Glosse

Basel ist ein Albtraum!

Basel schafft es beim «Quality of Living»-Ranking direkt auf Platz 10. Bei dieser Platzierung kann es sich aber nur um ein Missverständnis handeln. Basel lebenswert? Von wegen!

Wien hat das Schnitzel und den Schmäh. Bei den Bedingungen muss auch der letzte Füdlibürger anerkennen: Diese Stadt wurde absolut verdient zum Sieger der Städte mit der höchsten Lebensqualität gekürt.

Auckland landet aus gutem Grund auf dem dritten Platz (nach Zürich, was wir hier vorsätzlich verschweigen): Auckland liegt am Ende der Welt, zwischen der Stadt und Horrorclowns wie Trump, Erdogan und Blocher breiten sich ganze Weltmeere aus, düster und voller Haie. Die Beratungsgesellschaft Mercer, die das Ranking macht, hat also auch da richtig entschieden: Bronze für Auckland ist mehr als angemessen.

Aber Basel? Auf Platz 10? Noch vor Rom und Brüssel? Und nur knapp hinter Kopenhagen? Da liegt ein Missverständnis vor!

Basel ist ein Albtraum. Die Angst vor einer Chemie-Katastrophe ginge ja noch, schliesslich haben wir Schweizerhalle überlebt und die Nachfahren der toten Fische vermehren sich wie Karnickel. 

Auch, dass ein Erdbeben die Stadt am Oberrheingraben in Schutt und Asche legen könnte, ist verkraftbar und sowieso nur Angstmacherei von Geothermiegegnern. Schlimmer ist die Wirklichkeit, das Hier und Jetzt.

Sogar Neapel ist besser als Basel

Dieses Hier und Jetzt spricht St. Gallerisch und diskriminiert die grösste Bevölkerungsgruppe der Stadt, wo es nur kann. Oder wer, wenn nicht dieser elende Wessels, ist schuld, dass kettenrauchende Autofahrer über 80 die Stadt scharenweise verlassen und zum Feind ins Baselbiet ziehen?

Wer hat es zu verantworten, dass Velo-Rowdys ständig Fussgänger zu Tode rasen und für ihre Waffe, das ökomotorbetriebe Kistenvelo, noch Geld bekommen? (Gut, daran ist Brutschin schuld, aber der ist zu unscheinbar, um Feindbild zu sein.)

Aber all das ginge ja noch. Die eigentliche Dramatik zeigt sich erst im Detail. Die 39 Kriterien, die zu den Top Ten führten, sind ein Hohn! «Entsorgung». Pah! Wer nach der Fasnacht an Altglascontainern vorbei ging, weiss, wie es um die Entsorgung steht: Haufenweise Müll lag herum – und zwar nicht nur in den Scherbenvierteln im Kleinbasel, sondern auch im 4051.

Illegal entsorgter Müll! Müll, der kein Glas ist und keine Batterie! Da sieht es in Neapel besser aus. Und wo bleibt Neapel im Ranking? Voilà!

Dann: «öV»! In Basel gibt es keinen grösseren Feind. Die Lädeli sterben vor sich hin, während die Stadt (Wessels!) den Takt des 8er-Trams nach Weil sogar noch verdichtet. (Er will wahrscheinlich billige Wohnungen in die leeren Läden und die Hauptpost bauen und damit erreichen, dass Basel nächstes Jahr auch beim Punkt «Wohnen» gut abschneidet und Zürich den Rang abläuft. Dabei denkt er natürlich keine Sekunde an die Wirtschaft, dieser Sozi!)

Irren ist menschlich, manchmal

Und wenn wir schon dabei sind: «Politische Stabilität» wurde ebenfalls bewertet. Dieser Punkt ist der finale Beweis, dass bei den Ranking-Machern im Oberstübli etwas nicht stimmen kann. Basel ist so stabil, dass es weh tut.

Wo ist die SVP, wenn man sie braucht? Warum hat es der smarte Querdenker, der eloquente Staatsmann Nägelin nicht geschafft? Weil seine Wähler vergrault werden! Ins Baselbiet! Und jene Wähler, die noch da sind, glauben, was die stabile rotgrüne Brut predigt: Basel habe super öV, tolle Spitäler, geniale Unis, bis auf ein paar Morde kaum Kriminalität, vegane Elefantengehege, Türme, Foodtrucks, Baustellen, Schyssdräggziigli.

Unterwegs mit dem Schyssdräggziigli der Grossräte

Unterwegs mit dem Schyssdräggziigli der Grossräte

Die Basler glauben das wirklich und sind sogar stolz, dass ihre Stadt erstmals überhaupt in diesem 231-Grossstädte-Ranking vorkommt.

Natürlich fragt sich kein Schwein, wer die Leute sind, die bestimmen, wo es sich gut lebt. Diese Ignoranz ist ein Fehler: Die echten Basler haben nämlich nichts zu melden. Es sind Expats, die entscheiden! Sie wurden befragt – und waren begeistert.

Wen wunderts? Bei der Erlenmatte, wo sie alle leben, gibt es kein Tram, das Millionen Leute nach Deutschland hievt – und selbst wenn: Der Novartis, wo sie alle arbeiten, wäre das wurscht, ihre Medis sind auch in Weil teuer. Kriminalität gibt es, mit Ausnahme des jüngsten Doppelmordes, kaum.

Und wer einen SUV fährt, braucht sich weder vor Kistenvelos noch vor Parkplatzmangel zu fürchten, da alle erdbebensicheren Neubauwohnungen über Tiefgaragenplätze verfügen. Von der Regierung kennen sie nur Eva Herzog, die es gut mit ihnen meint.

Und wenn sie Wessels lachend am Rhein sehen, meinen sie, das sei ein typischer Basler! So kann man sich irren.

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Autorin

Martina Rutschmann

Martina Rutschmann

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