Es ist in zweierlei Hinsicht ein dicker Fisch, den der FC Basel am Mittwoch an Land gezogen hat. Zum einen wegen der schillernden Vita von Walter Samuel, der auf sechs Meistertitel in Italien (fünf mit Inter Mailand, einen mit der AS Roma), den Gewinn der Champions League und des Weltpokals, ein Jahr bei Real Madrid und auf 56 Länderspiele mit Argentinien zurückblicken kann. Zum anderen wegen der imposanten Erscheinung des 36-jährigen: Nein, dem 1,83 Meter grossen und 83 Kilogramm schweren Samuel möchte man nicht im Dunkeln begegnen. Gefürchtet war Samuel auch bei den Stürmern in der italienischen Serie A wegen seiner Kompromisslosigkeit in den Zweikämpfen - die Fans von Inter Mailand huldigten ihm mit dem Spitznamen «il muro», die Wand.

Abgesehen vom Weltmeistertitel - mehr erreichen als Walter Samuel kann ein Fussballer in seiner Karriere nicht. Umso überraschender, dass einer der erfolgreichsten argentinischen Fussballer der Geschichte ausgerechnet beim FC Basel seine Karriere ausklingen lassen will. Wobei die Initiative zum Transfer tatsächlich von Samuel ausging: Schon im Frühling informierte ein Mittelsmann die Klubleitung, dass er gerne nach Basel kommen würde. Damals reagierte man im FCB skeptisch auf die Kontaktaufnahme und ging nicht weiter darauf ein.

Als vergangene Woche erneut ein Vertrauter Samuels anklopfte, wurde man jedoch hellhörig und startete die Verhandlungen. Am Mittwochnachmittag setzte Samuel seine Unterschrift unter einen Vertrag bis Ende der Saison und liess sich anschliessend auf der FCB-Homepage zitieren: «Ich freue mich auf die neue Herausforderung und das Abenteuer FC Basel.» Auch Klubpräsident Bernhard Heusler zeigte sich erfreut: «Mit Samuel gewinnt der FC Basel einen sehr erfahrenen Spieler und zugleich eine grosse Persönlichkeit. Einmal mehr zeigt dieser Transfer die Attraktivität des FCB und der Schweizer Liga.»

Fragezeichen bleiben

Trotz der glorreichen Vergangenheit und Samuels zweifellos vorhandenen Routine stellen sich Fragen: Warum holt der FCB einen Innenverteidiger, obwohl er bereits deren fünf im Kader hat und mit Taulant Xhaka und Behrang Safari beim Startspiel in Aarau gelernte Aussenverteidiger im Abwehrzentrum spielten? Hält Samuels Körper die Anstrengungen der langen Saison aus, nachdem er im vergangenen Jahr einige Male verletzt war? Sportdirektor Georg Heitz sagt: «Wenn wir mit drei Innenverteidigern spielen, wollen wir auch dort jede Position doppelt besetzt haben. Und bei Ivan Ivanov (im Aufbau nach Kreuzbandriss; d. Red.) ist der Zeitpunkt seiner Rückkehr fraglich.» Worauf Heitz nicht näher eingehen will, was aber offensichtlich ist: Für Gaston Sauro, den argentinischen Landsmann Samuels, dürfte endgültig das Ende seiner Zeit beim FCB gekommen sein. Schon in Aarau stand er nicht im Aufgebot. Zur körperlichen Verfassung des Neuzugangs sagt Heitz: «Wenn wir nicht von seinen Qualitäten überzeugt wären, hätten wir ihn nicht verpflichtet.»

Klar ist: Ein solch verdienter Spieler ist nicht nach Basel gekommen, um sich auf die Bank zu setzen. Es spricht für ihn, dass er nicht wie andere Altstars einem Millionen-Angebot aus dem arabischen Raum oder aus Amerika erlegen ist, sondern seine Erfahrung dem international ambitionierten FCB zur Verfügung stellt. Samuel legt für sein einjähriges Engagement seinen Wohnsitz nach Basel, begleitet wird er von seiner Familie. Heute trainiert er zum ersten Mal mit den neuen Teamkollegen, bis zu seinem ersten Einsatz werden aber noch einige Wochen verstreichen: Er hat sich zwar mit Einzeltraining fit gehalten. Trotzdem braucht es Zeit, bis Samuel dem FCB-Trikot mit der Nummer 6 ein erstes Mal Auslauf gibt.