Central Park Basel
«Basel Endbahnhof» muss städtebaulich zum Anfang werden

Befürworter reden von einer innovativen, grünen Oase, Gegner von einem teuren, hässlichen Deckel: Die Idee eines Central Park Basel über den Gleisen des Bahnhof SBB spaltet die Gemüter.

Matthias Zehnder
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Die neue Grünfläche des Central Parks Basel soll gleichzeitig als Lebensraum dienen und Stadt und Geleise besser erschliessen.

Die neue Grünfläche des Central Parks Basel soll gleichzeitig als Lebensraum dienen und Stadt und Geleise besser erschliessen.

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Das Projekt sieht vor, das Gleisfeld zwischen Margarethenbrücke und der neuen Passerelle ganz oder teilweise zu überdecken. Der Bereich vor dem Elsässertor soll ganz überdeckt und begrünt werden. Im Bereich der eigentlichen Perrons sollen die Geleise offen bleiben. Auf diese Weise soll ein grüner Park entstehen, der das Gundeli besser an die Stadt anschliesst und neue Zugänge zu den Perrons ermöglicht.

Die neue Grünfläche des Central Parks Basel soll gleichzeitig als Lebensraum dienen und Stadt und Geleise besser erschliessen.
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Der Bahnhof Basel wie ihn Donald Jacob sich vorstellt.
Ein Treffpunkt für Jung und Alt
Der Park soll über den SBB-Geleisen gebaut werden.
Die Züge fahren somit unterirdisch.

Die neue Grünfläche des Central Parks Basel soll gleichzeitig als Lebensraum dienen und Stadt und Geleise besser erschliessen.

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Gegner sprechen von einer «Bieridee», die technisch nicht machbar und viel zu teuer sei. Sie warnen davor, den Basler Bahnhof in ein dunkles Loch im Stil der Bahnhöfe Bern und Winterthur zu verwandeln. Überhaupt könne die Stadt nicht einfach über dem Gelände der SBB etwas bauen, das zudem auch noch eine Weiterentwicklung des Bahnhofs verhindere. Die Gegner setzen stattdessen auf eine Unterführung.

Befürworter halten dem entgegen, dass es in Europa gleich mehrere Projekte im Stil des Central Park gebe, dass die Geleise offen blieben und nur der vorderste Teil des Gleisfelds abgedeckt werden solle.

78 Hektaren gross wird der neue Park über den Gleisen in Bari. Statt wie bisher 2,7 Quadratmeter stehen jedem Einwohner künftig 5,1 Quadratmeter Grünfläche zur Verfügung. ZVG
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Basler Central Park hat Vorbilder im Ausland
In Ourense werden sich leichtgewichtige Überdachungen über die Perrons spannen.

78 Hektaren gross wird der neue Park über den Gleisen in Bari. Statt wie bisher 2,7 Quadratmeter stehen jedem Einwohner künftig 5,1 Quadratmeter Grünfläche zur Verfügung. ZVG

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Sicher ist: Central-Park-Initiant Donald Jacob hat nicht einfach eine Träumer-Truppe um sich versammelt. Neben VCS, Pro Natura und Pro Velo unterstützen auch die Handelskammer beider Basel, Pro Innerstadt und der Gewerbeverband die Idee. Die breite Unterstützung ist vielleicht auch der Grund, warum die Gegner in den letzten Tagen so grobes Geschütz aufgefahren haben. Aber wie kommt es, dass ein privates Projekt, das nicht einfach umzusetzen ist, auf so grosses Echo stösst?

Der Grund dafür, dass viele Basler dem Central Park zustimmen, ist der Bahnhof SBB und sein Umfeld. Basel hat nicht den Bahnhof, der den Ansprüchen und dem Selbstbild der Stadt genügt. Die neue Passerelle war schon zu knapp bemessen, als sie eröffnet wurde und die alte Passerelle zwischen Solothurnerstrasse und Gartenstrasse ist ein rostiges Relikt. Der Basler Bahnhof ist eine Mischung aus Güterbahnhof und kleinkrämerischem Provinzempfang. Er passt definitiv nicht mehr zur Stadt.

Und die Probleme beschränken sich nicht auf den eigentlichen Bahnhof. Die Nauenstrasse erstickt im Verkehr. Das Gundeli kämpft seit vielen Jahren für Verkehrsentlastung. Der Zolli ist vom Bahnhof aus zu Fuss mehr schlecht als recht erreichbar. Die Markthalle beim Bahnhof ist vermutlich auch der schlechten Erreichbarkeit wegen ein Flop. Wie es mit dem Postgebäude über dem vorderen Bahnhof weitergeht, steht in den Sternen. Die Post hat sich in letzter Minute vom Mietvertrag mit SRF zurückgezogen. Kurz: Im und um den Bahnhof herum ist vieles im Argen.

Die SBB sagen, wohl zu Recht, Stadtentwicklung sei nicht ihre Aufgabe. Die Stadt Basel sagt, ebenfalls zu Recht, der Bahnhof sei Hoheitsgebiet der SBB. Das Resultat ist, dass weite Bereiche des Bahnhofs zu einem Niemandsland verkommen, das rein auf die Logik von Rangierloks und Postwagen ausgerichtet ist und von Geleisen und Graffiti dominiert wird. Die Idee Central Park nimmt sich in dieser geistigen Ödnis fröhlich farbig aus. Vielleicht ist es eine Bieridee. Aber lieber eine gute Bieridee als ideenlose Zweckbauten.

Gut möglich, dass der Central Park auch bei einem «Ja» der Stimmbürger nicht gebaut wird. Ein «Ja» zwingt aber wenigstens SBB und Stadt Basel an einen Tisch. Basel darf nicht mehr einfach «Endbahnhof» sein, wie es in den Durchsagen im Zug so schön heisst. Der Bahnhof SBB ist nicht das Ende, sondern das Tor zur Schweiz. Für Basel muss der Bahnhof endlich auch städtebaulich zu einem Anfang werden.