«Gut» sei das Jahr 2015, was die Übernachtungszahlen angeht, gewesen, sagt Basel-Tourismus-Direktor Daniel Egloff, und untertreibt damit ziemlich. Denn was der Direktor zusammen mit Fabienne Hofer vom Statistischen Amt des Kantons Basel-Stadt gestern an der Jahresmedienkonferenz präsentieren kann, ist mehr als gut. 

Zum ersten Mal wurde die Marke von 1,2 Millionen Logiernächten geknackt. Das ist aber nicht nur eine neue Bestmarke – es ist bereits die zehnte in Folge. Zustande kam diese Zahl durch fast 39 000 Übernachtungen mehr als im Vorjahr, was einem Plus von 3,3 Prozent entspricht. «Wir sind sehr zufrieden», so Egloff. Auch wenn der Wert nicht ganz dem entspricht, was man sich noch Ende Jahr ausgemalt hatte (siehe Interview rechts). Nichtsdestotrotz ist der Zuwachs bemerkenswert, vor allem, wenn man ihn mit den Zahlen der Restschweiz vergleicht. Während gesamtschweizerisch die Zahl der Logiernächte abnahm (-0,7 Prozent), stieg sie in den anderen Grossstädten im Durchschnitt «nur» um 2 Prozent.

Rekord-September

Insbesondere aufgrund der schwierigen Voraussetzungen durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses konnte man diese Zahlen nicht erwarten. Dass das Jahr doch so positiv war, hat Basel neben den jährlich stattfindenden Grossanlässen auch zwei zusätzlichen Events zu verdanken: «Sowohl die Gauguin-Ausstellung in der Fondation Beyeler als auch das Lion-King-Musical haben sich sehr stark auf die Übernachtungs-Statistiken ausgewirkt», so Egloff. Diese zwei Anlässe haben auch dazu geführt, dass fast zehn Prozent mehr Schweizer Gäste als noch im Vorjahr den Weg nach Basel gefunden haben.

Mit einem so starken Zuwachs an Schweizer Übernachtungsgästen kann man künftig aber nicht mehr rechnen: «Der Schweizer Markt wird sich auf diesem Niveau einpendeln, dort haben wir den Sondereffekt mit Gaugin und Lion King jetzt gehabt», sagt Egloff. Doch nicht nur bei den Schweizern, sondern auch bei den Gästen aus den Vereinigten Staaten (+7,5 Prozent) und jenen aus den asiatischen Märkten (+8,1 Prozent) konnten überproportionale Wachstumsraten aufgewiesen werden.

Einen weiteren Rekord konnte man nicht bei spezifischen Nationalitäten, sondern in einem speziellen Monat verzeichnen: im September. «Es war das beste September-Ergebnis seit Einführung der Tourismusstatistik», so Hofer. Verantwortlich dafür sind, wie Egloff erklärt, zwei grosse, mehrtägige Kongresse, die in diesem Monat stattgefunden haben: zum einen der Kongress der International Fiscal Association (IFA) , der Steuerprofis aus der ganzen Welt nach Basel lockte, und zum anderen der DGHO, ein Kongress für in der Krebsforschung tätige Ärzte.

Kunstmuseum, Fussball, WLAN

Aber auch bei Basel Tourismus ist nicht alles gut gelaufen im letzten Jahr. Seit fünf Jahren kommen konstant weniger Deutsche nach Basel – eine Entwicklung, welche die Verantwortlichen beschäftigt, ist Deutschland doch der mit Abstand wichtigste Auslandsmarkt für Basel. «Die Liebe der Deutschen haben wir aber immer noch», beruhigt Egloff. «Es hat effektiv nur mit der Euro-Schwäche zu tun. Die ist durchs Band zu spüren.» So ist man sich bei Basel Tourismus sicher, dass auch aus den anderen Euro-Ländern wie Spanien, Italien und Frankreich noch vermehrt Gäste nach Basel gekommen wären.

Ebenfalls negativ fallen die Bilanzen bei der Anzahl Teilnehmer an den Stadtführungen aus (-17.2 Prozent). Weil diese Negativbilanz aber nur hochwasser-bedingt ist, macht man sich diesbezüglich keine Gedanken. Ohnehin geht man ziemlich sorgenfrei in das bereits begonnene Jahr. Angepeilt wird ein Plus bei den Logiernächten von zwei Prozent: «Ich gehe davon aus, dass wir dieses Ziel erreichen werden.» Helfen werden dabei zwei der grossen Highlights im 2016: die Eröffnung des Neubaus des Kunstmuseums im April und der Europa-League-Final.

Ausserdem soll im 2016 ein lange angedachtes Grossprojekt endlich umgesetzt werden, welches bei künftigen Übernachtungsgästen mit Sicherheit gut ankommen wird: die Installation eines kostenlosen WLANs. Kostenpunkt: einmalig rund 150 000 Franken für die Installation, und dann wiederkehrend für die Verbindungskosten 40 000 Franken, so Egloff. Eine Investition, die man sich für weitere Rekordjahre leisten kann und will.