Vaterschaftsurlaub
Basel ist grosszügig zu Vätern – wer für die Gemeinden arbeitet, hat weniger Glück

Der Kanton Basel-Stadt gewährt frisch gebackenen Vätern einen Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen. Damit ist Basel im Verhältnis grosszügig. Wer aber für die Gemeinden arbeitet, hat weiterhin das Nachsehen.

Benjamin Rosch
Drucken
Teilen
Das Gesetz kennt keinen Vaterschaftsurlaub.

Das Gesetz kennt keinen Vaterschaftsurlaub.

Thinkstock

Gesetzlich steht Vätern für die Geburt ihres Kindes gar nichts zu. Das Bundesrecht regelt keine Ferien bei einer Vaterschaft, auch wenn viele Firmen ihren Angestellten zusätzliche Urlaubstage gewähren.

Zu den vergleichsweise grosszügigen Arbeitgebern gehört oft der Staat. Der Bund, aber auch die Kantone Bern, Wallis und Genf erlauben frischen Vätern eine Absenz von zehn Tagen. Auch Basel-Stadt reiht sich in diese Liste; entgegenkommender zeigt sich nur noch der Jura. Baselland bewegt sich mit fünf Tagen im Mittelfeld der Restschweiz. Am knausrigsten ist Obwalden mit einem einzigen Freitag.

Selbst im Städtevergleich schneidet Basel ziemlich gut ab, bewegt sich gemeinsam mit Zürich, Freiburg und Winterthur im vorderen Drittel. Die Ratslinke, angeführt von der damaligen Grossrätin Elisabeth Ackermann, wollte vor rund zwei Jahren sogar zwanzig bezahlte Urlaubstage für Kantonsangestellte einführen. Weil gleich sieben Grossräte der SP mit Abwesenheit glänzten, scheiterte das Unterfangen jedoch letztlich.

Bürgerspital im Hintertreffen

Wer allerdings für eine Gemeinde arbeitet, hat das Nachsehen. Vätern der Basler Bürgergemeinde stehen etwa nur fünf Urlaubstage zu. Am häufigsten trifft es Mitarbeiter des Bürgerspitals. Im vergangenen Jahr durften sich dort 14 Männer über Nachwuchs freuen. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Antwort des Bürgerrates auf einen Vorstoss im Bürgergemeinderat hervor.

Der Auftrag strebte eine Gleichberechtigung zwischen Kantons- und Bürgergemeindeangestellten an. Zum wiederholten Mal, und zum wiederholten Mal erfolglos. Dies bedeutet: Mit ihrem Personalreglement stehen etwa die Mitarbeiter des Bürgerspitals schlechter da als jene des inzwischen ausgelagerten Universitätsspitals. Auch die Riehener Gemeindeangestellten müssen weiterhin darauf hoffen, dass ihnen in Zukunft einmal mehr Zeit mit ihrem Neugeborenen bleibt. Die EVP hatte im Frühling vor einem Jahr eine Ausdehnung von fünf auf zehn Tage Vaterschaftsurlaub verlangt und unterlag damit im Einwohnerrat relativ knapp.

In der Basler Privatwirtschaft gibt es hingegen verschiedene Pioniere. Naturgemäss sind es eher die grossen Betriebe, die ihren Mitarbeitern solche Vorzüge leisten. Clariant kennt einen Vaterschaftsurlaub von 16 Tagen, Coop seit einem neuen Gesamtarbeitsvertrag auch 15. Bei den Pharma-Multis Roche, Novartis und Syngenta sind es sechs, bei der Swiss zehn. Kürzlich den Vaterschaftsurlaub ausgebaut hat auch Bell, immerhin auf fünf Tage.

Voraussichtlich im November, spätestens aber nächstes Jahr wird das Schweizer Stimmvolk über eine einheitliche Regelung befinden: Eine Volksinitiative fordert einen gesetzlichen Mindesturlaub in der Höhe von 20 Tagen. Diese will auch der Basler Bürgerrat abwarten, bevor er sein Personalreglement anpasst, wie aus dessen Begründung hervorgeht.

Aktuelle Nachrichten