Es scheint fast schon ein Naturgesetz zu sein: Jahr für Jahr steigen in Basel-Stadt
die Sozialhilfekosten. 2017 lagen sie bereits bei über 145 Millionen Franken. Rund 5700 Personen werden durchschnittlich unterstützt. Die Basler Sozialhilfequote hat mittlerweile die Sieben-Prozent-Grenze geknackt. Zum Vergleich: In der Stadt Zürich beträgt die Quote rund fünf Prozent. Parallel dazu stieg die Zahl jener, die Prämienverbilligungen in Anspruch nehmen: 51 887 Personen waren es Ende 2017 – etwa ein Viertel der Kantonsbevölkerung. Kostenpunkt: 206 Millionen Franken.

Eine überparteiliche Parlamentariergruppe um FDP-Präsident Luca Urgese, SP-Präsident Pascal Pfister und LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein will nun Gegensteuer geben. Es sei dringend zu prüfen, wie unterstützungsbedürftige Menschen besser dazu gebracht werden können, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Im Auge haben die Basler Grossräte dabei ein Pilotprojekt der Stadt Winterthur, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist. Diese liess untersuchen, ob mit einem Ausbau der Sozialen Dienste mittel- bis langfristig die Sozialkosten gesenkt werden können.

Konkret geht es darum, dass Sozialarbeiter aufgrund der hohen Fallzahlen bisher keine enge Fallführung gewährleisten konnten. Mit einer Senkung der Falllast sollten die Kosten und die Fallzahlen in der Langzeitbetreuung reduziert werden. Mit Erfolg: Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat festgestellt, dass auf diese Weise tatsächlich die Kosten pro Fall sinken und gleichzeitig die Unterstützungsdauer verkürzt wird. «Im Ergebnis waren die Einsparungen höher als die Kosten für den zusätzlichen Personalbedarf», werben die Basler Grossräte. Mittlerweile haben schon mehrere Städte und Gemeinden ähnliche Versuche gestartet.

Mit einem soeben eingereichten Vorstoss fordern die Ratsmitglieder nun die Regierung dazu auf, ein ähnliches Pilotprojekt zu prüfen. Nach dem Vorbild der Stadt Winterthur soll die Falllast pro Sozialhilfemitarbeiter reduziert werden, um zu testen, «ob sich in Basel dadurch ähnliche Ergebnisse erzielen lassen».

Wenn die zuständigen Sozialarbeiter pro Fall mehr Zeit zur Verfügung haben, könnten sie Ansprüche der Betroffenen gegenüber anderen Sozialversicherungen wie IV oder Gläubigern geltend machen. Auch gelang es, bei langjährigen Fällen die Integrationsmassnahmen zu überprüfen und zielgerichtet anzupassen. Damit steigen die Chancen, dass sich Betroffene von der Sozialhilfe lösen können.