Club
Basel soll einen exklusiven Club am Rhein erhalten

Zürichs Wirtschaftselite trifft sich im «Club zum Rennweg». Prominente planen in Basel einen volkstümlicheren Treff. Das Restaurant Spillmann soll in ein neues Café und einen «Club de Bâle» umgestaltet werden.

Iso Ambühl
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Neue Aufteilung im Restaurant Spillmann: vorne Café, hinten Club.

Neue Aufteilung im Restaurant Spillmann: vorne Café, hinten Club.

Martin Töngi

Das Restaurant Spillmann am Grossbasler Kopf der Mittleren Brücke war bislang ein ganz normaler Gastronomie-Betrieb. Nebenan hatte einst das Basler Stadtoriginal und Couturier Fred Spillmann sein legendäres Geschäft.

Daniela Spillmann Klose ist in die Fussstapfen ihres Onkels getreten: Sie betreibt heute ebenfalls am Rheinsprung ihr «Couture-à-porter»-Geschäft. Wie ihr Onkel ist Daniela Spillmann ein kreativer Mensch. Ihre neueste Idee: Sie will einen «Club de Bâle» lancieren, «einen Gastronomie-Betrieb für anspruchsvolle Kunden», wie es im Handelregister heisst. Elitär soll das neue Etablissement aber nicht sein: Sie wünscht sich «einen ruhigen Ort» in Basel, wo man sich treffen, Gespräche führen und auch über Geschäfte reden kann.

Ein Club im Restaurant Spillmann

Die Couturière weiss, wo sie den Club einrichten will, was mittlerweile fast «tout Bâle» mitbekommen hat: im hinteren Teil des Restaurants Spillmann, das im vorderen Teil wieder ein richtiges Café werden soll. Im Grunde genommen will sie aber gar nicht darüber reden, weil noch kein Entscheid des Verwaltungsrats des «Club de Bâle» vorliege. In den nächsten Tagen soll die entsprechende Sitzung stattfinden. «Drückt mir die Daumen, damit unser Plan dann auch gelingt», sagt die VR-Vizepräsidentin zum «Sonntag». Spillmann ist die Mutter des Fussballers Timm Klose, der beim 1. FC Nürnberg und in der Schweizer Nationalmannschaft spielt.

Die Finanzierung der Club-Räume ist ein Entscheid, der angesichts der Zusammensetzung des Verwaltungsrats eigentlich kein Problem darstellen sollte. Mit Bernhard Burgener sitzt da ein erfolgreicher Medienunternehmer, der über die Highlight Communications AG in Pratteln die grosse deutsche Firma Constantin Film steuert und über eine Tochterfirma auch die TV-Verträge der Champions League vermarktet. Der Fussball-Fan und ehemalige Rock-Gitarrist in jungen Jahren war kurzzeitig auch Verwaltungsrat der «Basler Zeitung».

Ebenfalls als kapitalkräftig gilt Pascal Böni, Chef der Finanz- und Treuhandgruppe Remaco und Internationale Treuhand AG (Itag). Er sitzt im Vorstand der Handelskammer beider Basel und vertritt über die Gerstenhauser Stiftung das grösste Aktienpaket beim Werbekonzern Publigroup.

In Finanzen gut beschlagen ist auch der Steuerfachmann Stephan Werthmüller. Er ist nach einer Pause heute wieder Finanzchef und damit Vorstandsmitglied des FC Basel. Präsident des Club-Verwaltungsrats ist Matthias Müller, der umtriebige Impresario der Avo-Session, die ab nächstem Jahr Baloise-Session heisst. Der Musik- und Marketing-Mann kennt Werthmüller gut, beide sitzen in der Art Session GmbH.

Zürich hat es schon

In Zürich gibt es bereits seit Jahren spezielle Clubs fürs Netzwerken mit eigenen Räumlichkeiten. Besonders elitär gibt sich der «Club zum Rennweg», wo Ex-Denner-Chef Philipp Gaydoul, der Baselbieter Banker und Fast-SVP-Nationalrat Thomas Matter und «SonntagsZeitung»-Chefredaktor Martin Spieler im Club-Verwaltungsrat sitzen. Nobel gibt sich der «Club Baur au Lac», ein reiner Herrenklub im gleichnamigen Hotel, während sich der Club «Haute SA» im 13. und 14. Stockwerk eines Zürcher Hochhauses schon allein über die Höhe seiner Räume absetzt.

Der Lions Club und Rotary Club sind in Basel beliebte Treffpunkte für die Mitglieder. Sie organisieren Vorträge und setzen sich für wohltätige Zwecke ein. Diese regionalen Clubs verfügen in der Regel aber nicht über eigene Räumlichkeiten. So trifft sich zum Beispiel der Lions Club Basel regelmässig zum Dinner im Restaurant Schützenhaus, wo auch Vorträge stattfinden. Präsident des Clubs ist derzeit Zolli-Direktor Olivier Pagan, der Gerichtspräsident Jeremy Stephenson vor kurzem ablöste. Im Lions Club Basel sind unter anderen Bâloise-VR-Präsident Andreas Burckhardt, Wirtschaftsprofessor Silvio Borner, FDP-Grossrat Christian Egeler, Radio-Basilisk-Chef Matthias Hagemann, Ex-UBS-Chef Marcel Ospel, Ex-Sarasin-Banker Peter E. Merian, Manor-Chef Betrand Jungo, FC Basel-Präsident Bernhard Heusler, FondationBeyeler-Chef Samuel Keller, Messe-Schweiz-CEO René Kamm, Lonza-VR-Präsident Rolf Soiron, Alt-Regierungsrat Christoph Stutz oder Schützenhaus-Wirt Peter Wyss Mitglied.

Die Mitgliederliste des Rotary-Çlubs Basel-St.Jakob, der sich regelmässig in der Basler Schlüsselzunft trifft, führt ebenfalls bekannte Namen auf: etwa Christian Griss, Präsident des Kirchenrats der römisch-katholischen Kirche, Ex-Fasnachts-Comité-Obmann Felix Rudolf von Rohr oder Ex-Regierungsrat Ueli Vischer, Präsident der Universität Basel und der Messe Schweiz.

Wenn kreative Menschen wie Daniela Spillmann einen «Club de Bâle» lancieren, ist zu erwarten, dass mit neuen Ideen auch neue Gruppierungen von Mitgliedern erreicht werden. Das normale Café im vorderen Teil, so Spillmann, soll jedenfalls dafür sorgen, dass der Club nicht abhebt.