Basel
Basel kommt nicht zur Ruhe: Die illegale Party zieht weitere Kreise

Nach der illegalen Party vom letzten Samstag kommt Basel nicht zur Ruhe. Die illegale Party führt zu einem Brandanschlag und zu einem Schlagabtausch unter den Jungparteien.

Nicolas Drechsler
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Nach der illegalen Party vom letzten Samstag, in deren Verlauf ein Zivilfahnder angegriffen wurde und 30 000 Franken Sachschaden entstanden, kommt Basel nicht zur Ruhe. Die Polizei hat entgegen erster Aussagen die beschlagnahmten Musikanlagen noch nicht zurückgegeben. Dies, weil sie nun als Beweismittel in einem Strafverfahren dienen.

Dieses Verfahren hat die Messe Schweiz mit ihrer Anzeige wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch ausgelöst. Klaus Mannhart, Sprecher der Basler Kantonspolizei, bestätigte weiter, dass ein 29-jähriger Schweizer für drei Monate in Untersuchungshaft genommen worden ist. Er soll es gewesen sein, der den Zivilpolizisten angegriffen hat.

In der Nacht auf Mittwoch wurde das Heck eines Polizeibootes am Rhein in Brand gesetzt. Gemäss einem Bekennerschreiben auf der links-extremen Internetplattform Indymedia als «Zeichen der Solidarität mit dem Verhafteten».

Demo am Samstag

Gemäss derselben Plattform wird am Samstagnachmittag in Basel eine Demonstration stattfinden. Polizeisprecher Mannhart bestätigt diese Information. Für die Kundgebung gegen Stadtentwicklung und für mehr Freiräume sei kein Bewilligungsgesuch eingegangen. Sie ist somit illegal. Ob die Polizei Kenntnis von weiteren Aktivitäten am Wochenende hat und wie sie sich darauf vorbereitet, wollte Mannhart nicht kommentieren.

Eine Nebenwirkung der Party ist das Zerbröseln der Allianz zwischen den Jungparteien. Diese hatten sich mühsam zusammengerauft, um gemeinsam für eine Jugendbewilligung nach Zürcher Muster einzutreten (Kasten). Damit soll es jungen Veranstaltern von Partys und anderen Events einfacher möglich sein, eine Bewilligung zu bekommen. In den letzten Tagen flogen nun via Communiqué die Fetzen, insbesondere zwischen der Jungen SVP und der Jungen SP.

Kritik an Sarah Wyss

Die JSVP pocht auf die Einhaltung der Lärmvorschriften und sämtlicher anderer Gesetze bei der Durchführung von Jugend-Anlässen. Und greift Juso-Präsidentin Sarah Wyss direkt an, die an der illegalen Party vom Samstag anwesend war: «Die JSVP BS fordert Sarah Wyss auf, sich unverzüglich von derart destruktiven Aktivitäten zu distanzieren.» Die Angegriffene wiederholt in ihrer Reaktion ihren Appell gegen Gewalt und Sachbeschädigungen an Partys im öffentlichen Raum. Sie fügt an: «Es darf aber auch nicht sein, dass eine einzige Lärmklage eine öffentliche Party sofort in die Illegalität abdriften lässt. Wer in einer Stadt, speziell in der Innenstadt wohnt, soll auch keine absolute Nachtruhe erwarten.»

Einfach machen es sich die Veranstalter der Party in ihrem Communiqué. Sie stellen sich gegen die Jugendbewilligung. Gerade die Illegalität der sogenannten «Sauvages» mache einen Teil des Freiraums aus, den sie suchen. Sie wollten sich dafür nicht beim Staat die Erlaubnis holen müssen. Und weiter: «Wir wollen festhalten, dass uns die Präsenz von Polizisten in unserer Freiheit einschränkt.» Die Präsidentin der Jungsozialisten, Sarah Wyss, bezichtigen sie der Doppelzüngigkeit. Sie habe sich das Prinzip des Teilens und Herrschens zu eigen gemacht, indem sie wie die Bürgerlichen friedliche Partygänger und Randalierer gegeneinander auszuspielen versuche. Sie selbst würden keinen Unterschied machen «zwischen guten friedlichen und bösen gewalttätigen» Besuchern ihrer Partys. Eine grosse glückliche Familie, sozusagen. Und ein schlechtes Vorzeichen für die Demonstration vom Samstag.