Auf dem Fahrendenplatz herrscht am frühen Freitagnachmittag reges Treiben. Kinder spielen Fangen, vor den Wohnwagen sitzen die Eltern um Plastiktische und unterhalten sich. Doch die Freude ist getrübt beim Familienoberhaupt. «Wir dürfen nur einen Monat hierbleiben», sagt der elsässische Fahrende beim Besuch der «Schweiz am Wochenende». Der Mann in den Mittfünfzigern trägt einen Siegelring, hat die grauen Haare sorgfältig nach hinten gekämmt und die obersten drei Knöpfe seines Hemds geöffnet.

Rund ein Dutzend Wohnwagen und Autos der oberen Preisklasse stehen auf dem Fahrendenplatz in der Friedrich-Miescher-Strasse. Sie alle gehörten Familienmitgliedern, sagt Bedmi Carlos, wobei es sich um einen erfundenen Vornamen handelt, wie ein Bekannter später sagt. Ohnehin will Bedmi lieber anonym bleiben. Auch aufs Foto will er nicht.

Kaum andere Wagenplätze in der Region

Vergangenen Winter wurde in Basel der erste offizielle Stand- und Durchgangsplatz eröffnet: Ein architektonisch ansprechendes 1,5-Millionen-Projekt, in dessen Mitte sich sanitäre Einrichtungen befinden. Gewählt wurde dafür ein Ort ausserhalb des Zentrums Richtung Flughafen. Nicht einmal bei den Psychiatrischen Unikliniken oder beim Grand Casino ist zu merken, dass im Quartier neue Nachbarn wohnen.

Wer hier lebt, hat seine Ruhe. Und die kostet: 13 Franken zahlen Bedmi und seine Cousins pro Wohnwagen und Tag. Es gefällt ihnen hier in Basel. Umso ärgerlicher sei, dass seine Familie und er bereits wieder weiterziehen müssen. Maximal zehn Wohnmobile dürfen zur gleichen Zeit auf dem Platz stationiert sein. Die Regelung, wonach sie während der Sommermonate nach einem Monat wieder weiterziehen müssen, sorgt nicht nur bei Bedmi für Konsternation, sondern auch bei Andreas Geringer, selbst Fahrender und Präsident des Verbandes Sinti und Roma Schweiz (VSRS). «Problematisch ist das deswegen, weil es in der Region kaum andere Wagenplätze gibt», so Geringer. Der monatliche Wohnortwechsel kann zur Belastung werden. Auch für Fahrende wie Geringer, dessen Frau sich vor kurzem einer Operation unterziehen musste. «Manchmal wäre man beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen froh, wenn man noch eine Woche länger bleiben dürfte», erzählt er.

Kanton lädt nun zum runden Tisch ein

Warum also diese Regel? Daniel Hofer vom Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) erklärt: «Die begrenzte Verweildauer gewährleistet, dass der Platz nicht länger von Einzelnen belegt wird und ihn eine grössere Anzahl verschiedener Personengruppen nutzen kann.» Die Forderung nach einer längeren Verweildauer sei ihm aber bekannt. Die Kantonsvertreter wollen sich deswegen nach den Herbstferien mit Anrainern und Verbänden der Fahrenden zusammensetzen. «Wir werden besprechen, was auf dem Platz gut läuft und wo es allenfalls Veränderungen braucht.»

Ein Lichtblick für Geringer, der selbst auch eine Einladung erhalten hat. Er hofft, dass die Regelung schon bald angepasst wird – und er künftig länger in Basel bleiben kann. Für Bedmi hingegen ist es nun zu spät. Am Montag fährt er weiter nach Kaiseraugst.