Feiert die Uni ihren Geburtstag, dann wandeln die Professoren in schwarze Talare gehüllt über den Basler Münsterhügel. Ihre Stolen leuchten – und gruppieren sie in Farben zu ihren Fakultäten. Am Dies academicus befestigen auch die Vertreter der studentischen Verbindungen ihre runden Hütchen schräg am Kopf, ziehen weisse Handschuhe an und stemmen Fahnen in ledernen Hüftgürteln. Vom Universitätsrat angeführt, schreitet die geistige Elite der Stadt durch den Mittelgang der Martinskirche. Am diesjährigen Dies academicus feiert die Universität Basel ihren 554. Geburtstag. Neue Fächer sind hinzugekommen, Bewertungssysteme haben sich teilweise fundamental gewandelt. Das Protokoll des Dies academicus bleibt aber seit Jahrhunderten dasselbe: Am akademischen Feiertag verleiht die Universität Ehrendoktortitel, begrüsst Neuzugänge und feiert sich selber.

Im Zentrum der Feier steht die Rede des Rektors. Zum letzten Mal begrüsste Antonio Loprieno in diesem Rahmen die «hoch ansehnliche Festgemeinde». Der Professor für Ägyptologie ist seit 2000 Rektor der Uni Basel. Im September gab er seinen Rücktritt bekannt.

Plädoyer für ‹offene Universität›

In seiner letzten Geburtstagsrede der Uni Basel traten alte Bekannte aus früheren Reden auf: Frau Feuerbach oder Armando Tourn. Sie beiden dienten vor zwei Jahren Loprieno als fiktionale Figuren in seinem eigens geschriebenen Krimi respektive seiner Festrede. Gestern Morgen verliess Antonio Loprieno jedoch die fiktionale Ebene und fand deutliche Worte. Er kritisierte, dass die Wissenschaft sich immer stärker der Logik des Wettbewerbes unterordne. Es fände eine Privilegierung von kurzfristigen Forschungsergebnissen statt. Die langzeitig angelegte Forschung werde dadurch vereitelt. Heute liege der Fokus auf Forschungsanträgen, Strategiepapieren oder interdisziplinären Vorhaben. Exzellenz und Innovation sind die neuen Massstäbe. Diese Logik des Wettbewerbs gehörten aber nicht zum früheren Narrativ der humanistischen Universität. Das Zelebrieren des Wettbewerbs sei sogar verpönt gewesen. Vielmehr ging es um die Aufnahme in eine Community – beispielsweise durch eine Habilitation.

Loprieno plädierte in seiner Rede für eine «offene Universität» in Anlehnung an Richard Sennetts Stadttheorie. Die «offene Universität» soll komplex, aber durchsichtig; widersprüchlich, aber solidarisch sein; an der Schnittstelle zwischen Lokalität und Globalität. Sie integriert die internationale Wissenschaft in die lokalen, wirtschaftlichen Spähren. Die in ihr bestehenden Unterschiede verneint sie nicht, sondern fasst die disziplinäre wie menschliche Vielfalt als Reichtum auf.

Am Schluss seiner letzten Geburtstagsrede der Universität Basel entzündete sich der emotionale Funke. «Basel hat die beste Universität der Welt – eine wunderbare akademische Institution», schwärmte der scheidende Rektor Antonio Loprieno.