Städtestatistik
Basel hat landesweit am meisten Automuffel - das gilt auch fürs Umland

Die Städtestatistik zeigt: In Schweizer Städten gibt es nirgendwo weniger Motorfahrzeuge als in Basel. Das, weil unter anderem das Velofahren in der Stadt gefördert wird und ein gut ausgebautes Fahrradnetz vorhanden ist.

Benjam Wieland
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Nicht nur die Basler, auch die Agglomerationsbewohner sind wenig autoaffin.

Nicht nur die Basler, auch die Agglomerationsbewohner sind wenig autoaffin.

Martin Töngi

In Möhlin stehen die modernsten Wohngebäude. Reinach ist die Heiratshauptstadt der Schweiz. In Binningen wohnen 46 Diplomaten - und damit mehr als in St. Gallen, Luzern, Lugano, Winterthur und Biel zusammen (39). Das alles steht in der neusten Ausgabe der Statistik der Städte, die der Schweizerische Städteverband (SSV) herausgibt. 125 Mitglieder zählt der SSV, 14 davon liegen in der Nordwestschweiz.

Ein Blick in den Bericht bestätigt ein altes Vorurteil: Basel ist keine Autostadt. So gibt es im Stadtgebiet 351 Personenwagen auf 1000 Einwohner - so wenig wie in keiner anderen Schweizer Stadt. Und was noch gewichtiger ist: Der Basler Wert ist der tiefste der sechs Grossstädte. Auf Rang zwei parkiert Zürich mit 363 Autos, danach folgen Lausanne, Bern, Genf und Winterthur. Die Metropolen liegen jedoch unter dem Schnitt aller Städte. Dieser beträgt 523 Personenwagen pro 1000 Einwohner.

Auch im Umland wenig Autos

In der Kernstadt ist die Zahl der Autos tief, dafür ist das Umland stark motorisiert - könnte man meinen. Stimmt aber nicht: Auch in der Agglomeration setzen sich die tiefen Werte fort. Keine der zwölf anderen Städte in der Nordwestschweiz liegt über dem nationalen Schnitt. Riehen kommt auf 398 Personenwagen auf 1000 Einwohner - das ist der tiefste Wert in der Kategorie der mittelgrossen Städte zwischen 20 000 und 50 000 Einwohner. Auch Birsfelden unterbietet mit dem Wert von 414 alle anderen Städte derselben Klasse.
Martin Tschirren, stellvertretender Direktor des SSV, haben die Zahlen aus der Region Basel nicht verwundert: «Die Nordwestschweizer Städte haben im Schnitt wenig Personenwagen pro Kopf. Das ist uns schon früher aufgefallen.» Laut Tschirren hat das mit dem gut ausgebauten und günstigen öffentlichen Verkehr zu tun. Aber auch die Siedlungsform spielt eine Rolle: «Gerade die Stadt Basel ist sehr dicht bebaut, auch die angrenzenden Gemeinden sind meist stark verstädtert.» Der Weg zur nächsten Tram- oder Busstation sei in der Regel nah, weiss Tschirren - ein Auto lohne sich deshalb «vielfach nicht».

Als anderes Extrem nennt Tschirren die viel weniger dicht besiedelte Stadt Appenzell: «In einer Streusiedlung kann der öV nicht so gut funktionieren». Und in der Tat: In Appenzell liegt der Motorisierungsgrad exakt bei 1000 - oder anders gesagt: Auf einen Appenzeller kommt ein Auto.

Simon Kettner, Leiter der Mobilitätsstrategie beim Amt für Mobilität Basel-Stadt, nennt einen weiteren Grund, weshalb die Basler auf die eigenen vier Räder keinen grossen Wert legen: «In Basel-Stadt wird das Velofahren gefördert, das Velonetz ist gut ausgebaut.» Nicht zuletzt spiele auch die Topografie eine Rolle. Zwar habe es einige Steigungen wie etwa den Münsterhügel oder das Bruderholz, aber im Gegensatz zu anderen Städten wie Lausanne seien Basel und die Umgebung flach.