Das Basler Stimmvolk hat die Familiengarten-Initiative am Sonntag deutlich verworfen und sich mit 55 Prozent für den Gegenvorschlag ausgesprochen. Sind Sie enttäuscht darüber?

Oliver Scheidegger: Ja, sehr enttäuscht sogar. Bedauerlicherweise kann nach diesem Volksentscheid das Potenzial der Stadtrandentwicklung in Basel gemäss Zonenplan nicht umgesetzt werden. Dies wird sich langfristig als Nachteil für alle Stadtbewohner erweisen.

Obwohl sich der Gewerbeverband, die Handelskammer und die meisten Parteien für ein doppeltes Nein starkgemacht hatten, obsiegte der Gegenvorschlag. Weshalb?

Schlussendlich hat die Politik ihre Verantwortung nicht wahrgenommen. Dies aus Angst vor einer radikalen Initiative. Der Grosse Rat und Baudirektor Hans-Peter Wessels haben einen viel zu weit reichenden Gegenvorschlag ausgearbeitet, der von der Stimmbevölkerung offenbar als Kompromiss wahrgenommen wurde, was er aber nicht ist.

Was bedeutet die Annahme des Gegenvorschlags – wird die Weiterentwicklung massiv eingeschränkt?

Ja, Basel-Stadt hat sich grosse Chancen für attraktiven, aber auch sozialen Wohnraum sowie für spannende Stadtparks, die diesen Namen auch wirklich verdienen, verbaut. Langfristig wird der Nutzungsdruck auf bestehende Wohn-, Grün-, Wirtschafts- und öffentliche Flächen zunehmen.

Schaut man vergangene Abstimmungen an – so die Landhof-Abstimmung – gingen diese oft zulasten der Baubranche aus. Was läuft falsch?

Bestimmten politischen Kreisen gelingt es leider immer wieder, das Bauen als rein renditegetriebenes Gewerbe darzustellen. Dies ist aber bei Weitem nicht der Fall. Gerade die Bau- und Architekturbranche setzt heutzutage viele wichtige Impulse für eine sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung. In Basel sind solche Impulse leider ganz offensichtlich nicht gefragt. In diesem Zusammenhang tickt Basel leider oft falsch.

Wird der Stadtkanton mit Entscheidungen, wie jetzt diese am vergangenen Sonntag, für Investoren unattraktiv?

Das Klima ist heute nicht nur investitionsfreundlich. Basel befindet sich bei Investoren in einem Wettbewerb mit der ganzen Schweiz. Entscheide wie derjenige vom Sonntag verhindern aber vor allem innovative Entwicklung von interessanten Projekten und Investitionen. Offenbar will die Mehrheit der Basler Stimmbevölkerung nur wenig Entwicklung und Investitionen in die Zukunft. Da darf an die Redensart «Stillstand ist Rückschritt» erinnert werden.

Das Interview wurde schriftlich geführt.