Aufgeschreckt durch das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative hatte der Bundesrat 2014 beschlossen, die Kontingente deutlich zu senken – von insgesamt 8500 auf 6500 Bewilligungen. Das blieb nicht ohne Folgen: 2016 hatte Basel-Stadt sein Kontingent bereits nach den ersten drei Januarwochen aufgebraucht und musste beim Bund für weitere Bewilligungen anklopfen. Im September war dann selbst die Bundesreserve erschöpft.

Nicht selber Fesseln anlegen

Gerade in Kantonen mit grossen internationalen Unternehmen konnten diese gar keine Drittstaatenangehörige mehr anstellen und wurden auf das nächste Jahr vertröstet. So musste beispielsweise Novartis Ausbildungsprogramme ins Ausland verlegen. Die IT-Firma Magnolia drohte gar damit abzuwandern, weil in der Schweiz wie in Europa die dringend benötigten Spezialisten oft schlicht nicht zu finden seien.

So weit soll es auf keinen Fall mehr kommen. Zwar ist der Bundesrat bereits zurückgekrebst und hat die Kontingente in zwei Schritten wieder auf 8000 erhöht, 3500 Langzeitaufenthaltsbewilligungen und 4500 Kurzzeitbewilligungen. Das tönt nach viel, doch verteilt sind dies ein halbes Dutzend bis ein paar Hundert pro Kanton, je nach Grösse. Und unter dem Strich sind es immer noch 500 Bewilligungen weniger als vor dem Kahlschlag – zu wenig für die boomende Schweizer Wirtschaft.

«Für die hiesigen Unternehmen sind die knappen Kontingente ein klarer Nachteil», zeigt sich Nationalrat Frehner überzeugt. In einem neuen Vorstoss regt er eine erneute Erhöhung der Drittstaatenkontingente an. Ihm schweben fürs 2019 jeweils 500 zusätzliche Kurz- und Langzeitaufenthaltsbewilligungen vor. Das wären dann insgesamt sogar mehr als vor der Kürzung. Zumindest aber könnten die Bewilligungen unter den Kantonen anders verteilt werden, damit die Wirtschaftsmotoren nicht zu stottern beginnen. Die Schweiz dürfe sich im weltweiten Ringen um hoch spezialisierte Fachkräfte nicht selber behindern. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels seien die Kontingente möglichst hoch anzusetzen.

Kontingent bereits ausgeschöpft

Unterstützt wird die Forderung nach einer erneuten Erhöhung der Kontingente von Christoph Brutschin – sowohl in seiner Rolle als Basler SP-Regierungsrat als auch als Präsident der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren. Schliesslich hat Basel-Stadt sein Kontingent an 49 Langzeitaufenthaltsbewilligungen längst aufgebraucht und vom Bund bereits 32 Reservebewilligungen erhalten. Das reicht nirgends hin in einem Kanton, in dem Konzerne wie Roche, Novartis und Syngenta ihren Sitz haben, dort forschen und Leute aus der halben Welt anstellen.

Auch von den 77 Basler Kurzaufenthaltsbewilligungen sind schon 46 weg. Damit präsentiere sich die Situation ähnlich wie im Vorjahr, sagt Brutschin. Wirklich prekär aber werde es erst, wenn wie im 2016 auch die Bundesreserve zur Neige geht. Die Kantone klagen denn auch regelmässig, das Risiko steige, «dass Projekte ins Ausland verschoben werden oder gar nicht in die Schweiz kommen».