Die Mehrheit der Baslerinnen und Basler sind Mieter. Basel-Stadt hat sogar den höchsten Mieteranteil in der Schweiz. Knapp 70'000 Mieter stehen hier 15'000 Menschen gegenüber, die in ihren eigenen vier Wänden wohnen. Dazu kommen 10'000 Genossenschafter.

Die Basler zahlten im Februar 2017 100 bis 200 Franken höhere Nettomieten als zehn Jahre früher. In einzelnen Kategorien ist die Preisspirale eklatanter: Bezahlte man 2007 für eine neuwertige 1-Zimmer-Wohnung im Schnitt 710 Franken, waren es im Februar 2017 1218 Franken. Für neue 4-Zimmer-Wohnungen zahlte man laut dem Statistischen Amt 2017 monatlich 500 Franken mehr.

Der Basler Mieterverband engagiert sich politisch und mittels Sammelklagen bei Massensanierungen und -kündigungen gegen diese Entwicklung.

Grosse private Immobilienverwalter wollten auf die Praxis des Mieterverbands gegenüber der bz aber ebenso wenig eingehen wie Immobilien Basel-Stadt, welche die Wohnungen im Kantonsbesitz und jene der Pensionskasse Basel-Stadt verwaltet.

Zum Engagement für bezahlbaren Wohnraum äusserte sich Sprecherin Barbara Neidhart dafür umfassend: Man sei sich der Problematik bewusst. «Der Erwerb von Liegenschaften ist schwierig im aktuell ausgetrockneten Markt. Wirksamer als der Kauf einzelner Liegenschaften ist die Entwicklung von grösseren Arealen», sagt Neidhart. Sie weist auch auf die begrenzten Möglichkeiten hin: «Trotz des langjährigen Engagements sind wir uns bewusst, dass nicht der Kanton allein den Wohnungsmarkt regeln kann.»

Staat nur für «wirklich Bedürftige»

Auch Andreas Zappalà, Geschäftsleiter des Basler Hauseigentümerverbands und FDP-Grossrat, anerkennt die steigenden Mieten. Er hält weitere Mietzinsregulierungen trotzdem für falsch. Es sei «Sache des Gemeinwesens, den wirklich Bedürftigen» günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus müsse der Markt spielen.

Zappalà begegnete dem Mieterverband auch im Zusammenhang mit den Sammelklagen. «Als ehemaliges Kommissionsmitglied der Mietschlichtungsstelle blieb bei mir immer eine Unsicherheit, inwiefern sich manche Mieter einfach als Mitläufer an Sammelklagen beteiligten. Andererseits macht es aus Mietersicht natürlich auch Sinn: Alle profitieren, wenn auf ihre Forderungen eingegangen wird.»

Laut Mieterverband sei man vorsichtig und dränge niemanden in eine Sammelklage. Von 3000 vertretenen Mietern haben sich in 13 Jahren drei beschwert. «Sowohl als Vorstandsmitglied als auch in Beratungen als Mieterin bin ich sehr zufrieden mit der Arbeit des Mieterverbands. Dass der Mieterverband manchmal angriffig auftritt, gehört dazu», sagt Basta-Grossrätin Tonja Zürcher. Wäre man immer nett, könne man die Interessen der Mieter nicht gegen die Hauseigentümer verteidigen.

Im Kanton leben aber auch 400 Menschen ohne eigene Wohnung. Sie alle haben ihre offizielle Adresse beim Verein für Gassenarbeit «Schwarzer Peter». Werden sie in der Auseinandersetzung um das Mittelstandsanliegen «Mietpreisspirale» noch stärker an den Rand gedrängt?

Michel Steiner vom «Schwarzen Peter» winkt ab: «Ich bin Mitglied im Mieterverband und nehme ihn als aktiv und kämpferisch wahr. In Einzelfällen konnten wir via unserer Mitgliedschaft als Schwarzer Peter Klienten für Beratungen beim Mieterverband vermitteln.»

Eventuell gebe es nach den Abstimmungen im Juni die Möglichkeit, diese Beratungszusammenarbeit zu intensivieren. «Bisher arbeiteten wir vor allem in der Vorbereitungen der vier Initiativen zusammen.»

Im Juni wird über diese Initiativen abgestimmt: Die Wohnschutz-Initiative und «Recht auf Wohnen» sollen Verdrängung aus Wohnung, Quartier und Stadt nachhaltig eindämmen. «Mieterschutz beim Einzug» soll die Mietpreisspirale und «Mieterschutz am Gericht» die finanziellen Risiken in Mietkonflikten verringern.