Gefahr
Basel hat seine gefährlichen Hunde im Griff

Im Kanton Basel-Stadt müssen die Herrchen und Frauchen auffälliger Hunde mit ihren Tieren zu einem 30 Minuten dauernden Test antreten. Dieser ist zwar kurz, erfüllt aber seinen Zweck.

Thomas Mani
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Ein bulgarischer Pitbull mit Maulkorb. key

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Was tun, wenn man von einem Hund bedroht oder im schlimmsten Fall gar angegriffen wird? Um solche auffälligen und potenziell gefährlichen Tiere einschätzen zu lassen und allenfalls durch Massnahmen zu bändigen, sollten diese beim Kantonstierarzt gemeldet werden. Dazu gibt es online ein Formular. Der Tiermediziner entscheidet auf der Grundlage des schriftlichen Gesuchs, ob ein Verhaltenstest nötig ist.

Test von 30 Minuten Länge

In Basel-Stadt werden bei Handlungsbedarf Hund und Herrchen einem 30-minütigen Test über ihr gemeinsames Verhalten unterzogen. Der Test umfasst sieben simulierte Alltagssituationen, wie etwa den Kontakt mit fremden Hunden, Führigkeit des Tiers und das Verhalten des Vierbeiners beim Passieren von Türen und Gängen in einem Gebäude. Die Folge eines negativen Resultats kann eine Leinen- oder Maulkorbpflicht bedeuten. Bei grossem Gefahrenpotenzial muss der Hund sogar eingeschläfert werden.

Der Basler EVP/DSP-Grossrat Beat Fischer äusserte vergangene Woche in einer Interpellation an den Regierungsrat seine Skepsis über die Güte der Überprüfungsprozedur. Weil in der Schweiz die Umsetzung eines solchen Tests den Kantonen überlassen ist, variieren Dauer und Inhalt des Verhaltenstests. Zu lasch wäre dieser in Basel, lässt sich Fischers Interpellationstext deuten. Zum Vergleich: Im Kanton Aargau dauert der Test rund anderthalb Stunden. Dabei wird zuerst ein Gesundheitscheck des Tiers vorgenommen, um dann in zwanzig verschiedenen Situationen das Verhalten des Hund-Halter-Gespanns zu evaluieren.

Regierungsrat entkräftet

Regierungsrat Carlo Conti (CVP) entkräftet Fischers Interpellation und hält fest: «Die Erfahrung zeigt deutlich, dass der Erkenntnisgewinn beim basel-städtischen Verhaltenstest eine zuverlässige Einschätzung ermöglicht». Guido Vogel, Leiter der Hundefachstelle beim Kantonalen Veterinäramt Basel-Stadt schlägt in die gleiche Kerbe: «Noch nie hat ein Resultat revidiert werden müssen, dazu wurden sämtliche Rekurse gegen verfügte Massnahmen in den letzten fünf Jahren abgewiesen.» Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die basel-städtische Prüfmethode zwar kurz ist, dass die Erfahrung dem Prozedere aber recht gibt. Interpellant Beat Fischer gab sich jedenfalls mit der Antwort des Regierungsrats zufrieden.

Schlechte Erziehung als Ursache

Carole Somazzi, Präsidentin des Hundedressurvereins Basel meint: «Auffälliges Verhalten bei Hunden ist fast immer auf eine schlechte Erziehung durch die Hundehalter zurückzuführen». Zudem sei ein guter Umgang mit Hunden nicht jedem Menschen angeboren. Seit 2008 ist zu diesem Zweck für alle Hundehalter in der eidgenössischen Tierschutzverordnung festgehalten, dass der Erwerb eines Sachkundenachweises bei der Anschaffung eines Vierbeiners Pflicht ist.

In den letzten fünf Jahren blieb der Hundebestand in der Stadt Basel konstant bei etwa 5000 Tieren, wovon hundert zu den als potenziell gefährlichen Rassen gehören (siehe Infobox). Für solche Hunde besteht die Pflicht einer speziellen Haltebewilligung. Vergangenes Jahr wurden in Basel 92 auffällige Hunde gemeldet. Rund 50 weniger als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der Bissverletzungen ist rückläufig (62 statt 99 von 2010).