Gefahrguttransport

Basel fürchtet Schreckensszenarien: Massnahmen des Bundes reichen dem Kanton nicht

Brandgefährlich: Jedes Jahr rollen Tausende Tonnen Gefahrengüter durch den Badischen Bahnhof.

Der Bund will Züge mit explosiver Fracht besser sichern. Dem Kanton Basel-Stadt reichen die Massnahmen nicht.

Das Unglück war verheerend. 47 Menschen sind im Juli 2013 gestorben. Mitten in der Nacht war ein mit Rohöl beladener Güterzug durch die kanadische Kleinstadt Lac-Mégantic gerast und entgleist. Kesselwagen explodierten und lösten einen Grossbrand aus. Das Stadtzentrum wurde auf einer Fläche von zwei Quadratkilometern verwüstet. Fazit der Ermittler: Die Katastrophe wäre zu verhindern gewesen, hätte die Bahngesellschaft nicht bei der Sicherheit gespart.

Solche Schreckensszenarien machen auch den Basler Behörden Sorgen. Im Fokus steht der Badische Bahnhof: Hier kommen schon heute zum Beispiel 12'000 Tonnen Chlorgas in die Schweiz. Ein Unfall hätte katastrophale Folgen. 30 Prozent der Menschen, die sich in einem Radius von 2,5 Kilometern aufhalten, sind in Todesgefahr, wenn sie das Gas einatmen.

«An unserer Beurteilung hat sich nichts geändert»

Ergo: Das Risiko ist zu gross. Und es wird weiter steigen. Die Deutsche Bahn arbeitet am Ausbau der Strecke Karlsruhe-Basel. Laut dem Plangenehmigungsgesuch werden die Gefahrgutmengen bis 2030 um 60 Prozent steigen. Für Basel-Stadt werden die Risiken damit untragbar. Bereits 2016 hat der Kanton beim Bundesamt für Verkehr (BAV) Einsprache gegen das Gesuch eingereicht. Die vorgeschlagenen Massnahmen zur Risikoreduktion seien ungenügend.

Auch beim Bund hat man Handlungsbedarf erkannt. So fahren Chlortransporte seit dem Fahrplanwechsel 2018 im ganzen Bahnnetz nur noch 40 Stundenkilometer schnell. Allein das senke das Unfallrisiko um das Zehnfache, bilanzierte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) dieser Tage. Gleichzeitig sollen künftig nur noch die aktuell sichersten Kesselwagen eingesetzt werden.

Weiter wurden für 6,5 Millionen Franken insgesamt 437 kritische Hindernisse entlang der Strecken entfernt. Im Auge hat der Bund dabei allerdings vorab das Genferseebecken mit seiner grossen Bevölkerungszunahme.

Den Basler Behörden reicht das aber nicht, weshalb sie an ihrer Einsprache festhalten. Der Einsatz von «aktuell sichersten» Kesselwagen gelte auch für die Region Basel. «Die andern beschriebenen Massnahmen betreffen vor allem die Situation in der Genfersee-Region oder im Wallis», gibt Anne Tschudin vom Basler Gesundheitsdepartement zu bedenken. Weitere Massnahmen seien nicht vorgesehen.

Zudem: Die Tempobegrenzung werde freiwillig umgesetzt. «Daher kann sie von den SBB auch wieder aufgehoben werden etwa bei Engpässen auf dem Netz», sagt Tschudin. «An unserer Beurteilung hat sich deshalb nichts geändert: In keiner Schweizer Grossstadt werden so viele Gefahrgüter mit der Bahn transportiert wie in Basel.» Beim Streckenausbau seien daher flankierende Massnahmen nötig.

Weitere Massnahmen seien «unverhältnismässig»

So fordert Basel-Stadt etwa, dass mittel- bis langfristig die Option einer unterirdischen Umfahrung für den Transitgüterverkehr offengehalten wird. Der Kanton hat den Bundesrat bereits ersucht, eine grossräumige Netzplanung in Abstimmung mit den zuständigen Stellen in Deutschland voranzutreiben.

Beim Bund gibt man sich zugeknöpft. Auf Fragen zur Basler Einsprache geht das BAV gar nicht erst ein. Es seien Projektänderungen, die das Plangenehmigungsverfahren für den Vierspurausbau auf unbestimmte Zeit verzögerten, sagt Sprecher Michael Müller. Ansonsten aber erkennt der Bund auf den betroffenen Zugstrecken keinen Abschnitt mit untragbaren Risiken, wie das Bafu nun wieder betont.

Auch das BAV erklärte zusätzliche bauliche Massnahmen am Badischen Bahnhof bisher für «unverhältnismässig». Bei Gefahrgütern würden schon heute strenge Regeln gelten. So dürften Gefahrgüterzüge etwa den St. Jakobs-Park nicht während Fussballspielen passieren. Auch würden sie vorwiegend nachts fahren, wenn weniger Personenverkehr herrscht. Doch zumindest hat auch der Bund schon eingeräumt, dass sich mit den Ausbauplänen und dem damit erwarteten Mehrverkehr die Sicherheitslage ändern könnte.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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