Vor rund einem Monat fand gar eine Demonstration mit dem Motto «Wir sind empört» statt. Die Frage, die immer wieder gestellt wird: Ist Basel für Frauen noch sicher?

Zahlen helfen nicht weiter

Behilft man sich mit Zahlen, zeigt sich, dass Basel zumindest nicht unsicherer ist als vergleichbare Orte in der Schweiz. In der Kriminalitätsstatistik wurden in Basel letztes Jahr 35 Fälle von Vergewaltigungen und 26 sexuelle Nötigungen gezählt. In der Stadt Zürich, die rund doppelt so viele Einwohner hat, waren es 2011 je 56 Fälle. Auch der Vergleich mit weiteren Städten zeigt: Basel sticht bei den relativen Zahlen nicht hervor. Sicherheit lässt sich aber nicht einfach an Zahlen festmachen. Es ist die gefühlte Sicherheit, die für die Bewohner einer Stadt ausschlaggebend ist. Und obwohl Baslerinnen und Basler kaum ängstlicher zur Welt kommen als etwa Zürcherinnen und Zürcher, ist hier die Aufregung um das sensible Thema sexuelle Gewalt viel grösser. Es muss also noch andere Gründe geben.

Vergleicht man Basel und Zürich weiter, dann zeigt sich: Während die Zürcher Ordnungshüter in diesem Jahr noch über keine einzelne Übergriffe informiert haben, verfasste die Basler Staatsanwaltschaft bereits in 16 Fällen eine Medienmitteilung. Das hat seinen Grund: Die Basler Staatsanwaltschaft informiert grundsätzlich immer, wenn eine Vergewaltigung oder eine sexuelle Nötigung im öffentlichen Raum stattfindet. «Wir kommunizieren, um Zeugen aufzurufen», begründet Staatsanwaltssprecher Peter Gill, «denn wir haben einen einzigen Auftrag: den Täter zu fassen.»

«Es hat nicht mehr Sexualdelikte gegeben als letztes Jahr», hält Gill weiter fest, «es hat aber mehr im öffentlichen Raum gegeben.» Nach wie vor finden die meisten Übergriffe im privaten Rahmen statt. Wenn sich Täter und Opfer kennen, informiert die Staatsanwaltschaft nicht. Gill: «Ein Sexualdelikt im öffentlichen Raum ist ein schweres Delikt. Da schöpfen wir alle Möglichkeiten aus.»

«Rein kriminalistischer Ansatz»

Die Zürcher Polizei hingegen lässt einzig den Satz «Denkbar ist eine aktive Kommunikation, wenn dies der Fahndung nach der Täterschaft dient und sie sich nicht nachteilig für das Opfer auswirkt» verlauten, der auch schon in anderen Medien zu lesen war. Obwohl dies relativ ähnlich klingt wie bei der Basler Staatsanwaltschaft, verfolgt man offenbar eine andere Praxis: Über sexuelle Übergriffe wird nur in absoluten Ausnahmen kommuniziert. In der Folge wird in Zürich auch weniger über das Thema geredet.

Peter Gill will die Praxis der Zürcher Kollegen nicht kommentieren. Er sagt lediglich: «Wenn wir informieren, verfolgen wir einen rein kriminalistischen Ansatz.» Auf den Opferschutz nehme man grösste Rücksicht. Es würden keine Hinweise kommuniziert, die irgendwelche Rückschlüsse auf das Opfer zulassen würden. Dass in der Stadt jedes Mal eine grosse Aufregung entsteht, wenn über einen Fall berichtet wird, ist auch ihm nicht entgangen. Gill findet: «Man soll berichten, aber möglichst objektiv.»