Im engen Stadtkanton Basel trifft dieser Denkanstoss auf offene Ohren. «Das ist auch für Basel ein Thema, und wenn es Sinn macht, planen wir auch im Untergrund», sagt Susanne Fischer, Leiterin der Abteilung Raumentwicklung beim Basler Planungsamt. Sie ist überzeugt, dass neben der Verdichtung in die Höhe sich die Raumplanung künftig stärker mit dem Untergrund beschäftigen muss.

Allerdings sei der Gedanke daran, was unter der Oberfläche liege, immer ein Teil der Planung. Fischer bezieht sich bei der Aussage auf bautechnische Anforderungen wie Leitungen, ökologische Anforderungen oder die geologischen Verhältnisse.

Herzstück ist ein Beispiel

Von einer weitläufigen Nutzung des Untergrunds, wie das in einigen asiatischen Ländern diskutiert werde, sei Basel aber weit entfernt. Aus reinem Selbstzweck werde sicher nicht in die Tiefe gebaut, da dies auch wesentlich teurer sei: «Wenn es sich bei Projekten anbietet sollte geprüft werden, ob eine zusätzliche unterirdische Nutzung möglich ist.» Beispielsweise beim Aeschenparking sei eine ähnliche Doppelnutzung mit Läden und Take Aways wie beim unterirdischen Veloparking beim Bahnhof SBB möglich. Als weiteres Beispiel nennt Fischer das geplante S-Bahn Herzstück unter der Stadt. «Beim Herzstück ergeben sich zwei unterirdische S-Bahn-Stationen, bei denen in kleinerem Rahmen Einkaufsmöglichkeiten denkbar sind.»

Menschen fühlen sich nicht wohl

Unterirdisches Wohnen «geht gar nicht», sagt Fischer. Aber es sei durchaus denkbar, gewisse Infrastrukturbauten oder Arbeitsplätze unter der Erdoberfläche zu platzieren. «Zum Beispiel Kläranlagen könnten heute unterirdisch gebaut werden», sagt Fischer. Darüber wäre dann eine gewerbliche Nutzung denkbar. Bei den Arbeitsplätzen denkt Fischer an Forschungslabors, die allenfalls sogar profitieren könnten. Arbeitet eine Forschergruppe mit licht- oder erschütterungssensiblen Geräten und Materialien, sei der Untergrund ein Vorteil.

Ähnlich offen und gleichzeitig zurückhaltend gegenüber der Planung in den Boden äussert sich der oberste Stadtentwickler Thomas Kessler: «Im Einzelfall ist das eine Option, zum Beispiel beim Herzstück. Aber Projekte aus jungen Metropolen kann man nicht auf die engen und alten Schweizer Städte übertragen.» Es sei grundsätzlich keine neue Idee, in den Boden zu bauen: In den 60er-Jahren seien viele Tiefgaragen, Luftschutzkeller und Unterführungen gebaut worden. «Allerdings zeigte sich, dass sich die Menschen unter dem Boden nicht besonders wohl fühlen.»

Keine unterirdischen Quartiere

Im Hinblick auf die Planung der Basler Quartiere wird laut Kessler der Untergrund derzeit nicht als Erweiterungsmöglichkeit in Betracht gezogen. Beispielsweise für die Neuplanung des alten Hafengebiets und der Klybeckinsel: «Der Standort eignet sich nicht, schon die Fundamente der neuen Gebäude werden nah ans Grundwasser gebaut.»