seriöse Mathematik ist das ein bisschen viel Spekulation.