Jeden Tag rollen über 110 000 Autos auf der Autobahn durch Zürich Schwamendingen. Eine ähnliche Blechkolonne wälzt sich täglich auf der Osttangente durch Basel. Hier wie dort leidet die Bevölkerung in den angrenzenden Quartieren unter der hohen Lärm- und Feinstaubbelastung.

In Zürich plant das Bundesamt für Strassen (Astra) gemeinsam mit Stadt und Kanton Zürich eine Einhausung auf 940 Metern Länge, die den Lärm schlucken soll. Das Prunkstück wird der Ueberlandpark auf der sieben Meter hohen Konstruktion sein. Dort ist eine begrünte Fläche mit Wegen, Lampen und Sitzbänken geplant. Erreichbar wird der Park über Rampen, Treppen und Lifte. Die Aussenwände der Einhausung werden ebenfalls begrünt. Entlang der Betonwurst sollen ausserdem Fuss- und Velowege entstehen, die an das städtische Wegnetz anschliessen. Ein Infoblatt preist das Projekt als schweizweit einzigartig an. Kostenpunkt der Einhausung: 298 Millionen Franken. Davon berappt das Astra 56 Prozent.

Die Anwohner entlang der Basler Osttangente können von einem solchen Lärmschutz nur träumen. Das Problem sieht Kantonsingenieur Roger Reinauer bei den Kosten. Allein der Bau der Überdeckung im Gebiet Gellert würde rund 560 Millionen Franken kosten – Belüftung, Strom und Einrichtungen für die Tunnelsicherheit nicht eingerechnet. «Eine Begrünung sähe sicher ansprechend aus, die Kosten wären aber im Vergleich zum Nutzen immens», sagt Reinauer.

Wieso Basel teurer wäre als Zürich

Dass die Gellert-Überdeckung trotz kürzerer Länge – Reinauer schätzt sie auf 300 Meter – teurer käme als die Einhausung in Schwamendingen, hat laut dem Kantonsingenieur folgenden Grund: In Zürich verläuft die Autobahn auf einer Ebene. In Basel hingegen erstrecken sich die Autospuren und Bahnlinien auf unterschiedlichen Niveaus. Das würde unter anderem teure hohe Stützelemente nötig machen.

Ob begrünt oder nicht – Reinauer hält generell nichts von einer Gellert-Überdeckung oder einer vollständigen Einhausung im Bereich Breite: «Wir wollen keine weiteren passiven Lärmschutzmassnahmen. Wenn, dann sollen es aktive sein.» Er spricht damit den Rheintunnel an, der ab 2035 die Osttangente entlasten soll.

So lange wollen die Anwohner nicht warten. Letzte Woche überreichten zwei Organisationen dem Grossen Rat eine Petition mit 3500 Unterschriften, in der sie einen sofortigen und umfassenden Lärmschutz entlang der Osttangente fordern. Unter anderem die Gellert-Überdeckung und die vollständige Einhausung in der Breite bis und mit Schwarzwaldbrücke.

Das wäre die bessere Lösung als die «Pflästerlipolitik» des Kantons, sagt Daniel Seiler, Präsident des Quartiervereins und der FDP Kleinbasel. Der Kanton plant zusammen mit dem Astra eigene, weniger weitreichende Lärmsanierungen, die bis 2023 umgesetzt sein sollen. Eine grüne Aufwertung wie in Schwamendingen brächte einen weiteren, willkommenen Mehrwert, findet Seiler.

Begrünungen haben für Oswald Inglin zweite Priorität: «Am wichtigsten erscheint mir, dass möglichst schnell möglichst viel Lärm reduziert wird», sagt der CVP-Grossrat. Einfach und schnell sei dies zu haben, indem die bestehende Einhausung in der Breite vervollständigt und auf Kleinbasler Seite die Lärmschutzwände bis mindestens zur Brücke gezogen würden. Der Part in der Breite kostete laut Reinauer rund 43 Millionen Franken. Für den Kantonsingenieur ist das keine Option. Der Grund ist städtebaulicher Natur: «Die Anwohner hätten statt einer zwei bis drei Meter hohen Mauer eine von mindestens siebeneinhalb Metern Höhe vor der Haustüre.» Reinauer anerkennt, dass einige Anwohner das zugunsten des Lärmschutzes vermutlich hinnähmen. Aber: «In Gesprächen gab es auch Stimmen, die sich gegen eine solche chinesische Mauer aussprachen», so Reinauer.

Während die Anwohner der Osttangente noch so manchen Wagen krachmachend die Autobahn rauf- und runterbrettern hören werden, ist für die Schwamendinger das Ende absehbar: 2018/2019 sollen die Bauarbeiten beginnen und sechs Jahre später fertig sein.