Bewegt
Basel setzt auf umstrittene Werbe-Bildschirme

Der Stadtkanton hat über 250 Flächen ausgeschrieben, die künftig für digitale Werbung genutzt werden sollen. Dadurch hofft man auf hohe Einnahmen – Kritiker fordern klare Regeln für bewegte Bilder.

Meret Knaack
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Unumgänglich: Die bewegten Werbebilder (im Bild ein Bildschirm am Basler Bahnhof SBB) zwingen uns geradezu, ihre Inhalte anzusehen.

Unumgänglich: Die bewegten Werbebilder (im Bild ein Bildschirm am Basler Bahnhof SBB) zwingen uns geradezu, ihre Inhalte anzusehen.

Kenneth Nars

Basel rüstet auf. Schon bald sollen an verschiedenen Standorten in der Stadt digitale Werbebildschirme aufgestellt werden, wie sie im Bahnhof Basel SBB bereits heute hängen. Denn die Wirtschaft liebt die blinkenden und leuchtenden Screens geradezu. Die Aufmerksamkeit der Passanten wird durch die bewegten Bilder nicht nur geweckt, sie wird erzwungen. Das zeigt die Forschung: Sobald sich in unserer Umgebung etwas bewegt, schauen wir reflexartig hin.

Die Bildschirme verbreiten sich denn auch rasant. So hat die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) als grösste Anbieterin seit 2011 die Zahl ihrer Screens vervierfacht – dies vor allem auch dank eines Vertrags mit den SBB. Beat Holenstein sieht diesen Trend durchaus positiv. Denn aktuell würden mit den Bildschirmen zehn Prozent des Umsatzes erzielt, wie der Leiter des APG-Produktmanagements kürzlich in der «Schweiz am Sonntag» zitiert wurde. Die Wirtschaft hat also allen Grund zum Feiern.

Zürich: 3 Mio. Fr. für Staatskasse

Doch die bewegte Werbung lohnt sich auch für Städte und Gemeinden. Alleine der Stadt Zürich spülen zehn Screens und 20 Drehlichtsäulen jährlich über drei Millionen Franken in die Kasse. Nun will auch Basel ein Stück vom Kuchen haben: Insgesamt 253 Flächen hat der Kanton ausgeschrieben, davon sollen 33 künftig für digitale Werbung genutzt werden. Bei den übrigen wird noch ein entsprechendes Gesuch nötig sein. «Es ist noch nicht sicher, wie viele Anbieter davon profitieren wollen», sagt Daniel Hofer.

Der Sprecher des zuständigen Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) weist darauf hin, dass die Verhandlungen noch in vollem Gange seien. Der Kanton Basel-Stadt erhofft sich lukrative Einnahmen. Konkrete Zahlen kann BVD-Sprecher Hofer allerdings noch nicht nennen. Das Geld soll in die allgemeine Staatskasse fliessen. In Zürich hat der Trend schon länger Einzug gehalten. Die Bahnhofstrasse ist voll solcher Bildschirme, welche die Passanten mit Dauerwerbung berieseln. Nun wollen Basler Geschäfte nachziehen, etwa der Schuhhändler Dosenbach oder das Modegeschäft Tally Weijl.

Der Trend ist nicht unumstritten. Der eigentliche Zwang zum Hinschauen durch die bewegten Bilder sei zu aufdringlich und könne zu Irritationen führen, monieren Kritiker. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass klare Regeln aufgestellt werden, fordert Lukas Schuler. Der Präsident von Darksky, einem Verein gegen Lichtverschmutzung, nennt als Beispiele Lichtintensität oder Blendung.

Ablenkung birgt Gefahren

Widerstand kommt auch von Christian Hänggi. Der Präsident der IG Plakat Raum Gesellschaft spricht gegenüber der «Schweiz am Sonntag» von einer «besonders perfiden» Werbeform: «Bewegte Bilder lenken unsere Aufmerksamkeit auf sich. Gnadenlos. Ob wir das wollen oder nicht.» Gerade ältere Menschen oder Kinder liessen sich besonders schnell ablenken. Im Strassenverkehr könnten sie so Gefahr laufen, zu verunfallen.

Es kommt noch ein Aspekt hinzu, nämlich der Stromverbrauch. Denn dieser steigt natürlich enorm an im Vergleich zu den bisher gebräuchlichen beleuchteten Plakatwänden.