Sie leben mit geistiger und körperlicher Behinderung. Und trotzdem sind sie Pfadfinder: Die Mitglieder von «Pfadi trotz allem», auch bekannt unter dem Kürzel PTA. In der Schweiz gibt es 27 dieser Gruppen, die zweitälteste davon in Basel. Schon 1957 wurde sie gegründet. Nun erhält die Basler PTA den 33. Prix Schappo, ein vom Kanton Basel-Stadt halbjährlich verliehener Preis für herausragendes Engagement im Alltag.

Der Preis ist verdient: Die PTA-Leiter wenden jährlich 800 Stunden auf. Auch in der PTA hat jedes der 16 Mitglieder im Alter zwischen 13 und 24 Jahren seinen Pfadinamen. Alle zwei Wochen treffen sich die Pfadfinder mit Behinderung, um die Natur zu entdecken, Rätsel zu lösen und Feen und Zauberer zu treffen. «Märchen sind bei uns wichtiger als bei der gewöhnlichen Pfadi. Denn dort sind die Themen und Rätsel oft etwas komplexer», sagt Benjamin Schmidlin. Der 21-Jährige, in der Pfadi Aoraki genannt, trat mit sechs Jahren in die Pfadi Bischofstein ein und ist nun seit drei Jahren Leiter bei «Pfadi trotz allem». Von Anfang an hat ihn die Gruppe begeistert.

Individueller betreut

«Die Kinder mit Behinderung sind offener und zeigen ihre Gefühle mehr», sagt Schmidlin. Und schiebt nach: «Auch wenn sie mal nicht so gut drauf sind.» Zu den vielen Emotionen gehört auch, dass sowohl die Kinder als auch deren Eltern ihre Wertschätzung und Dankbarkeit stärker zeigen. Doch so ähnlich die Gefühlswelt der Kinder auch sein mag: Wegen der vielen verschiedenen Beeinträchtigungen müssen die Kinder individueller betreut werden als in gewöhnlichen Pfadigruppen. «Die einen können sich schnell bewegen, sind dafür mit ihren Gedanken langsamer. Andere wiederum kennen den ganzen SBB-Fahrplan auswendig, sind dafür körperlich in einer schwierigeren Verfassung. So müssen wir das Programm jeweils für jeden ein wenig anpassen.» Und die Kinder verstehen das: Vieles beruht auf Gegenseitigkeit.

Zum Beispiel nehmen die schnelleren Kinder auf Wanderungen Rücksicht auf die Langsamen. «Das Bedürfnis, sich gegenseitig zu messen, ist bei den Kindern mit Behinderung nicht so gross. Sie wollen die Abenteuer zusammen durchmachen. Aber natürlich ärgern sie sich auch gegenseitig, genau wie Kinder ohne Behinderung.»

Die PTA finanziert sich wie die anderen Basler Pfadis über den Mitgliederbeitrag in der Höhe von 90 Franken. Zusätzlich zu den zweiwöchentlichen Treffen gehen die Kinder viermal im Jahr in ein Pfadilager, immer zusammen mit den anderen Pfadigruppen. «Dort hatte auch ich zum ersten Mal Kontakt mit Pfadfindern mit Behinderung. Seither bin ich fasziniert», sagt Schmidlin.

Rahel Heeg vertritt die Schappo-Expertenkommission und begründet die Auszeichnung: «Die PTA öffnet bestehende Angebote für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen, statt separative und ausgrenzende Programme zu schaffen. Diese vorbildliche Initiative hat einen ‹Schappo› verdient.»

Kommenden Donnerstag, 23. Oktober, um 17 Uhr übergibt Regierungspräsident Guy Morin im Restaurant Eoipso den Prix Schappo an die «Pfadi trotz allem».