Verkehr

Basel schlägt die Brücke nach Frankreich: So wird der neue Weg übers Ufer von Kleinhüningen

Von der Wiesenmündung im Basler Rheinhafen soll sich die neue Überquerung des Flusses direkt ins Nachbarland spannen.

Von der Wiesenmündung im Basler Rheinhafen soll sich die neue Überquerung des Flusses direkt ins Nachbarland spannen.

Es wird noch eine neue Brücke über den Rhein geben. Bis 2035 soll für Velos, Fussgänger und öV erstmals eine Rheinbrücke vom Kleinbasel nach Huningue führen.

«Drei Städte – eine Zukunft». Unter diesem Leitspruch arbeiten die Gemeinden Weil am Rhein und Huningue sowie die Stadt Basel am gemeinsamen Entwicklungsprojekt «3Land» für eine vernetzte Zukunft im trinationalen Grenzgebiet. Derzeit wird nun gemäss Ausschreibung nach Unternehmen gesucht, welche die Planung des Projekts «Neue Rheinbrücke» übernehmen.
Die Start- und Endpunkte des ersten Flussübergangs zwischen Basler und französischem Boden sind demnach bereits festgelegt. So soll sich die Brücke von der Wiesenmündung im Hafen am Nordstern-Club vorbei zur Rue Moser in Huningue ziehen.

Ein trinationales Gebiet entwickelt sich

Vor allem die Pendlerverhältnisse sprächen für den Bau der neuen Brücke, heisst es in der Ausschreibung. Bereits heute arbeiten rund 16'000 Menschen im schweizerischen und französischen Gebiet des «3Land», das die an den Fluss angrenzenden Quartiere von der Dreirosenbrücke bis zur Palmrainbrücke in Weil am Rhein umfasst. Bis 2035 werde sich die Anzahl der Arbeitsplätze mit einer Zunahme auf bis zu 30'000 Stellen fast verdoppeln. Rund 30 Prozent aller Arbeitnehmenden im Schweizer Teil des «3Land» pendeln schon jetzt von Frankreich nach Basel.

Die Brücke brächte aber nicht nur für Pendler Vorteile mit sich. Insbesondere die Bewohner der neuen Quartiere würden vom Ausbau des Verkehrsnetzes profitieren. So liest man im Raumkonzept des Entwicklungsprojekts «3Land» von einem «Vis-à-vis am Rhein». Jenes soll vermehrt für einen grenzüberschreitenden Austausch und einen allen schnell zugänglichen Gemeinraum sorgen, dessen natürlicher Mittelpunkt der Rhein darstellt.

Zudem steht für die Projektleitenden die Anbindung des «3Land» an die wichtigsten «Agglopole» im Mittelpunkt. Gemeint sind die Mobilitätszentren Hafen, Flughafen und Bahnhöfe. Da die Belastung des Verkehrsnetzes auch in den nächsten Jahren ansteigt, sei ein Ausbau der Infrastruktur ohnehin vonnöten.

Autoverkehr soll nicht weiter ausgebaut werden

Als Resultat einer Verkehrsstudie, die 2018 durchgeführt wurde, entschied sich die Projektgruppe dafür, keinen motorisierten Privatverkehr über die neue Rheinbrücke zu führen. Nur Velofahrer, Fussgänger und öffentliche Verkehrsmittel sollen den neuen Verkehrsweg nutzen können.

Dies habe verschiedene Gründe. Erstens solle das öV-Netz ausgebaut werden. Die massiv kürzeren Reisezeiten würden zudem die Attraktivität der umweltschonenderen Fortbewegungsmittel fördern. Obwohl die Zulassung von Autos zur Brücke für eine kurzfristige Entlastung der anderen Autobrücken sorgen würde, werde der Verkehr sich dort schnell wieder «auffüllen», da das Netz des motorisierten Individualverkehrs im heute ohnehin schon gesättigt sei.

Ausserdem würde eine Zulassung von Autos die an den Fluss angrenzenden Quartiere belasten und die Umsetzung der Brücke würde rund doppelt so teuer ausfallen. Nicht zuletzt wird der Brücke eine wichtige symbolische Funktion zugeschrieben: So könne sie nämlich mit ihrer Vernetzungsfunktion zwischen französischem und schweizerischem Ufer als «eigentliche Metapher der Idee des neuen trinationalen Stadtteils» fungieren.

Nur ein kleiner Schritt eines Riesenprojekts

Gesucht sind nun interessierte Unternehmen, die für den Bau der Brücke eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen. Nebst einem Konzept zur konkreten Realisierung des Projekts stellt vor allem die Kostenaufteilung zwischen den Akteuren verschiedener Nationen ein grosses Fragezeichen dar.

Die neue Rheinbrücke ist nur ein kleiner Schritt des umfassenden «3Land»-Unternehmens. So werden im Rahmen dieser Zusammenarbeit beispielsweise neue Tram- und Busverbindungen geprüft. Im Gespräch ist auch eine «Minimetro», die von einem visionären Tiefbahnhof im Klybeck bis zum Dreiländereck und gegebenenfalls weiter nach Weil am Rhein führen würde.

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