Grosser Rat

Basel-Stadt gönnt sich mehr Klassik und erhöht die Beiträge an Orchester – die U-Musik blieb ein Nebensatz.

Konzert des Kammerorchesters Basel. (Beispielbild)

Konzert des Kammerorchesters Basel. (Beispielbild)

Basel-Stadt lässt sich die Klassik in den kommenden vier Jahren insgesamt rund 1,5 Millionen Franken mehr kosten.

Mit 78 zu 1 Stimmen bei 7 Enthaltungen nahm der Grosse Rat gestern den entsprechenden Ratschlag der Bildungs- und Kulturkommission (BKK) an. Diese wiederum war in ihrem Aufstockungsbegehren dem Postulat einiger Basler Orchester gefolgt, die im März 2019 eine Erhöhung der Beiträge um jährlich 372 000 Franken gefordert hatten.

Die Programm- und Strukturförderung Orchester des Kantons Basel-Stadt hat somit für den Zeitraum von vier Jahren knapp 6,5 Millionen Franken zur Verfügung. Die bisherigen Leistungsempfänger sind Kammerorchester Basel, La Cetra, Basel Sinfonietta, Ensemble Phoenix und Camerata Variabile.
Von dieser Summe ausgenommen bleibt das Sinfonie Orchester Basel (SOB), das einen fixen Staatsbeitrag von rund 13 Millionen Franken jährlich bekommt und sich anders als die kleineren Orchester nicht um Beiträge bewerben muss.

Ein Stundenlohn von zehn Franken

Dennoch fand das SOB in den Voten der Parlamentarier mehrfach Erwähnung. Insbesondere als es darum ging, auf das herrschende Ungleichgewicht in Sachen Jobsicherheit und Löhne zu verweisen. Im Vergleich mit den kleineren Orchestern sei das SOB für Musiker ein «deutlich attraktiverer Arbeitgeber», sagte Heiner Fischer (LDP). Das spiegle sich in der Kontinuität und der Profilierung der Orchester.
Abgesehen vom SOB könnten die klassischen Klangkörper der Region nicht einmal die vom Schweizer Musikverband (SMV) festgelegten Mindestlöhne bezahlen, so Martina Bernasconi (FDP). Als Beispiel führte sie eine Musikerin von La Cetra an, die auf einen Stundenlohn von zehn Franken komme. Heiner Fischer gab zu bedenken, dass die SMV-Tarife im Vergleich zu den vom SOB bezahlten Musikerlöhnen noch immer «sehr niedrig» seien.

War die Einhaltung dieser Mindestlöhne bis anhin nur eine mit Subventionsgeldern verbundene Empfehlung, so wird sie fortan als Teil der Leistungsvereinbarungen zwischen dem Kanton und den Institutionen verbindlich festgehalten.

Zwar stellte niemand der Sprechenden im Grossen Rat die Leistungen der unterstützten Orchester in Frage. Doch äusserten einige Parlamentarier ihre Bedenken bezüglich der Erhöhung der Mittel. Andrea Knellwolf (CVP/EVP) bezeichnete die Aufstockung des erst vor einer Legislatur geschaffenen Fördermodells als «schlicht systemwidrig».

Joel Thüring (SVP) monierte, dass die Orchester von sich aus mit einer höheren Forderung an das BKK gelangt seien. Und Beatrice Messerli (GB) gab zu bedenken, dass die Erhöhung der Gelder nicht zwingend in die Musikerlöhne fliesse, zumal die Jury bei der Vergabe der Beiträge durchaus auch ein weiteres Orchester berücksichtigen könne.

Osi Inglin, Präsident der BKK, fügte später an, dass es mit dem Neuen Orchester Basel (NOB) durchaus einen weiteren Klangkörper gäbe, der sich bei der nächsten Ausschreibung «sehr wahrscheinlich» um Gelder bewerben werde.

Die bisherigen Strukturen «sukzessive aufweichen»

Nur in einem Nebensatz wurde in der gestrigen Debatte das unlängst von der IG Musik BS angeprangerte Ungleichgewicht zwischen Klassik und den übrigen Musik-Genres erwähnt. Der «allergrösste Anteil» der Fördergelder fliesse in die etablierten Institutionen, hielt Andrea Knellwolf gegen Ende ihres Votums fest. Diese Struktur gelte es «sukzessive aufzuweichen».

Eine bereits in die Wege geleitete Änderung führt dazu, dass ab 2023 die Beiträge an das SOB und jene an die übrigen Orchester zeitgleich vor das Parlament kommen. Bis anhin waren sie um ein gutes Jahr versetzt verhandelt worden. Gemäss Osi Inglin habe die BKK bemängelt, dass die Beiträge so nicht «in Relation gebracht» werden könnten.

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