ICE-Entgleisung

Basel ist ein Nadelöhr: Bei Störungen könnte das Herzstück Flexibilität schaffen

Am Sonntagabend entgleiste schon wieder ein ICE-Zug der Deutschen Bahn auf Basler Gleisen. Gerade bei solchen Unfällen zeigt sich, dass Basel ein Nadelöhr ist. Hier könnte das Herzstück helfen, die Situation schnell zu beheben.

Schon wieder entgleist auf einer Zugstrecke vor Basel ein Zug. Und schon wieder ist es ein ICE der Deutschen Bahn. Die Gründe dafür, dass der Inter-City-Express am Sonntagabend auf der Strecke Badischer Bahnhof–Bahnhof SBB derart neben der Spur war, sind laut den Schweizerischen Bundesbahnen noch nicht bekannt.

Dass der Vorfall in einem Zusammenhang steht mit den «Problemweichen», die unlängst schon in Basel, Luzern und Bern Züge auf die falsche Bahn gebracht hatten, können die SBB aber ausschliessen. «Es handelt sich nicht einmal um den selben Weichentyp», weiss SBB-Medienbeauftragter Daniele Pallecchi.

Fest steht jedoch: Der ICE ist ein Wiederholungstäter, der dem Begriff Doppelspurigkeit eine völlig neue Definition verleiht. Nachdem er am Sonntag um 20.50 Uhr die Weiche etwa 800 Meter vor der Brücke der Gellertstrasse passiert hat, entschliesst er sich kurzerhand, das Gleis zu wechseln. Dabei hat er wohl eher aus dem Bauch heraus entschieden, denn seinen Kopf lässt er auf der ursprünglichen Bahn.

Zugentgleisung in Basel: War es eine Weiche?

Zugentgleisung in Basel: War es eine Weiche?

Das sagte SBB-Mediensprecher Raffael Hirt am Montag zu dieser These.

Der erste Personenwagen hängt als einziges Verbindungsstück der beiden Zugteile schräg zwischen den Spuren und sammelt allmählich einen Schotterberg an. So fährt der ICE eine Weile zweigleisig. Knapp 15 Meter vor dem Brückenpfeiler besinnt er sich, verwirft seine Idee und stoppt.

Glück im Unglück

Auch zur Beschädigung der Gleisanlagen können die SBB noch keine detaillierten Angaben machen. «Es gab Schäden an der Sicherheits- und an der Gleisanlage, die Fahrleitung blieb unbehelligt», sagte Einsatzleiter Martin Spichale vor Ort an einem «Point de Presse». Und: «Wir können von Glück sprechen, dass der Zug kurz vor dem Mittelpfeiler der Unterführung zum Stehen gekommen ist.»

Verletzte habe es keine gegeben. Nach dem Stillstand mussten alle Passagiere evakuiert werden. Die Evakuierung sei für die Fahrgäste zu keinem Zeitpunkt gefährlich gewesen, so Spichale. Unklar sei, bis wann die Verbindungsstrecke zwischen den beiden Bahnhöfen gesperrt bleiben wird.

Zugentgleisung in Basel

«Wir haben den Zug getrennt und mithilfe eines Schienenkrans aufgegleist»: SBB-Einsatzleiter Martin Spichale gab den Medien am Montagvormittag auf der Unfallstelle Auskunft.

Der Zug wurde mittels eines Schienenkrans zurück aufs Gleis gehoben. Er werde in absehbarer Zeit zum Badischen Bahnhof abgeschleppt, so Spichale. «Im besten Fall kann die Strecke morgen Dienstag wieder befahren werden.» Er könne nicht ausschliessen, dass die gesamte Strecke sogar erst am Mittwoch wieder geöffnet werden könne, sagt SBB-Mediensprecher Raffael Hirt.

Nach dem Unfall kamen Reisende auf direkten Zugverbindungen zwischen der Schweiz und Deutschland in den Genuss einer unfreiwilligen Sightseeing-Tour: Sie waren gezwungen, die Strecke zwischen den beiden Bahnhöfen mit dem Tram oder per Bus zurückzulegen.

Mittlerweile bieten die SBB eine Shuttlezug-Alternative in beide Richtungen an. Bei dieser müssen Fahrgäste jedoch mit einer um etwa 15 Minuten verlängerten Reisezeit rechnen. Die Anschlüsse im Badischen Bahnhof sind nicht gewährleistet.

Der Güterzugverkehr ist vom Unfall nicht betroffen, denn dieser führt über eine parallel verlaufende, separate Gleisanlage.

Herzstück könnte die Lösung sein

Ein Ausweichen der Personenzüge auf das Gütergleis sei aber keine Option, schreibt Medienbeauftragter Daniele Pallecchi. «Dadurch entfiele der Halt in Basel SBB, wodurch dort kein Aus- oder Zustieg möglich wäre. Zudem braucht man für das Gütergleis Lokführer mit entsprechenden Streckenkenntnissen.» Ausserdem könnte die dicht befahrene Güterstrecke wohl kaum noch Personenzüge bewältigen.

Mit dem Herzstück einer S-Bahn wäre alles kein Problem. Zwar gebe es noch keine definitive Variante, eine solche würde aber durch eine zusätzliche Verbindung zwischen den Bahnhöfen betriebliche Flexibilität schaffen, sagt Pallecchi. «Aktuell ist es nicht geplant, auch den internationalen Fernverkehr durch das Herzstück zu führen.» Ob das in Ereignisfällen wie diesem sinnvoll und möglich sei, solle in Zukunft geklärt werden.

 

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