Studie

Basel ist weltweit eine der besten Städte für Autofahrer

Staugeplagte Basler Autofahrer wie am Wasgenring können sich trösten: In vielen anderen Städten dieser Welt ist das Verkehrsaufkommen noch grösser.

Staugeplagte Basler Autofahrer wie am Wasgenring können sich trösten: In vielen anderen Städten dieser Welt ist das Verkehrsaufkommen noch grösser.

Eine neue Studie zeigt: Wir stehen nicht viel im Stau und bezahlen wenig fürs Parkieren und Tanken. In den Augen von Marcel Greif, Geschäftsführer der Basler Sektion des Schweizer Automobil Clubs, sagen die angewandten Beurteilungskriterien jedoch nicht viel über die Autofreundlichkeit einer Stadt aus.

Ausgerechnet das rot-grün dominierte Basel ist für die Autofahrer eines der weltweit angenehmsten Pflaster. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des grössten deutschen Autoteile-Händlers «kfzteile24» mit Sitz in Berlin. In der Studie wurden die weltweit 100 Städte mit der grössten Anzahl vergleichbarer Verkehrsdaten untersucht. Basel erreichte den fünften Rang. Nur Düsseldorf, Dubai, Zürich und Tokio schnitten in dieser Reihenfolge besser ab. Am schlimmsten sind die Autofahrer in der grössten nigerianischen Stadt Lagos (Rang 98), im pakistanischen Karachi (99.) und im indischen Kalkutta (100.) dran.

«Kfzteile24» wandte beim Ranking zehn Kriterien an; Unter anderem wurden die Treibstoffkosten bei den lokalen Tankstellen, die Verletzten im Strassenverkehr sowie die Strassenqualität berücksichtigt. Mit 30 Prozent am stärksten fallen das Verkehrsaufkommen sowie Verzögerungen durch Stau und stockender Verkehr ins Gewicht. Die Studienautoren berufen sich dabei auf den Verkehrsindex des Navigationssystemherstellers TomTom. Für die Staugeplagten, die zu den Stosszeiten an der Nauenstrasse, der Nordtangente oder beim Aeschenplatz stehen, dürfte die Klassierung Basels in den Top 5 eine Überraschung sein. Für Stéphanie Fuchs ist sie es nicht. Die Geschäftsführerin der Basler Sektion des Verkehrsclubs der Schweiz hält Basel schon seit längerem für eine «äusserst autofreundliche Stadt».

Insbesondere seien die Parkgebühren tiefer als in anderen Städten. «Die Anwohnerparkkarte kostet fast nichts; ebenfalls günstig sind die Pendler- und Tageskarten.» Die «Kfzteile24»-Studie zeigt zudem, dass die Parkhausgebühren in Basel niedriger sind als in den Schweizer Städten Zürich, Bern und Genf. Der grösste Unterschied klafft zwischen Basel (2,42 Franken pro Stunde) und Zürich, wo über als ein Franken mehr bezahlt wird. Weltweit am teuersten ist das Parkieren in New York; hier muss man für eine Stunde im Schnitt über 26 Franken hinblättern. Fuchs wundert sich nicht über die im weltweiten Vergleich tiefen Preise. «Hier in Basel gibt es Parkhäuser, die stehen halb leer. Ich verstehe das ganze Gezeter nicht, dass es keine Parkiermöglichkeiten gibt.» Die gebürtige Solothurnerin sagt, Basel habe schon seit jeher zu Unrecht den Ruf, autofeindlich zu sein. «Früher hiess es bei uns in Solothurn immer: Nach Zürich musst du mit dem Zug gehen. Nach Basel kannst du das Auto nehmen.»

Kaum Aggressionspotenzial

Seitens der Autolobby stösst der Städtevergleich auf Kritik. Marcel Greif, Geschäftsführer der Basler Sektion des Schweizer Automobil Clubs, wetterte am Donnerstag in der «Basler Zeitung» über die «verfehlte Verkehrspolitik» der Basler Regierung. In seiner Kolumne verschaffte er seinem Unmut Luft. Seitdem die Stimmbevölkerung 2010 dem Gegenvorschlag zur Städteinitiative und der damit verbundenen Forderung nach einer Senkung des motorisierten Individualverkehrs zugestimmt habe, würde die Regierung stets dreister und radikaler im Umgang mit den Autofahrern. «Egal ob es um Parkplatzabbau oder -verteuerung, um Dosierstellen oder Rotlichtanlagen, um Spurreduktionen oder Tempo 30 auf Ringstrassen oder sonstige Behinderungen des motorisierten Verkehrs geht: Stets werden Argumente wie Wohnumfeldaufwertung, Lärmminderung, insbesondere auch die Hebung der Verkehrssicherheit und die Verbesserung der Luftqualität ins Feld geführt», schreibt Greif. Er ist der Meinung, dass die ausgewählten Kriterien der neuen Studie Basel zu vorteilhaft erscheinen liessen. «Einerseits wurden für die Bewertung mehrheitlich Beurteilungskriterien wie «Luftverschmutzung», «Verletzte im Strassenverkehr», «Strassenqualität» und (...) «Treibstoffkosten» berücksichtigt, bei denen Basel im weltweiten Vergleich zweifellos mustergültig dasteht.» In seinen Augen sagen diese jedoch nicht viel über die Autofreundlichkeit einer Stadt aus. Zudem müsse man sich die Frage stellen, ob Basel-Stadt mit Millionenstädten wie Mexiko-City oder Tokio verglichen werden könne.

Unterschiedlicher könnten die Beurteilungen der Velo- und Autolobby nicht sein. Fuchs stellt sich auf den Standpunkt, dass die Basler Regierung alles andere als rot-grün sei, wenn es um die Velofahrer gehe. «Sie hätte die Kompetenzen, um Velospuren und Tempo-30-Zonen zu schaffen – macht das aber kaum je.» Dass Basel den Namen «Velostadt» habe, liege wohl an der hohen Anzahl Velofahrer – bestimmt nicht am guten Velonetz.
Über ein Kriterium dürften sich aber sowohl Stéphanie Fuchs als auch Christian Greif freuen.

Basel ist gemäss Studie weltweit diejenige Stadt mit dem dritttiefsten Aggressionspotenzial im Strassenverkehr. Die Studienautoren befragten in jeder Stadt 1000 Autofahrer, ob sie in den letzten zwölf Monaten Aggressionen erlebt hatten. Noch weniger aggressiv sind die Autofahrer nur in Helsinki und Bordeaux, während das Autofahren auf den Strassen St. Petersburgs ziemlich anstrengend sein dürfte. Hier herrscht weltweit das grösste Aggressionspotenzial auf den Strassen.

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