Saint-Louis
Basel soll den Umbau der Zollanlage mitfinanzieren

Um den französisch-schweizerischen Autobahnzoll herrscht oft Chaos. Er ist für 400 Camions ausgelegt, muss aber 2700 verkraften. Das führt morgens zu langen Rückstaus.

Peter Schenk
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Die Umbauarbeiten an der Zollanlage Saint-Louis/Basel sollen voraussichtlich 2018 beginnen.

Die Umbauarbeiten an der Zollanlage Saint-Louis/Basel sollen voraussichtlich 2018 beginnen.

Kenneth Nars

Es ist seit Jahren ein Ärgernis: Die Gemeinschaftszollanlage Saint-Louis/Basel Autobahn ist für die Massen von Camions, die hier von Frankreich in die Schweiz fahren, nicht mehr eingerichtet. Oft stauen sie sich zu den morgendlichen Hauptverkehrszeiten in Nord-Süd-Richtung auf der Autobahn. Auswirkungen hat das auch für die Ausfahrt in Richtung Saint-Louis und Sundgau sowie für Pendler und Automobilisten, die generell nach Basel wollen.

Chaos schon seit vielen Jahren

Thema war das Chaos schon für Jean Ueberschlag, den ehemaligen Maire von Saint-Louis. Auch dem vor fünf Jahren gewählten Nachfolger Jean-Marie Zoellé liegt es auf dem Magen. Die Anlage muss dringend modernisiert und umgebaut werden. «Es läuft eine Studie dazu», berichtet er. Beginn der Arbeiten könnte 2018 sein. Anfang Dezember will der Maire dem neuen oberelsässischen Präfekten die unhaltbare Situation am Grenzübergang zeigen.

Für die Abfertigung der Lastwagen stehen nur 400 Plätze zur Verfügung, es kommen aber laut der bürgerlichen südelsässischen Senatorin Catherine Troendé täglich bis zu 2700. Sie beklagt laut der Zeitung «L’Alsace» auch die ungeordnete Situation auf der Autobahn, die neben Verkehrs- auch Sicherheitsprobleme mit sich bringe.

Da es sich um eine schweizerisch-französische Gemeinschaftszollanlage handelt, ist auch die Schweiz vom geplanten Umbau betroffen. «Es sind noch sehr viele Fragen offen, aber die Idee ist, die morgendliche Stauproblematik zu entschärfen», sagt Andreas Keusch, Mediensprecher der Zollkreisdirektion Basel. Laut Bundesamt für Strassen (Astra), soll der Transit des Lastwagenverkehrs durch Bau von Hochkabinen Richtung Süden beschleunigt werden. Ausserdem werde der Warteraum auf französischer Seite umgestaltet.

Die Finanzierung ist erst zum Teil geregelt. So sind im Rahmenvertrag französischer Staat – Region Grosser Osten, zu dem das Elsass nach der Gebietsreform gehört, für den Zeitraum 2015 bis 2020 acht Millionen Euro für Arbeiten an den grossen Autobahn-Grenzübergängen im Südelsass vorgesehen. Der Löwenteil geht mit 6,5 Millionen Euro nach Saint-Louis.

Damit sie sich an den Kosten beteiligen, hat Zoellé Kontakt mit den elsässischen Gebietskörperschaften aufgenommen. «Da es sich um eine Gemeinschaftszollanlage handelt, werden die Kosten partnerschaftlich übernommen», ergänzt Keusch für die Schweiz. Ein Schlüssel für die Aufteilung sei aber noch nicht definiert. Der Maire von Saint-Louis möchte nach dem zweiten Wahlgang in Basel zudem auch dort um finanzielle Unterstützung anfragen: «Die Camions fahren auch in die Schweiz. Ausserdem liegt es im Interesse der Basler, gut über die Grenze nach Hause zu kommen.»

Vorbild ist Basel/Weil am Rhein

Vorbild für den Umbau ist die nur wenige Kilometer östlich liegende Gemeinschaftszollanlage Basel/Weil am Rhein Autobahn. Dort hat man schon vor einigen Jahren Hochkabinen gebaut. Das System heisst Transito und die Fahrer im Transit- und Leerverkehr müssen ihr Fahrzeug dabei nicht mehr verlassen – in Frankreich hat man allerdings weniger Platz für den Umbau. Mit elektronischen Zolldokumenten dauert der ganze Vorgang manchmal nur noch 30 Sekunden.

«Die Standzeiten der Lastwagen wurden stark verkürzt und der Rückstau auf der Autobahn ist jetzt bereits am späten Vormittag abgebaut. Wir sind sehr zufrieden mit Transito», lobt Antje Bendel, Mediensprecherin des Hauptzollamts Lörrach.

Keusch kann dem nur zustimmen. «Es ist ein voller Erfolg und funktioniert», sagt er und verweist darauf, dass Zoll, Spediteure, Transporteure und auch Pendler damit zufrieden seien. Da ein Teil des Lastwagenverkehrs weiter vor Ort verzollen muss, kommt es wie auf der deutschen auch auf der Schweizer Seite auf der Autobahn zu Rückstaus. «Dank der provisorischen erweiterten Zollanlage Peza bei der Ausfahrt Basel Kleinhüningen kann der Rückstau auf der Autobahn aber begrenzt werden», so das Astra.

In Deutschland wird der Camionverkehr vor der Grenze durch Ampelanlagen reguliert. Die Camions stehen noch auf der Autobahn, aber geordnet.