Ausgrabungen
Basel holt sich Fundstücke aus dem Münster nach 50 Jahren zurück

Der Kunsthistoriker Hans Rudolf Sennhauser führte 1966 und 1973/74 Ausgrabungen im Basler Münster durch. Er nahm Fundstücke und Dokumentation mit nach Hause – und rückte sie bis im Jahr 2014 nicht wieder heraus.

Simon Erlanger
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Die Überreste der Vorgängerbauten des Münsters bei der Galluspforte wurden 1966 entdeckt. Jetzt erst kann die Grabung ausgewertet werden.

Die Überreste der Vorgängerbauten des Münsters bei der Galluspforte wurden 1966 entdeckt. Jetzt erst kann die Grabung ausgewertet werden.

Zur Verfügung gestellt

Unzählige Fundgegenstände und eine Dokumentation mit rund 700 Plänen und 8000 Fotos, das ist die Ausbeute der Ausgrabungen im Basler Münster, die der Kunsthistoriker Hans Rudolf Sennhauser und sein Team in den Jahren 1966 und 1973/74 durchführten.

Zum Vorschein kamen Überreste der beiden Vorgängerbauten des Basler Münsters, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen. Allein für die Ausgrabungen von 1973/74 bezahlte Basel-Stadt 700 000 Franken, was zwei Millionen heutiger Franken entspricht. Die Dokumentation sei für die Geschichte Basels und der Region von grösster Bedeutung, so das Präsidialdepartement. Die wertvollen Funde und Unterlagen sind aber nie in Basel angekommen.

Schätze privat gelagert

Aufgrund vielfältiger Verpflichtungen sei Hans Rudolf Sennhauser nicht dazu gekommen, die Auswertung der Grabungsdokumentation abzuschliessen und habe diese einfach behalten. Seit 1975 habe daher die Basler Archäologische Bodenforschung mit ihm einen intensiven Schriftenwechsel über die Herausgabe der Dokumentation geführt. Immer wieder seien Fristen ungenutzt verstrichen. 2009 habe Sennhauser im aargauischen Bad Zurzach dann die «Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter – HR. Sennhauser» eingerichtet und ihr die Dokumentation übergeben.

Doch dann habe sich Basel der Schätze erinnert. Aus Anlass des 2019 bevorstehenden 1 000-Jahr-Jubiläums des Heinrichsmünsters – des direkten Vorgängerbaus des heutigen Basler Münsters – unternahm der Kanton einen erneuten Versuch, das Kulturgut heimzubringen, diesmal erfolgreich. Die Fundstücke wurden Basel 2014 übergeben. Hingegen habe die Sennhauser-Stiftung die Herausgabe der Dokumentation weiter verweigert.

Erst nachdem Basel die Aargauer Gerichte eingeschaltet habe, habe die Sennhauser-Stiftung diesen Sommer den Eigentumsanspruch Basels endlich anerkannt. Nach 50 Jahren gingen die Grabungsunterlagen darum dieser Tage definitiv nach Basel. Nun wird sie die Archäologische Bodenforschung auswerten und damit unbekannte Abschnitte der Geschichte des Münsters der Öffentlichkeit zugänglich machen.

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