Neue Massnahmen
Basel hat mit seiner neuen Alterpolitik eine Pionierrolle inne

Basel-Stadt macht vorwärts mit der Umsetzung seiner neuen Alterspolitik. Alten Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, Hilfe zur Selbsthilfe bieten und bestehende Netzwerke ausbauen. Auf diesen Leitlinien basiert der Massnahmenkatalog.

Hans-Martin Jermann
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300 Pflegeplätze fehlen. Deshalb wird derzeit in Basel kräftig gebaut.

300 Pflegeplätze fehlen. Deshalb wird derzeit in Basel kräftig gebaut.

bz

Suche heute eine 80-jährige Frau einen Pflegeplatz für ihren dementen Ehemann, so müsse sie an verschiedene Stellen gelangen, veranschaulichte Philipp Waibel, Leiter der Basler Gesundheitsdienste. Dies soll sich ändern. «Wir müssen näher an die Leute ran», räumte Waibel ein.

Seniorentreffpunkt für Italiener

Ein typisches Beispiel für die neue Alterspolitik ist das «Café Bâlance». Der 2010 im Hirzbrunnen gestartete Seniorentreffpunkt bietet selbstständig zu Hause lebenden Personen sozialen Austausch gepaart mit gemeinsamer Gymnastik, Vorträgen und Präventionsprojekten. Dies mit dem Ziel, das psychische und körperliche Wohlbefinden der älteren Menschen zu stärken.

Das Projekt ist ein Erfolg und wird mittlerweile in neun Quartiertreffpunkten angeboten. Nun sollen zwei bis drei weitere Standorte hinzukommen, informierte Kantonsarzt Thomas Steffen. Zudem möchte der Kanton das Angebot auf spezifische Gruppen und Bedürfnisse ausdehnen. Ab Oktober wird etwa für italienischstämmige Personen als Pilotprojekt das «Café Bâlance all’ italiana – ginnastica dolce» angeboten.

Menschen aus 189 Nationen leben in Basel. «Für die Anliegen dieser Menschen machen sich unglaublich viele Organisationen stark. Allerdings ist aus übergeordneter Sicht oft unklar, wer für wen was anbietet», erklärt Waibel.

Um Lücken im Angebot aufzudecken und Doppelspurigkeiten zu vermeiden, sei eine stärkere Koordination nötig. Erreicht werden soll dies durch den Aufbau eines neuen Netzwerks «Alter und Migration» auf Initiative der GGG-Ausländerberatung.

Im Bereich migrationsspezifischer Angebote sticht die mediterrane Wohngruppe im Alterszentrum Falkenstein im Gundeli heraus. Diese ist jüngst von 11 auf 22 Plätze erweitert worden. Derzeit bestehe aber kein Bedarf für weitere nationalitätenspezifische Wohngruppen, sagt Felix Bader, Leiter der Abteilung Langzeitpflege im Gesundheitsdepartement.

Ob langfristig neue Angebote nötig seien – etwa für Migranten vom Balkan oder aus der Türkei – sei derzeit unklar. Dies hänge stark vom Erfolg der Integrationsbemühungen des Kantons ab, führt Bader aus.

Basel ist alt, wird aber jünger

Generell fehlt es im Stadtkanton an Pflegeplätzen. Bader beziffert die Zahl der Wartenden auf 300, davon ist rund die Hälfte provisorisch in Spitälern untergebracht. «Das Problem wird sich aber in den nächsten drei, vier Jahren lösen», stellt Bader klar. In der Stadt befinden sich mehrere Alters- und Pflegeheime im Bau. Auf dem Areal des Bethesda-Spitals entsteht zudem eine Wohnanlage für bis zu 120 Senioren, welche die Vorteile der Spitalnähe gezielt nutzen soll.

Basel hat mit den präsentierten Massnahmen in der Alterspolitik schweizweit eine Pionierrolle inne. Das verwundert nicht, ist der Stadtkanton heute doch jener mit dem höchsten Anteil an Rentnern. Dieser Trend wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten allerdings abschwächen: So wächst die Altersgruppe 80+ in Basel laut Prognosen bloss moderat an, dies im Gegensatz etwa zu Baselland, wo bis 2030 eine Verdoppelung ansteht. Im Vergleich zur übrigen Schweiz wird Basel damit zumindest relativ wieder jünger.

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