Claraturm

Basel entscheidet über 96 Meter hohen Wohnturm bei der Messe

Er soll ein Gegengewicht zum Messegelände sein: der neue Claraturm.

Er soll ein Gegengewicht zum Messegelände sein: der neue Claraturm.

Der Basler Souverän entscheidet am 24. November über ein neues Hochhaus mit 170 Wohnungen. Vors Volk kommt das 100-Millionen-Projekt privater Investoren, weil gegen die baurechtlichen Grundlagen für den 96 Meter hohen Claraturm am Messeplatz das Referendum ergriffen wurde.

Gebaut werden soll das 29-stöckige Projekt gegenüber dem neuen Messekomplex von Herzog & de Meuron und in der Nähe des 105 Meter hohen Messeturms.

Im baselstädtischen Grossen Rat erwuchs dem Vorhaben ausser von der linken Gruppierung BastA! kaum Widerstand. Mit 62 gegen 12 Stimmen bei 7 Enthaltungen stimmte das Parlament der Zonenänderung und dem Bebauungsplan für den Wohnturm zu.

Bar-Betreiber ergreift Referendum

Ergriffen wurde das Referendum gegen den Grossratsbeschluss denn auch nicht von politischen Kreisen, sondern vom Inhaber einer Bar. Sein Lokal gehört wie etwa auch das traditionsreiche Restaurant "Zum Alten Warteck" zu jener aus der Zeit um 1850 stammenden Häuserzeile, die dem Claraturm weichen muss - was mit dem Referendum verhindert werden soll.

Dieses historische Ensemble am Riehenring hatten auch schon der Basler Heimatschutz und die Freiwillige Denkmalpflege zu retten versucht. Die Regierung lehnte es jedoch 2007 ab, die Liegenschaften unter Denkmalschutz zu stellen. Das Appellationsgericht stützte diesen Entscheid.

2009 trat das Bundesgericht auf eine Beschwerde von Heimatschutz und Denkmalpflege mangels Legitimation gar nicht erst ein.

Gegen Wohnungsknappheit

Bauherrin des Claraturms ist ein Immobilienfonds der Grossbank UBS. Das Referendumskomitee sieht im Neubau ein Spekulationsobjekt, das auch in der Umgebung zu höheren Mietpreisen führe.

Dass das maximal 29-stöckige Gebäude mit fünf- bis sechsstöckigem Anbau auch im links-grünen Lager mehrheitlich gut ankommt, hängt vorab damit zusammen, dass für das aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Projekt kein zusätzlicher Boden geopfert wird und es zu einer im Trend liegenden Verdichtung kommt.

Unter dem Strich entstehen im Claraturm 140 zusätzliche Wohnungen im mittleren Preissegment. Nach Überzeugung der Befürworter leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag gegen die Wohnungsknappheit - die Leerwohnungsquote beträgt im Stadtkanton nur gerade 0,3 Prozent.

Abbruch auch bei Nein

Sollte das Hochhausprojekt an der Urne verworfen werden, will die Bauherrschaft die bestehenden sanierungsbedürftigen Liegenschaften dennoch abbrechen und sie innerhalb der geltenden Zonenordnung durch eine fünfgeschossige Randbebauung ersetzen. In diesem Fall entginge dem Kanton neben zusätzlichen Wohnungen auch eine Mehrwertabgabe von fünf Millionen Franken.

Das Referendumskomitee will sich indes über die Volksabstimmung hinaus für den Erhalt der Warteck-Häuser einsetzen: Verhindert werden soll deren Abriss mit einer Volksinitiative. Zentrales Argument ist dabei, dass das umstrittene Ensemble seit zwei Jahren im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung aufgeführt ist.

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