Der internationale Kleiderladen, das grosse Warenhaus oder der Lieblings-Onlineshop: Egal, welcher Anbieter es ist, fast alle werben mit dem Black Friday. Heisst: Am heutigen Freitag gibt es auf sämtliche Produkte massiv Rabatt – von 20 bis teilweise bis zu 50 Prozent. Die Aktion gilt für diesen einen Freitag im Jahr, den vierten im Monat November. Das einfache Ziel: Er soll Shoppingwütige in die heimischen Läden locken.

Diese Tradition fand im Amerika der 1930er-Jahre ihren Ursprung. Seither öffnen jeweils am Freitag nach Thanksgiving die Läden früher und schliessen später, damit so lange wie möglich von den grossen Preisreduktionen profitiert werden kann. Während in Amerika regelrechte Kämpfe um die grössten Schnäppchen ausbrechen und diverse treue Shopper bereits in der Nacht auf Freitag vor den Läden campieren, ist der Trend lange nicht wirklich in der Schweiz angekommen. Bis jetzt. War es letztes Jahr nur die Manor, werben dieses Jahr unzählige Läden in der Basler Innenstadt mit grossen Black-Friday-Plakaten. «Es ist tatsächlich so, dass es dieses Jahr einen Black-Friday-Boom gibt», bestätigt auch Matthias Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt.

Keine offizielle Regulierung

Der Black Friday ist nicht der erste Trend aus Amerika, der sich bei uns durchsetzt. Halloween oder die Art, wie wir heute Weihnachten feiern, wurden ebenfalls von den USA nach Europa und nicht zuletzt in die Schweiz gebracht. Was als Bereicherung angesehen werden kann, sieht Böhm etwas differenziert: «Wenn Trends – primär aus Amerika – zu uns überschwappen, gibt es immer zwei Seiten. Es ist nicht per se gut.» Weil es immer Leute gebe, die das Gefühl haben, dass sie das nachmachen müssten, und danach alle nachziehen wollen, «kommt man aus solchen Geschichten nur schwer wieder raus». Das beste Beispiel dafür sei die Entwicklung der Rabattschlachten: Gab es früher nur jeweils im Januar und Juli den grossen Ausverkauf in den Geschäften, ist dies heute nicht mehr geregelt.

Und Regeln gibt es auch beim Black Friday keine. Jedes Geschäft kann machen, was es will, braucht keine Bewilligung dazu. Die Manor war letztes Jahr der erste grosse Anbieter – und bewies damit einen guten Riecher. «Das war marketingtechnisch sicher ein guter Entscheid», sagt auch Böhm. Dies belegen nicht zuletzt die Zahlen von Manor. 50 Prozent mehr Besucherfrequenz und dreifacher Umsatz gegenüber einem vergleichbaren Freitag verzeichnete das Warenhaus am letztjährigen Black Friday. «Damals waren sie die Einzigen, die das gemacht haben. Jetzt, da alle Anderen auf den Trend aufgesprungen sind, dürfte der Mehrwert aber auch bei der Manor geringer ausfallen», prognostiziert Böhm, der ganz klar mit dieser Entwicklung gerechnet hat. Denn: «Die Anderen können ja nicht einfach zuschauen. Man ist fast schon die Ausnahme, wenn man nicht mitmacht.» Daher sei es auch verständlich, dass die Basler Läden auf den Trend aufgesprungen sind. «Wir von Pro Innerstadt Basel sind nicht die, die urteilen sollten. Wir können nicht für die freie Marktwirtschaft plädieren und gleichzeitig alles regulieren wollen.»

Die Frage nach dem Sinn

Dennoch zeigt sich Böhm kritisch gegenüber dem neusten Trend, der nun auch definitiv in Basel angekommen ist. «Prinzipiell ist der Black Friday eine Rabattschlacht schon vor Weihnachten. Und da stellt sich die Frage, ob das Sinn macht. Denn Rabatt ist nicht gleich Mehrwert; oder nicht in erster Linie. Daher darf man das durchaus kritisch betrachten, auch für den Nutzer.» Der Hype sei momentan legitim, längerfristig aber fragwürdig und kaum gesund. «Denn irgendwann muss sich der Markt auch selber wieder regulieren.» Daher hofft Böhm schon fast auf den natürlichen Verlauf eines Trends, sprich, dass dieser sich kurz- oder langfristig totläuft. Vergleichbar sei dies mit Pokémon Go oder mit der Mannequin-Challenge, die momentan viral geht. «Wenn der Dritte oder Vierte das gemacht hat, ist es irgendwann nicht mehr wirklich interessant. Beim Black-Friday-Hype gehe ich aber davon aus, dass es tendenziell eher lange gehen wird, bis sich das totläuft.»

Selbst wenn dies irgendwann der Fall sein sollte, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der nächste Shopping-Trend zu uns hinüberschwappt: der «Singles Day». Der – dieses Mal aus Asien – stammende Trend findet jeweils am 11.11. statt, weil die Zahl 1 einen Single symbolisieren soll. Der Tag wurde von den chinesischen Online-Händlern ins Leben gerufen, weil das übermässige Shoppen die Singles über die Einsamkeit hinweg trösten soll.