Basel-Stadt
Basel irgendwo zwischen aussergewöhnlich und rückständig

Der Herbstanlass des Bauforums im Grossratssaal stand im Zeichen von vier Basler Persönlichkeiten, die aufzeigten, warum am Rheinknie Aussergewöhnliches möglich ist.

Tobias Gfeller
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AVO Session-Chef Matthias Müller: «Basel hat eine gute Mischung aus langsam und schnell.» (Archiv)

AVO Session-Chef Matthias Müller: «Basel hat eine gute Mischung aus langsam und schnell.» (Archiv)

bz

FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler musste auch vor den zahlreich erschienenen Vertretern aus der Wirtschaft und der Politik zuerst einmal zur Causa Heiko Vogel Stellung nehmen. Er tat dies gewohnt souverän, konnte aber nicht verbergen, dass dieser Montag für ihn ein schwerer Tag gewesen war. Trotz aller Aufregung des Nachmittags ging es gestern um jenen FCB, der seit Jahren für die Stadt Basel Grosses leistet. «Nährboden für Aussergewöhnliches – warum ist Basel top?», lautete demnach auch der Titel der Veranstaltung. Für einmal stand nicht die Frage im Zentrum, was Basel besser machen müsste, sondern weshalb Basel so gut ist.

Merkantilismus und Humanismus

Als «gute Mischung aus langsam und schnell» bezeichnete AVO-Session-Präsident Matthias Müller die Geschwindigkeit, die in Basel herrscht. «Sie ist nicht zu hoch, dass es unübersichtlich wird, aber auch nicht zu tief, dass es langweilig wird.» In Basel entstünden durch die Berührung von merkantiler und humanistischer Tradition Blüten, die es so in keiner anderen Stadt gebe, erklärte Georges Delnon gewohnt fantasievoll die Vorzüge Basels.

FCB-Präsident Heusler lobte die provinzielle Randständigkeit der Stadt. «Auf der Gegenseite ist sie aber geistig sehr weltoffen.» Diesen geistigen Boden sieht der Direktor des Theater Basel Georges Delnon in Basel als sehr wichtig an. «Wir müssen daher in Bildung und Kultur investieren. Die Kinder sind das Kapital der Zukunft.»

Messe-Schweiz-CEO René Kamm sieht den Erfolg der Messe Basel aber weniger beim Standort, als vielmehr beim Unternehmen selber. «Wir messen uns mit Singapur, Hongkong oder Boston – und nicht mit Hannover. Und wir sind teilweise besser als die – gerade mit dem Neubau.»

Matthias Müller kritisiert Rot-Grün

Im zweiten Teil der von «Regionaljournal Basel»-Chef Dieter Kohler geleiteten Diskussion sprachen die vier Persönlichkeiten aber trotzdem über jene Dinge, die Basel besser machen sollte. Startschuss für die Kritik war ein kurzes, aber emotionales Votum von Architekt Samuel Schultze aus dem Publikum. «Basel wird immer rückständiger und provinzieller. Es geht um die Rettung von irgendwelchen Schrebergärten. Was wir aber brauchen, ist Infrastruktur. Mit dieser Rückständigkeit verhindern wir aber notwendige Entwicklung.»

Die Podiumsteilnehmer nahmen den Steilpass dankend an. Allen voran René Kamm, der das aktuelle politische Umfeld als «schwierig» taxierte. Im Wissen, dass die öffentliche Hand mit 49 Prozent an der Messe Schweiz beteiligt ist, liess er keinen Zweifel daran aufkommen, dass er lieber mehr als weniger Markt hätte. Matthias Müller von der AVO Session liess an der rot-grünen Regierung ebenfalls kein gutes Haar. «Es gibt in diesem Herbst auch Alternativen», gab er gleich eine kleine Wahlempfehlung ab.