Die Stadt Basel feiert Picasso. Genauer: Die Stadt feiert die Abstimmung von 1967: Vor 46 Jahren hat die Stimmbevölkerung mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 54 Prozent einem Kredit für den Kauf von zwei Picasso-Bildern zugestimmt. Das war wunderbar. Basel kann wirklich stolz sein darauf, dass in der Stadt die moderne Kunst in einer Abstimmung gewonnen hat. Aber nur darauf zurückschauen und sich als Helden zu feiern, ist billig.

Verstehen Sie mich recht: Die Abstimmung ist ein grossartiges Stück Stadtgeschichte. Ich bin auch stolz darauf, dass Basels Stimmbürgerinnen und Stimmbürger «ja» gesagt haben zu Picasso. Schulterklopfend zurückzuschauen reicht aber nicht. Seither sind nämlich wichtige Auseinandersetzungen rund um die moderne Kultur verloren gegangen oder sie kommen nicht vom Fleck.

Beispiel Konzertsaal: 2007 haben die Basler Stimmberechtigten das Projekt der Stararchitektin Zaha Hadid für ein neues Stadt-Casino abgelehnt. Basel will zwar eine Musikstadt sein, hat aber weiterhin einen Konzertsaal, der modernen Ansprüchen nicht genügen kann. Basler Musikliebhaber schauen weiterhin mit Neid nach Luzern und bewundern das KKL. Mehr als Schulterzucken scheint die Stadt nicht dafür übrig zu haben. Sie feiert lieber Picasso von einst.

Beispiel Theater: 2011 lehnte der Kanton Baselland eine Erhöhung der Subventionen für das Theater Basel ab. Seither flammt immer wieder Polemik um das Theater auf: Statt ins Theater zu gehen und sich an der Diskussion über die künstlerische Qualität zu beteiligen, bleiben viele Basler zu Hause und schnöden am Stammtisch vom Hörensagen über das Theater. Schöne Erinnerungen wie die an die Picasso-Abstimmung haben es da einfach: Die stören die Gegenwart nicht, wie das gutes Theater macht.

Beispiel Kaserne: Es ist weiterhin unklar, wie es mit der Kaserne und damit dem Raum für junge, eher alternative Kultur weitergehen soll. In der politischen Diskussion fällt nicht nur die Ratlosigkeit in Architekturfragen auf, sondern auch die Teilnahmslosigkeit bezüglich Rock und Pop. Wenn Basel nur einen Bruchteil der Begeisterung aufbringen könnte, die für die Picasso-Auseinandersetzung von vor 46 Jahren herrscht, dann hätten die Bands von heute plötzlich wieder eine Zukunft.

Mit anderen Worten: Sich der Picasso-Abstimmung wegen als Helden zu feiern ist nicht recht, sondern nur billig. Heute würde die Abstimmung wohl verloren gehen, weil in Basel der Ruck fehlt, der damals durch die Gesellschaft gegangen ist. Der Ruck, der bekräftigt, dass der gemeinsame Nenner in Basel die Kultur ist. Statt voll des Selbstlobes zurückzublicken, sollte sich Basel zusammenraufen und den Aufbruch in die Kultur von heute wagen. Oder gar in die Kultur von morgen.