Bildung
Basel-Stadt führt Lehrmittelfreiheit ein

Die «Starke Schule» traut der Sache nicht und hält an der Volksinitiative fest.

Leif Simonsen
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Symbolbild

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Sandra Ardizzone

Das Basler Erziehungsdepartement (ED) reagiert auf die Kritik der Volksschullehrer an den Lehrmitteln. Am Dienstag teilte es mit, dass die Mathelehrer künftig auswählen können; die Lehrmittelfreiheit soll bereits im nächsten Jahr eingeführt werden. In Geduld müssen sich derweil die Französischlehrer üben, obwohl ihr «Mille feuilles» weit umstrittener ist als das Mathelehrmittel. In der Mitteilung heisst es lediglich: «Der Erziehungsrat begrüsst weitere Ausweitungen der Lehrmittelliste. Für die Fächer Deutsch und Französisch wird er in den nächsten Monaten konkrete Entscheide treffen.»

Etwas irritierend ist der Moment der Ankündigung. Das Komitee «Starke Schule beider Basel» hat für heute Mittwoch den Start einer Volksinitiative vorgesehen, die ebenfalls die Lehrmittelfreiheit erreichen will. Davon, dass die Initiative nun obsolet wird, will Komitee-Mitglied Saskia Olsson aber nichts wissen. «Ich glaube nicht, dass das Erziehungsdepartement gleich weit gehen will wie wir bei der Lehrmittelfreiheit.»

Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer wehrt sich gegen den Verdacht, dass die Ankündigung der «Starken Schule», eine Initiative zu lancieren, den Entscheid beeinflusst habe. «Der Antrag an den Erziehungsrat erfolgte bereits im Oktober», sagt er – also lange bevor die Initiative der «Starken Schule» angekündigt worden sei.

Bei Komiteemitgliedern herrscht Verwirrung

Dass sich die Lehrmittelfreiheit vorerst auf Mathe beschränke, ist gemäss Cramer leicht zu begründen: «Hier gibt es bereits alternative, gute Lehrmittel.» Dies im Gegensatz zum Französischunterricht, für den es in den sogenannten Passepartout-Kantonen bisher ein «Mille feuilles»-Monopol gab – zu diesem hatten sich die sechs Kantone verpflichtet, die Frühfranzösisch ab der 3. Primarschulklasse eingeführt hatten.

Derzeit laufen in Basel-Stadt in insgesamt zwei Primarschul- und vier Sekundarschulklassen Tests mit einem neuen Lehrmittel des Klett-Verlags. Sollten die Lehrer damit gute Erfahrungen machen, könnte es schnell gehen. Cramer sagt: «Es ist denkbar, dass die Lehrmittelfreiheit in Basel-Stadt auch im Französischunterricht bereits im nächsten Schuljahr kommt.»

Das Einlenken des Erziehungsdirektors führte gestern zur Verunsicherung des breit abgestützten Initiativkomitees der «Starken Schule». Die Basler FDP-Vizepräsidentin Nadine Gautschi sagte: «Wir müssen uns im Komitee absprechen – aber wenn wir keine Unterschriften sammeln müssen, wäre das natürlich super.» Für «Starke-Schule-Kopf» Jürg Wiedemann ist das keine Option: «Es bleibt dabei: Basel-Stadt will am Passepartout-Modell festhalten. Das wollen wir mit der Initiative bekämpfen.»