Brockenstuben
Basel ist im Umräumfieber: Second Hand boomt während der Krise

Dass momentan jedes Mittel zum Zeitvertreib recht ist, spüren Brockenstuben und Möbelfachhändler.

Deborah Gonzalez
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In den Brockenstuben herrscht Hochbetrieb – manche verfügen einen Annahme-Stopp.

In den Brockenstuben herrscht Hochbetrieb – manche verfügen einen Annahme-Stopp.

bz-Archiv/niz

Wenn Corona etwas neben Angst, Ungewissheit und Sorgen mit sich gebracht hat, dann ist es massenhaft Zeit. Die Läden schliessen früher als gewohnt, die Gastronomie macht gar nicht erst auf, und die meisten Freizeitaktivitäten dürfen nicht stattfinden. Auch Freunde und Familie treffen ist leichter gesagt als getan. Was einem also bleibt, sind Homeoffice, Netflix, Homeworkout – und ganz viel freie Stunden. Etwas, womit der eine oder andere nur wenig anzufangen weiss.

Wie so oft hat das Internet eine Lösung parat: Denn scrollt man durch die beliebte Fotoplattform Instagram, bahnt sich schon seit einigen Monaten ein Trend an, dem die Menschen in der Region Basel nur zu gerne zu folgen scheinen: die eigenen vier Wände neu erfinden. Umräumen, ausmisten, umdekorieren, umbauen, aufräumen, Platz schaffen. Eines haben diese verschiedenen Arten von Zeitvertreib gemeinsam: Sie hinterlassen viele Dinge, die man nun nicht mehr gebrauchen kann. Statt die übrig gebliebenen Möbel, Dekoartikel und Kleidungsstücke zu entsorgen, entscheiden sich viele dafür, diese zum nächsten Brocki oder in den Secondhandshop zu bringen.

Händler beklagen sich über Billigware

Eine Zunahme, welche die Läden spüren. Der Kundenfluss ist in Zeiten von Corona unaufhörlich rege, wie eine Verkäuferin des Brockis auf dem Wolf bestätigt: «Momentan haben wir es sehr streng. Manchmal können wir es fast nicht stemmen, weil die Halle einfach zu voll wird.» Wenn dieser Fall eintrete, könne es sehr gut sein, dass nicht alle Waren angenommen würden.

Ähnlich sieht es auch in der Basler Brockifiliale der Heilsarmee aus: «Im Moment wird vor allem sehr viel gespendet, von Kleidern und Haushaltsartikeln über alte Weihnachtsdekoration», lässt die Pressestelle verlauten. Aber auch Secondhandshops, die sich auf Kleidung spezialisieren, haben die Tage viel zu tun. «Es kommt einem vor, als ob alle ihre ganzen Kästen durchsuchen. So nach dem Motto: ‹Jetzt habe ich mal Zeit, räume auf und schaue, dass ich Geld bekomme›», erzählt die Verkäuferin in einem solchen Shop. Vor allem Billigware sei unter den Spenden. «Die Leute haben das Gefühl, dass sie alles bringen können», zeigt sie sich genervt von dem Trend.

Ähnlich tönt es bei «Designer Second Hand Basel by Franziska Schäfer». Die Inhaberin erklärt: «Zum Teil kommen sie mit ganzen Koffern. Wir wurden regelrecht überflutet mit Ware.» Sie könne bei weitem nicht alles annehmen, vieles müsse abgelehnt werden. Auffallend sei, welche Ware die Kundinnen und Kunden mehrheitlich loswerden wollen: «Je länger die Homeofficephase geht, desto mehr trennen sich die Leute von ihrer Businesskleidung. Ein Kunde hat uns 30 massgeschneiderte Anzüge gebracht.» Die Kunden würden jetzt vor allem auf legere Kleidung wie Sneakers und Jogginganzüge setzen. «In dieser Zeit ist casual für die Couch angesagt.»

Homeofficeartikel sind angesagter denn je

Aber nicht nur der Ankauf von Ware boomt. Auch die Möbel- und Dekorationshäuser haben derzeit viel Arbeit. Vor allem der Bereich Homeoffice sei gefragt, heisst es von Seiten des Möbelhandels. «Wir spüren, dass die Menschen die Wohnung oder das Haus intensiver nutzen – privat und für die Arbeit – und sich bewusst damit auseinandersetzen», sagt Alfredo Schilirò, Sprecher von Möbel Pfister. Die erhöhte Nachfrage ziehe sich durch das ganze Sortiment. Schreibtischstühle und -pulte, aber auch Küchenmöbel seien derzeit am gefragtesten.

Ähnlich sieht es bei Wohnbedarf AG Basel aus. «Die Leute wollen zu Hause ein Wohlgefühl hinkriegen», sagt Verkaufsleiterin Valérie Scharff. Die Nachfrage nach dieser Art Möbel sei so gross, dass sie in der Basler Filiale kürzlich sogar extra ein Schaufenster rund ums Thema Homeoffice konzipiert hätten. Beim Kauf sei ihren Kunden aber vor allem die Atmosphäre, die sie zu Hause haben möchten, wichtig. «Immerhin sitzt man jetzt im schlimmsten Fall 24 Stunden zu Hause – da sollte man sich schon wohlfühlen.»